Kellner , schwarzbefrackt , mit Rosen im Knopfloche , waren an der Tür postiert und verneigten sich alle zugleich , sooft einer der Geladenen eintrat . Der erste , der sich einfand , war Doktor Wenzel mit seiner Frau und seinem erstgeborenen Sohne . Der Familie folgte auf dem Fuße ein magerer Freiherr aus altadeligem Hause , aber sehr herabgekommen in seinen Finanzen , der einstens ein wirklicher Attaché gewesen sein sollte , man wußte nicht bei welcher Gesandtschaft . Er war einer von Regulas hartnäckigsten Freiern und fühlte sich glücklich , Schimmelreiters Freundschaft errungen zu haben , nachdem er um die Mansuets vergeblich geworben . - Sodann erschienen der ehemalige Direktor von Rondsperg und Herr Professor Bauer , zuletzt die Angehörigen der Braut . Schimmelreiter ging von einem zum andern und dankte jedem für die Ehre , die er ihm erwies . Doktor Wenzel sprach angelegentlich mit der Neuvermählten , die vor Gemütsbewegung wie eine Päonie glühte , und lobte den Charakter ihres Mannes , dann begab er sich zu diesem und lobte die Bescheidenheit und Anmut seiner » bräutlichen Frau « . Der Professor hatte heute seinen schüchternen Tag , drückte sich an die Wände und wich schon von weitem jedem aus , der Miene machte , auf ihn zugehen zu wollen . Manchmal warf er einen sehnsüchtigen Blick nach der Tür , öfter jedoch einen wütenden auf den Freiherrn . Dieser hatte seine schwarzgefärbten Haare in kleine Locken brennen lassen , trug eine weiße Krawatte und am roten Bande das Kommandeurkreuz des Hausordens einer deutschen Miniaturfürstlichkeit . Er sah ganz erschrecklich vornehm aus , und der schlichte Ludwig Bauer geriet darüber in Verzweiflung . Um acht Uhr erschien endlich Fräulein Heißenstein , gefolgt von Mansuet und Bozena . Daß auch dieser Zutritt gewährt wurde in die vollkommen distinguierte Gesellschaft , die Schimmelreiter an seinem Ehrentage um sich versammelte , wurde dem Festgeber sehr hoch angerechnet ; noch höher aber dem leutseligen Fräulein , das sich herabließ , mit der Magd an einem Tische zu sitzen . Regula wurde ehrfurchtsvoll empfangen und von Schimmelreiter an die Spitze der Tafel geleitet , wo sie zwischen ihm und dem Freiherrn Platz nahm . Ihr gegenüber am unteren Ende des Tisches saß Bozena zwischen Mansuet und Wenzel jun. , der ungemein viel aß , besonders Brot , und , sooft ihn jemand ansprach , aus Bestürzung darüber einen großen Bissen in den Mund steckte , bevor er den Versuch machte , zu antworten . Die natürliche Folge war ein Erstickungsanfall , den der bescheidene Jüngling in aller Stille zu überwinden suchte . Dieser oft wiederholte Vorgang , den alle Anwesenden außer den Eltern Wenzel bemerkten , trug nicht wenig zur Erhöhung der allgemeinen Heiterkeit bei . Er wirkte , so unbedeutend er war , befreiend auf die bisher etwas gedrückte Stimmung der Braut . Immer freundlicher gestaltete sich das Fest , es herrschte bei dem größten Anstand die größte Unbefangenheit . Jedermann schien zu denken : Da sitze ich im schön geschmückten Saale , an reich gedeckter Tafel , esse die köstlichsten Sachen , bin auf das beste gekleidet , befinde mich in zahlreicher und feiner Gesellschaft und fühle mich dabei so heimisch , als befände ich mich zu Hause in meiner Stube . Daß es bei einem Souper , an dem Doktor Wenzel teilnahm an Trinksprüchen nicht fehlte , braucht wohl nicht erst gesagt zu werden . Es wurde auf das Wohl der Neuvermählten , auf das Wohl Regulas , auf das Wohl des Freiherrn , des Direktors und des Professors getrunken . Schimmelreiter brachte ein Hoch aus auf die Familie seiner geliebten Frau , der Freiherr eines auf die Frauen von Weinberg , der Direktor eines auf Doktor Wenzel und seine Angehörigen und auf das ganze weibliche Geschlecht . Nun neigte sich das Fräulein zu Schimmelreiter und flüsterte ihm leise einige Worte zu . Er erhob sich wie elektrisiert und sprach : » Eine edle Dame mahnt mich , daß wir bisher noch eines versäumten , das uns ziemt ... « Die Pause , die der Redner hier machte , benützte der Professor , um leuchtenden Auges und mit bewegter Stimme das Zitat zu bringen : » Willst du genau erfahren , was sich ziemt , So frage nur bei edlen Frauen an « , und Schimmelreiter fuhr fort : » Nämlich auch die treue Dienerin des Hauses Heißenstein , Jungfrau Bozena , hochleben zu lassen . Auf ihr Wohl ! « rief er , und dieser Toast fand lebhaften Anklang . Bozena verließ ihren Platz und ging mit dem Glase in der Hand von einem zum andern , um mit ihm anzustoßen . Dies wurde für jeden , der des Gespräches mit seinen Nachbarn satt war , das Signal , gleichfalls aufzustehen . Der Herr Direktor begab sich zu Regula und fragte sofort , ob sie Nachrichten von » seinen Herrschaften « habe . Er bedauerte über die Maßen » seinen lieben Grafen Ronald « , nannte Rondsperg einen famosen Besitz ... » das heißt hm ! - freilich , es könnte alles wieder werden , wenn ... ja - wenn ! « Schimmelreiter schlüpfte zu seiner Gattin hinüber und sagte der Verschämten ins Ohr , das Souper sei ausgezeichnet nobel gewesen , dann näherte er sich Mansuet , dem er gestand , er glaube behaupten zu dürfen , seine Kathi habe sich zu der Verbindung mit ihm nicht nur aus Vernunft entschlossen , sondern auch aus Liebe . In diesem Augenblicke ließ sich im Nebenzimmer ein lauter Wortwechsel vernehmen . Deutlich unterschied man die Rufe : » Zurück ! « - » Hier tritt man nicht ein ! ... « - » Geladene Gesellschaft . « Und dazwischen wiederholte eine heisere Stimme unablässig : » Macht Platz ! macht Platz , ihr Esel ! - Was - geladen ! Wüßten sie , daß ich da bin , ich wäre auch geladen ! « Der Lärm wuchs , dumpfe Schläge fielen - die Tür flog auf ... und