Es kostet Mühe und es gibt Mißverständnisse . Die besten dieser Leute sind nicht so gut und die schlechtesten nicht so schlecht , als ich mir vorzeiten gedacht habe . Ein paar Ausnahmen aber - deucht mir schier - gibt es doch . Ich muß sogar ein wenig unredlich sein ; sie dürfen es nicht wissen , weshalb ich da bin . Viele halten mich für einen Flüchtling und sind mir deshalb gewogen . Ein Mensch , den diese Wäldler gern haben mögen , muß von der Welt verachtet und verbannt sein , muß schier so wild und glück- und sorglos sein , wie sie selbst . Ich habe mich denn auch um eine Arbeit umsehen müssen . Ich flechte Körbe aus Rispenstroh und Weiden , ich sammle und bereite Zunder , ich schnitze aus Buchenholz Spielsachen für Kinder . Ich habe mich schon so sehr in dem Zutrauen der Leute befestigt , daß sie mich das Schärfen der Arbeitswerkzeuge lehren , so daß ich den Holzschlägern die Beile und Sägen scharf zu machen verstehe . Das bringt mir manchen Groschen ein und ich nehme ihn an - muß ja angewiesen sein auf meiner Hände Arbeit , wie alle hier . In meiner Stube sieht es bunt aus . Und da sitze ich , wenn draußen schlecht Wetter oder der lange Herbstabend ist , zwischen den Weidenbüscheln und Holzstücken und den verschiedenen Werkzeugen , und schaffe . Selten bin ich allein dabei ; es plaudert mir meine Hauswirtin vor , oder es sitzt ein Pecher oder Wurzner , oder Kohlenbrenner neben mir und schmaucht sein Pfeifchen und sieht mir schmunzelnd zu , wie ich das alles anfange und zu Ende bringe , und greift letztlich wohl gar selber an . Oder es sind Kinder um mich , denen ich Märchen erzähle , oder die mit den Schnittspänen spielen , bis auch das Spielzeug in meiner Hand fertig ist . An Sonntagen sitzt gar der Förster stundenlang bei mir und hört meine Erfahrungen und Pläne wegen der Winkelwaldleute . Wir besprechen allerlei , und zuweilen schreibe ich einen langen Brief an den Herrn des Waldes . Die Holzschläger , die früher drüben in den Lautergräben gerodet haben , ziehen sich immer mehr gegen das Winkel herüber , und schon einige Male hab ' ich durch den stillen Wald das Donnern eines fallenden Baumes vernommen . Von der Lauterkuppe schaut seit einigen Tagen eine blaßrote Tafel herab , die sich von Tag zu Tag ausdehnt und in der Morgensonne fremd zwischen dem dunkeln Grüne des Waldes niederleuchtet . In den Schluchten der Winkel gegen die Straße hinaus arbeiten Steinbrecher und Teichgräber ; es wird ein Fahrweg angelegt , daß die Kohlen und Holzstämme besser hinausbefördert werden können . Ich gehe gern zu den Arbeitern herum und sehe ihnen zu , und spreche mit ihnen , auf daß ich mir in den Dingen einige Erfahrungen sammle . Zuweilen aber sind die Leute doch ein wenig mißtrauisch gegen mich und begegnen mir mit ihren Vorurteilen . Ich trage gern ein Büchel von Wolfgang Goethe mit mir herum , und wo so ein schönes lauschiges Plätzel ist , da setze ich mich auf einen Rasen oder auf einen Stein und lese in dem Buche . Dabei bin ich schon mehrmalen aus dem Hinterhalte beobachtet worden . Und da schleicht im Walde das Gerücht herum , ich sei ein Zauberer und hätte ein Büchlein mit lauter Zaubersprüchen . Ich habe nachgedacht , ob mir dieser seltsame Nimbus für meine Pläne anfangs nicht einigen Vorteil brächte . Gewiß sind die Eltern leicht zu bewegen , ihre Kinder von mir das Lesen lernen zu lassen , wenn ich ihnen sage : versteht einer nur erst die Zaubersprüche in dem Büchlein , so kann er teufelbeschwören , schatzgraben , wettermachen , oder je nach Bedarf die Wettermacher unschädlich halten nach Belieben . Ich denke , daß selbst Erwachsene und gar Grauköpfe ihre Arbeitswerkzeuge fallen lassen und zu mir in die Schule gehen würden . - Von mir aber wäre es schändlich und ich täte dadurch nur das Verkehrte erreichen von dem , was ich will . Nicht , daß die Leute lesen und schreiben lernen ist die Hauptsache , sondern , daß sie von den schädlichen Vorurteilen befreit werden und ein reines Herz haben . Freilich könnte ich ihnen später Bücher der Sittenlehre unterschieben und sagen : da drin stehen die echten Zaubersprüche , aber die Getäuschten hätten kein Vertrauen mehr zu mir , und das Übel wäre größer , anstatt kleiner . Nicht auf Umwegen wollen wir schleichen ; eine gerade Straße hauen wir durch das Urgestämme . Ich habe aus dem Buche den Leuten einige Male Lieder vorgelesen ; den Mädchen das » Heideröslein « und den Burschen das » Christel « gelehrt . Gleich haben sie - ich weiß gar nicht , woher - eine Weise dazu , und jetzt werden die Lieder im Walde schon gesungen . Und so ist nun der Herbst gekommen . Der Himmel ist , wenn die Morgennebel in den Tälern sich lösen , hell und rein und alle Wolken sind aufgesogen . Die Nadelwälder sind dunkelbraun , die Laubhölzer sind gelb oder rot , und auf der Talwiese grünt es frisch , oder es liegt auf derselben das Silber des Reifes . In diesen Wäldern ist der Herbst buntfarbiger und fast lieblicher , als der Lenz . Der Frühling ist ein übermütiges Glitzern und Schillern , Singen und Jauchzen allerwege ; der Nachsommer hingegen ist , wie ein stiller , feierlicher Sonntag . Da horcht und gehorcht nichts mehr der Erde ; da lauscht alles ahnungsvoll dem Himmel und der Atem Gottes säuselt stimmungsvolle Lieder durch die goldenen Saiten der milden Sonne . Der Himmel ist ja so redlich geworden , er hält tagsüber mehr , als er des Morgens mit seinen nebeltrüben Augen verspricht . Man schaut in sein blaues , stilles Aug ' .... Dort sitzt an einem Waldfeuer der Hirtenknabe . Er tut runde Dingelchen aus dem