. Da aber ein so hoher Gönner sie in Vorschlag brachte , mußte der Ersatz für den Verwalter ein unermeßlicher sein ; und das freute ihn in die Seele seiner Pastormutter , die diesen mißglückten Posten noch immer nicht verwinden konnte . Aufgetaut , wie er einmal war , schwoll ihm das Herz von stolzem Glück . Noch nie hatte ein Mensch ihn gefragt : Wie ist dirs ergangen ? Wie hast dus getrieben in deinen langen acht Lebensjahren ? Noch nie hatte er einem Menschen die Wohltäter rühmen können , die ihm der Inbegriff alles Würdigen waren ; der alte Herr lächelte über die treuherzige Weitschweifigkeit des kleinen Schwätzers , und selber das stille weiße Fräulein belebte sich bei der Vorführung von Pastorvater und Pastormutter , von den sechs großen Schwestern und der kleinen siebenten , die eigentlich sein Zwilling sei . Auch Kantor Beyfußens und der litauischen Lene wurde gebührentlich Erwähnung getan , und nur erst , als der alte Herr ihn mit der Frage unterbrach : ob er den alten Mehlborn kenne ? da stockte der Redefluß einen Augenblick , dann jedoch wurde wahrheitsgemäß erwidert , der Dezem kenne den Herrn Amtmann freilich ganz genau , da selbiger ja auch sein Herr Pate sei und es früherhin so gut mit ihm gemeint habe , daß er ihn sogar zu seinem Inspektor machen wollen . Seit dem Tode der Frau Amtmännin könne der Herr Amtmann den Dezem aber nicht mehr leiden , und seitdem der Herr Amtmann hinunter auf das Talgut gezogen sei - - « Der alte Herr fuhr von der Bank in die Höhe . » Wie , was ? « brauste er auf , » der Mehlborn wohnt nicht mehr im Schloß ? Aber zum Henker ! das verdirbt mir ja das halbe Gaudium ! Wann ist er denn - - - « Er hatte nicht Zeit , die Frage zu vollenden ; denn : » Dort kommt der Herr Prediger , lieber Onkel ! « rief das weiße Fräulein ; und wirklich bog Pastor Blümel , bereits im Ornat , hastigen Schrittes um die Gartenhecke . Röschen flatterte wieder vor ihm her wie ein Schmetterling . Der fremde Herr ging ihm mit ausgestreckten beiden Händen entgegen . » Ihr liebes Töchterchen hat unser Inkognito zu Ihnen ungelegener Stunde aufgehoben , Herr Pfarrer , « sagte er . » Richtig gespürt hat indessen das kleine Ding . Ich bin in der Tat der General von Hartenstein , und diese hier ist meine Nichte , die Tochter des Propstes , den Sie ja kennen . « Pastor Blümel freute sich - und wie von Herzen ! - des ersehnten Bekanntwerdens , bedauerte , durch sein Amt für ein paar Stunden in Anspruch genommen zu sein ; rechnete aber , wie sein Liebling wiederum richtig vorausgespürt , auf das Glück , Onkel und Nichte als Mittagsgäste in seinem Hause zu begrüßen . Der General nahm ohne Umstände an . » Es ist ein leidiger Anlaß , « sagte er darauf , » der mich zum ersten und voraussichtlich zum letzten Male in meine Besitzung führt . Davon indessen später . Leider höre ich , daß mein Pächter seine Residenz verlegt hat . Besucht er Ihre Kirche regelmäßig ? « » Nur noch die seines eigenen Gutes , das mein Filial ist , Exzellenz . « » Bon ! « versetzte heiter die Exzellenz . » So möchte ich heute seinen Kirchenplatz einnehmen . Denn vor der Eröffnung , die ich ihm zu machen habe , und auf die ich mich bei aller Kläglichkeit des Anlasses freue wie ein Schneekönig , item vor dieser Eröffnung an seiner Seite Ihren Segen , Herr Pfarrer , zu empfangen , würde mich einigermaßen gotteslästerlich angemutet haben . « Die beiden Herren schlugen den Kirchpfad längs der Gartenmauer ein . Röschen flatterte wieder voran , Mama den zusagenden Bescheid zu hinterbringen . Dezimus ging mit dem weißen Fräulein hinterdrein . Beide schwiegen eine Weile still . Der Bauernjunge im blauen Leinenkittel wußte nichts , womit er das vornehme weiße Fräulein privatim hätte unterhalten können , und das vornehme weiße Fräulein mochte von dem Bauernjungen bereits zur Gnüge unterhalten worden sein . Endlich fragte sie aber doch : » Du hast wohl noch niemals durch ein Fernglas gesehen ? « Er antwortete : » Nein « ; weil er jedoch allemal beherzt wurde , wenn auf seine Wunder die Rede kam , setzte er hinzu : » Ich möchte aber alle Tage durch solche Gläser sehen können . « » Hast du schwache Augen ? « » Nein , Falkenaugen , sagt die Mutter . « » Wozu brauchst du dann ein Glas ? « » Weil ich in den Himmel blicken möchte . « » An den Himmel meinst du wohl , Dezimus . In den Himmel blicken wir hienieden nicht . Wenn du größer wirst , mußt du einmal auf eine Sternwarte gehen . « Dezimus fragte , was eine Sternwarte sei , und das weiße Fräulein belehrte ihn , soweit als ein zehnjähriges , frühreifes Kind über ein derartiges Institut , dessen forschende Insassen und deren Werkzeuge zu belehren vermag . Sie erzählte auch , daß sie mit ihrem älteren Bruder von dessen Hofmeister auf das Observatorium ihrer Vaterstadt geführt worden sei und daß sie durch ein mächtiges Fernrohr die Berge auf dem Monde deutlich gesehen habe und eine Menge Sterne , die sie mit bloßen Augen gar nicht wahrgenommen , deutlich wie die leuchtendsten am Himmel . » Ist Ihre Vaterstadt weit ? « fragte Dezimus mit fliegendem Atem . Ihm schwindelte das Hirn . » Sehr weit , « antwortete das weiße Fräulein . » Ich glaube aber , eine Sternwarte gehört zu jeder Universität , und ihr habt ja mehrere Universitätsstädte in der Nähe . Gestern haben wir in einer übernachtet , und heute wollen wir in einer anderen übernachten . Da kannst du ja leicht einmal hinkommen , Dezimus . « Wieviele Menschen sind sich wohl