von solcher kühnen Rede ? Als Antwort flog ein väterliches Lächeln über das wohlgenährte Gesicht des Propstes und er sagte nur : » Ein begeisterter Schwärmer , der Entwürfe zu Riesenbauten in seinem Kopfe trägt , für die ein Dom von Stein noch eine zu kleine Aufgabe , so daß sie darüber hinaus sich in fremde Regionen wagen . Das legt sich mit den Jahren . Ich habe auch schon Steinmetzen gekannt , die Pläne zu himmelhohen Thürmen entworfen , und dann froh waren , wenn ein Sacramentshäuslein daraus zu Stande kam . « Als der König mit der Besichtigung der Lorenzkirche fertig war , begab sich der Zug der Baubrüder in die St. Sebastianskirche , denn auch dies herrliche Bauwerk hatte Max noch nicht gesehen , da er ja zum ersten Male in Nürnberg war . In der großen steinernen Bauhütte , die seit dem Kirchenbau dem Rathhaus gegenüber erbaut worden und stehen geblieben , sollte das Festmahl , die Zeche gehalten werden , da diese Bauhütte größer war als jene und jetzt auch nicht darin gearbeitet ward , der Raum darin also vollkommen frei war . Man hatte sie neu mit schönem Ultramarin ausmalen lassen , und überall glänzten auf dem himmelblauen Grunde Zirkel , Winkelmaß und Dreieck . Das Bild des heiligen Johannes befand sich in der Mitte auf Goldgrund gemalt , und in einiger Entfernung glänzte auf der himmelblauen Wand ein Kranz goldener Sterne darum . Das Sechs- und das Achtort waren zu beiden Seiten an die Wand gezeichnet . Unter jenem stand : » Des Steinwerks Kunst und all ' die Ding ' Zu forschen , macht das Lernen g ' ring . Ein Punkt , der in den Zirkel geht , Der im Quadrat und Triangel steht . Trefft Ihr den Punkt , so seht Ihr ' s klar , Und kommt aus Noth , Angst und Gefahr . Hiermit hab ' t Ihr die ganze Kunst . Versteht Ihr ' s nicht , so ist ' s umsunst . Alles , was ihr gelernt hab ' , Das klagt Euch bald , damit fahrt ab ! « Die Acht war den Theosophen von jeher die wichtigste Zahl als doppelte Vier die Signatur Gottes in der sichtbaren Welt . Die Zahlen des Achtortes umgaben hier dasselbe : 1. 3. 4. 5. 7. 9. 10. 12 als solche , die alle in dem Zirkel liegen und deren Grundlage die Wurzel 1 ist . Aus Eins entspringt Drei , aus Drei : Vier , die Zahl der Buchstaben im Namen Gott , der fast in allen Sprachen deren vier hat . Unter dem Achtort stand : » Was in Steinkunst zu sehen ist , Das kein Irr- noch Abweg ist : Sondern schnurrecht ein Lineal Durchzogen vom Zirkel überall . So findest Du Drei in Vieren steh ' n Und also durch Eins in ' s Centrum geh ' n. Auch wieder aus dem Centrum in Drei Durch die Vier im Zirkel ganz frei . « In der Mitte befand sich eine große Tafel mit blauen Bechern besetzt und hohen Armleuchtern , auf denen dicke Wachskerzen brannten , denn die Fenster der Hütte waren mit schweren Läden aus eichenem Holz mit Eisen beschlagen verschlossen , damit kein profanes Auge von außen einen Blick in die Hütte zu werfen wage . Drinnen wurden Bundeslieder gesungen und einander zugetrunken auf das Wohl der Baubrüderschaften und auf das des Bruders Max . Nachdem dieser schon manches schöne Wort gesprochen , das günstig für deren ferneres Gedeihen mochte gedeutet werden , und der Stoff der Reden erschöpft schien , stand er nochmals auf und sagte : » Ich habe noch Etwas auf dem Herzen . Es ist einem meiner Ritter unter Spott und Schimpf auf dem Feste der Bürgerschützen sein Schwert entrungen worden , und seiner Beschreibung nach ist es ein Trupp Baubrüder gewesen , der sich dessen unterfangen hatte . Ich will hier nicht Gericht als König hegen , aber ich will meine Brüder bei ihrem Eid befragen , wer das gewesen und wie sich die Sache verhält ? « Ulrich und Hieronymus standen auf und traten vor . Ersterer sagte : » Ich hieß den Ritter sein Schwert vom König fordern , wenn er es wieder haben wolle , da er allein entscheiden könne , ob er würdig sei es wieder zu empfangen . Bis dahin nahm ich es an mich . Ich dachte weder , daß der Ritter seine Schuld bekennen , noch daß er seinen Herrn so frech belügen würde . « Und er erzählte wahrheitsgetreu , was auf der Hallerwiese sich zugetragen , und Hieronymus bestätigte es . » Gehörte das Frauenzimmer zu den Familien der Genannten ? « fragte der König . Hieronymus antwortete : » Es war die Gemahlin des Herrn Christoph Scheurl , Elisabeth , aus dem hochangesehenen Geschlecht der Behaim . « Maxens Augen blitzten . Er sagte zu den Beiden : » Nicht wahr , es steht schlimm , wenn Ihr , die Ihr das friedliche Gewerbe heiliger Baukunst treibt und Euch fern halten müßt von allen holden weiblichen Wesen , genöthigt seid die Ritter eines solchen gegen einen Ritter meines Gefolges zu werden ? Ich werde ihm sagen , daß er sein Schwert wieder haben solle , aber erst wenn er die Ringmauer dieser guten Stadt hinter sich habe , die ich ihm befehlen werde schleunig zu meiden , da seine Gegenwart nur mir und meinen Begleitern zu Schimpf und Schande gereichen könne ! « Neuntes Capitel Frohe Feste Bei den Gastmählern , welche der Rath von Nürnberg auf dem Rathhause bei festlichen Gelegenheiten zu geben pflegte , war auch die Betheiligung der Frauen und Töchter der Rathsmitglieder Sitte , allein sie fanden ihren Platz an einer gesonderten Tafel . Die aufgetragenen Speisen wurden zuerst an der Tafel der Rathsherren herumgegeben , und die Frauen erhielten nur von denjenigen Schüsseln , deren Inhalt bis zu ihnen reichte . Demgemäß waren auch die Tafeln bei einem Mahl geordnet , das