ihm in einer Gesellschaft , wo Hans leicht auch bedeutendere Mädchen hätte bemerken können , wenn er nicht durch diese dumme Geschichte auf einem Punkte festgehalten worden wäre . Sie hatte dem Vater sehr , sehr unrecht getan mit dem Verdachte , daß er den Hansjörg ihr weggetrieben habe . Der ging wohl selbst , als sie sich nicht geneigt zeigte , sich sofort zu verehelichen und ihm einige Tausende zu verschreiben - um so wenigstens der Schwester den Hans zu fangen . Sein Handel mit ihren Briefen bewies ja , daß der Elende zu so etwas schon der Mann sei . Wunderbar , daß ihr das nicht schon längst einfiel , daß sie den guten Vater in so schlimmem Verdacht haben konnte . Wie um Verzeihung bittend , schaute sie zu ihm hinüber . Er stand neben den Musikanten und sah ihr lächelnd zu . Ja , er konnte lächeln und ihr ihre kindische Freude am Tanzen lassen , wenn sie ihm damit vielleicht einen Plan , eine Hoffnung verdarb ! Er sorgte so sehr für ihren Namen und hielt sie von allem immer fern , was ihr auf irgendeine Weise schädlich oder nachteilig hätte werden können . Und nun warf sie sich öffentlich , wenn auch nur für heute , an diesen Springinsfeld weg nur wegen einem flüchtigen Vergnügen . Vergnügen ? Du lieber Gott , was war es denn Herrliches , sich von dem eiteln Tropfen einige Stunden herumreißen lassen und allen Gaffern ein Schauspiel sein ? Ja , heute war Dorothee wirklich besser dran als sie , das mußte sich Zusel gestehen , und sie gestand sich ' s auch so laut , daß sogar der gute Heuer etwas davon zu merken begann . Sie hätte gern ihren Ärger an ihm ausgelassen und begann daher den Stighans und sein schönes Anwesen über alle Maßen zu loben . Dann erzählte sie , daß sie den Wackeren jeden Augenblick haben könnte , wenigstens würde die ganze Verwandtschaft die Hände nach ihr ausstrecken ; sie aber verachte die groben , selbstsüchtigen Leute , also die Mannsbilder , recht von Herzen und brauche sie nur zuweilen zum Spaß , um sich über die Tröpfe wieder recht lustig machen zu können . Zusels Reden waren immer bitterer , je lauter , fröhlicher das Reden und Lachen des nachtanzenden Paares wurde . Aber nicht nur ihr taten Hans und Dorothee ganz unbewußt weh , der Jos war durch sie noch in viel üblere Stimmung gekommen . Und doch saß er ganz im Dunkeln an der Wand auf einem Bänkchen unter jungen Burschen , die bedauerten , nicht tanzen zu können , und Greisen , welche von der guten alten Zeit mit Begeisterung erzählten , daß man hätte glauben können , Jos vermöchte sonst nichts mehr zu hören und an nichts anderes zu denken . Gehört wird er auch nicht alles haben , aber er glaubte dem Hans und Dorotheen die Worte von den glühenden Gesichtern lesen zu können . Die beiden waren so glücklich jetzt , und er blieb vergessen bei seinem Tirolerwein in der dunkelsten Ecke sitzen . Kein Wunder , daß er heute nicht mehr der alte opferwillige Jos war , schienen doch auch jene beiden ganz anders geworden zu sein , seit er nicht mehr allein mit ihnen war und für sie arbeiten mußte . Wie dem Bettler das Almosen hatte Hans ihm einen Taler hingeworfen , damit er sich einen Humor trinken könne , und als er dann bat , ihm doch auch einige Tänze mit der Magd zu erlauben , ja , da hatte diese Hansen angesehen , als ob er über Leib und Seele ihr Vormund sei . Freilich , daß das ihn noch gar so ärgern würde , empfand er damals nicht , sonst würde er den Tanzsaal gar nicht betreten haben . Damals wollte er die beiden als Paar sehen , jetzt ärgerten sie ihn ungeheuer , und sein Glas wurde immer schneller leer . Was auch sollte er an der Kirchweih tun als trinken ? Heute brauchte ihn niemand . Ganz war er sich selbst überlassen und konnte tun , was er wollte , wenn er nur morgen wieder für alle schwitzte , sorgte und lief . Da die Zusel , die er doch immer nur für ein eitles Ding hielt , hatte mit einem armen Heuer auftreten mögen , Dorothee aber , die fromme , demütige Magd , hatte für ihn nichts mehr als einen Blick des Mitleides . So nämlich nannte er das , was ihr schönes Auge ihm einmal - verstohlen , glaubte er - in seine Ecke geschickt hatte . Ihm war dabei ganz heiß geworden , und trotzig rückte er noch tiefer in den Schatten seines Winkels , sich selbst quälend mit der Vorstellung , daß der Glücklichen sein Anblick nicht recht angenehm sein könnte . Bald war ihm , daß er hätte heim mögen zur Mutter , um sich auszuweinen ; dann wieder regte sich alles in ihm , daß er lärmen wollte und Händel anfangen mit der ganzen Welt . Dennoch kam es zu nichts anderem , als daß das Glas neben ihm von neuem wieder gefüllt und geleert wurde . Des Krämers Heuer hatte , wie eng es jetzt auch sein mochte , soeben einen seiner kunstreichsten Sprünge begonnen , als Zusel ihn , ohne ein Wort zu sagen , aus dem Kreise der Tanzenden führte und raschen Schrittes mit dem willenlosen Erstaunten den Saal verließ . Bald hernach suchte Hans den Knecht und sagte , ohne sich um sein unfreundliches Gesicht zu kümmern : » Die Zusel ist fort , und uns wird ' s jetzt auch zu heiß und zu eng . Komm ! « Ohne eigentlich zu wollen , folgte Jos dem Paar in die Kammer , wo neben dem Krämer und den Seinigen für die eben Eintretenden gerade noch drei Stühle aufgestellt werden konnten . Dem Jos wurde hier noch heißer als auf dem Tanzplatze . Angst aber war ihm nicht