. Zur schönen guten Nacht , Schatz lebe wohl ! Leb immer in Freuden Und ich muß dich meiden Bis ich wiederum komm . Wenn ich wiederum komm , komm ich recht zu dir , Und dann thu ich dich küssen Und das schmeckt so süße , Schatz , du bist mein . Schatz du bist mein und ich bin dein ! Und das thut mich erfreuen Und du wirst ' s nicht bereuen , Schatz , lebe wohl ! Man kam endlich am Dorfe an und eine Gruppe nach der andern fiel ab . Barfüßele blieb an ihrem Elternhause bei dem Vogelbeerbaum noch lange sinnend und träumend stehen . Sie wollte hinein und der Marann ' Alles sagen , gab es jedoch auf . Warum heute noch die Nachtruhe stören und wozu soll ' s ? Sie ging still heimwärts , Alles lag in festem Schlaf . Als sie endlich in das Haus eintrat , kam ihr Alles noch viel seltsamer vor als draußen : so fremd , so gar nicht dazu gehörig . » Warum kommst du denn wieder heim ? Was willst du denn eigentlich da ? « Es war ein wundersames Fragen , das in jedem Tone für sie lag , wie der Hund bellte und wie die Treppe knackte , wie die Kühe im Stalle brummten , das Alles war ein Fragen : » Wer kommt denn da heim ? Wer ist denn das ? « Und als sie endlich in ihrer Kammer war , da saß sie still nieder und starrte in ' s Licht und plötzlich stand sie auf , faßte die Ampel und leuchtete damit in den Spiegel und sah darin ihr Antlitz und sie selber fragte fast immer : » Wer ist denn das ? ... Und so hat er mich gesehen , so siehst du aus , « setzte ein zweiter Gedanke hinzu . » Es muß ihm doch was an dir gefallen haben , warum hätt ' er dich sonst so angesehen ? « Ein stilles Gefühl der Befriedigung stieg in ihr auf , das noch gesteigert wurde durch den Gedanken : » Du bist doch jetzt auch einmal als eine Person angesehen worden , du bist bis daher immer nur zum Dienen und Helfen für Andere dagewesen . Gut Nacht , Amrei , das war einmal ein Tag ! « Aber es mußte doch endlich dieser Tag ein Ende haben . Mitternacht war vorüber und Barfüßele legte ein Stück nach dem andern von ihrer Kleidung gar sorglich wieder zusammen . » Ei , das ist ja noch die Musik , horch , wie der wiegende Walzer tönt ! « Sie öffnete das Fenster . Es tönt keine Musik , sie liegt ihr nur in den Ohren . Drunten bei der schwarzen Marann ' kräht schon der Hahn , die Frösche quaken , es nahen Schritte von Männern die des Weges kommen , das sind wohl späte Heimgänger von der Hochzeit , die Schritte tönen so laut in der Nacht . Die jungen Gänse im Hause schnattern in der Steige . Ja , die Gänse schlafen nur stundenweise , so bei Tag , so bei Nacht . Die Bäume stehen still , unbewegt . Wie ist doch so ein Baum ganz anders in der Nacht als am Tage ! Solch eine geschlossene dunkle Masse , wie ein Riese in seinem Mantel . Wie muß das sich regen in dem unbewegt stehenden Baume . Was ist das für eine Welt , in der solches ist ! - Kein Windhauch regt sich , und doch ist es wieder wie ein Tropfen von den Bäumen ; das sind wohl Raupen und Käfer , die niederfallen . Eine Wachtel schlägt , das kann keine andere sein , als die beim Auerhahnwirth eingesperrte . Sie weiß nicht , daß es Nacht ist . Und schau , der Abendstern der bei Sonnenuntergang entfernt und tief unter dem Monde stand , steht jetzt nahe und über ihm , und je mehr man ihn ansieht , je mehr glänzt er . Spürt er wohl den Blick eines Menschen ? Jetzt still , horch , wie die Nachtigall schlägt , das ist ein Gesang , so tief , so weit ; ist es denn nur ein einziger Vogel ? Und jetzt - Amrei schaudert zusammen - mit dem Glockenschlag Ein Uhr rutscht ein Ziegel vom Dach und fällt klatschend auf den Boden . Amrei zittert , wie von Gespensterfurcht gepackt , sie zwingt sich , noch eine Weile der Nachtigall zuzuhorchen , dann aber schließt sie das Fenster . Ein Nachtfalter , der wie eine große fliegende Raupe mit vielen Flügeln aussieht , hat sich mit in das Dachstübchen gewagt und fliegt um das Licht , angezogen und abgestoßen , so grau und grauenhaft . Amrei faßt ihn endlich und wirft ihn hinaus in die Nacht . Indem sie nun Haube , Goller und Jacke in eine Truhe legte , ergriff sie unwillkürlich ihr altes Schreibebuch von der Schule her , das sie noch aufbewahrt hatte , und sie las darin , sie wußte selbst nicht warum , allerlei Sittensprüche . Wie steif und sorglich waren die dahin gezeichnet . Ja , es mochte sie aus diesen Blättern etwas anmuthen , daß sie doch einmal eine Vergangenheit gehabt , denn es schien , daß das Alles verschwunden war . » Jetzt hurtig in ' s Bett ! « rief sie sich zu ; aber mit der ganzen Bedachtsamkeit ihres Wesens knüpfte sie die Bänder alle leise und ruhig auf , und verknotete sich einmal eine Schlinge , sie ließ nicht ab bis sie mit Fingern , Zähnen und Nadeln auseinander gebracht war . Noch nie in ihrem Leben hatte sie einen Knoten entzwei geschnitten , und noch jetzt in ihrer hohen Erregung verließ sie ihr bedachtsamer Ordnungssinn nicht , und es gelang ihr das anscheinend Unentwirrbarste zu lösen . Endlich löschte sie ruhig und behutsam die Ampel und lag im Bett ; aber sie fand keine Ruhe ,