drückend , streckte er wie zum Kampf den andern zum gewitterschwarzen Himmel auf . Nur zu , nur zu ! murmelte er durch die zusammengepreßten Zähne ; ich fürchte Dich nicht ! ... Wie , gnädige Frau , ist Ihr Muth schon zu Ende ? O , es ist schön im stürmenden , donnernden Walde ! Melitta sprach kein Wort ; die Augen nicht vom Boden erhebend , eilte sie weiter , schneller und immer schneller , bis der Wald sich zu einer weiten Lichtung öffnete ; und da lag vor ihnen , in diesem Augenblick von dem röthlichen Lichte eines Blitzes hell erleuchtet , die Waldkapelle . Nur ein paar Schritte noch und sie langten unter dem weit vorspringenden Dache des im Schweizerstyl allerliebst ausgeführten Häuschens an . Rasch erstieg Melitta die Stufen , die zu der niedrigen Veranda hinaufführten ; sie nahm einen kleinen Schlüssel aus der Tasche ihres Kleides , drehte das Schloß auf , aber , anstatt die Thür zu öffnen , lehnte sie sich zitternd gegen die Pfosten . Sie war bleich ; ihre Kraft schien gänzlich erschöpft ; sie drückte die Hand auf das Herz . So sah sie Oswald , als er den Blick von der im Regen dampfenden Wiese - ein Anblick , der ihn stets mit einer eigenthümlichen Lust erfüllte - zu ihr wendete . Mein Gott , gnädige Frau , was ist Ihnen ? was haben Sie ? O , nichts , nichts ! sagte sie , beim ersten Ton seiner Stimme sich aufraffend ; es ist der schnelle Lauf ; jetzt ist es schon wieder besser ; kommen Sie ! Sie öffnete die Thür und trat ein ; Oswald folgte . Aber er fuhr entsetzt zurück , als er in dem mystischen Halbdunkel , das in dem Gemache herrschte , eine hohe weiße Gestalt erblickte , die aus der Wand hervorzuschweben schien . Was ist das ? rief er im ersten Schrecken . Was ? sagte Melitta , welche die Fenster öffnete , um die frische Luft in das heiße , blumendufterfüllte Gemach strömen zu lassen . Die Venus von Milo ! rief Oswald , und ein wollüstiger Schauder durchrieselte ihn . Meine Heilige ! ich sagte es Ihnen ja . Nun , wie finden Sie die Kapelle ? Es war ein nicht sehr großes , aber verhältnißmäßig hohes Gemach ; rechts und links je ein Fenster , das auf die Veranda führte , der Thür gegenüber stand in einer Nische auf einem niedrigen Piedestale das Bild der Göttin . Bequeme Gartenstühle , eine Chaise longue , ein Tisch , auf dem Bücher , Papiere , Zeichenmaterialien , eine angefangene Stickerei , Reitpeitsche und Handschuhe durcheinander lagen - waren die einfache , schickliche Ausstattung . Sind Sie sehr naß geworden ? fragte Melitta , ihren Hut auf den Tisch werfend , ohne die Antwort auf ihre vorige Frage abzuwarten . Und dann : Gehen Sie da vom Fenster fort , Sie werden sich erkälten . Kommen Sie hierher , oder nein ! setzen Sie sich auf die Chaise longue und erholen Sie sich ! Und wieder : Wenn ich nur etwas für Sie herbeischaffen könnte ! - Aber es ist wahr , ich kann ja Thee bereiten . Wo sind nur gleich die Sachen ? Hier - nein , dort in dem Schrank . Das Alles sagte sie hastig , wie gedrängt von einer in ihr wühlenden Unruhe , mit raschen , ungleichen Schritten im Gemache hin und her schreitend . Oswald ergriff ihre Hand . Sorgen Sie nur erst für sich selbst , liebe , gnädige Frau ; mir schadet das bischen Regen wahrlich nichts . Ihr Kleid ist feucht und ihre dünnen Stiefel sind auch keine Fußbekleidung für das nasse Gras der Wiese . O , für mich ist leicht Rath geschafft . Ich habe nebenan Alles , was ich brauche . Nebenan ? Sagte ich Ihnen nicht , daß ich hier oft selbst die Nächte zubringe ? Die Thür dort führt in meine Garderobe . So gehen Sie sogleich hinein und kleiden Sie sich um . Melitta zog ihre Hand aus der des jungen Mannes , und ging , ohne ein Wort zu erwidern , von ihm fort und verschwand durch eine Thür , die sich neben der Statue befand , und die Oswald jetzt zum ersten Male bemerkte . Er warf sich in einen der Lehnstühle und stütze den Kopf in die Hand ; dann sprang er wieder auf , lehnte sich in ' s Fenster und starrte mit düsteren Augen hinein in den Sturm und Regen ; dann ging er mit hastigen Schritten in dem Gemache auf und ab ; endlich warf er sich vor dem Piedestale der Göttin nieder und legte seine heiße Stirn auf ihre Marmorfüße . Das Rauschen eines Gewandes dicht neben ihm schreckte ihn aus seinem Fiebertraum . Melitta ! rief er mit Thränen der Wonne im Auge zu ihr aufschauend , Melitta ! Sie beugte sich zu ihm nieder und küßte ihn zärtlich auf die Stirn ; dann aber eilte sie von ihm fort , warf sich in einen der Lehnstühle und schluchzte , als ob ihr das Herz brechen wollte . Oswald fiel vor ihr nieder ; er umfaßte ihre Kniee ; er drückte sein glühendes Gesicht in ihren Schooß ; er küßte ihr Gewand , ihre Hände . Melitta ! süße , holde , weine nicht ! Wie kannst Du weinen , da Du mich so namenlos glücklich machst ! Melitta , liebe , liebe Melitta ! Deine Thränen tödten mich . Nimm lieber mein Herzblut , Tropfen für Tropfen . Mein Blut , mein Leben , meine Seele sind ja Dein ! Melitta , für diesen Augenblick will ich Dir ewig danken , hörst Du , Melitta , ewig - Um Gotteswillen , schwöre nicht ! rief Melitta , auffahrend und ihm die Hand auf den Mund legend . Dann ergriff sie seinen Kopf und küßte ihn leidenschaftlich auf Stirn und Augen und Mund . Und