Bevölkerung von Czernagora , Uskoken - die Geächteten , - wie sie sich mit Stolz nannten und noch nennen , stammt von den flüchtigen Serben , die dem Blutbade von Kossowo und auf dem Amselfelde entronnen , mit dem Sultan Amurath I. am 5. Juni 1389 das große serbische Reich vernichtete . Seitdem sind die schwarzen Berge der Zufluchtsort aller kühnen Flüchtlinge aus Bosnien , Serbien , Albanien , und nicht blos der gemißhandelte Rajah , dessen rächende Hand den tyrannischen Unterdrücker erschlug , auch der abenteuernde Moslem selbst , der für seinen Kopf oder seine Freiheit fürchtet , flüchtet hierher und findet Schutz und Aufnahme . So ergänzt sich diese kühne Bevölkerung , fortwährend decimirt durch ihre inneren und äußeren Kämpfe , durch ihre Blutrache und ihre Privatfehden , immer wieder durch neuen Zuwachs aus den kühnsten und kräftigsten Elementen des Slaventhums . Der Nationalzug , das historische Erbe des Volkes , ist der nie ruhende , fortglühende Haß gegen den Halbmond ; seine Historie , welche seine Piesmen1 besingen , besteht in den Schlachten und Kämpfen mit diesem . Iwo der Schwarze , von dem das Land den Namen führt , schlug schon 1450 den furchtbaren Mohamed II. bei Keinowska und erbaute den Hauptort des Landes , Cetinje . Von jener Zeit ab dienten die Czernagorzen dem Norden Italiens als Damm gegen die Eroberungen des damals so furchtbaren und gefürchteten Halbmondes . Mit ihrer sicilianischen Vesper , der schrecklichen Blutnacht zu Weihnacht des Jahres 1703 unter dem Vladiken Danilo Petrowitsch Nieguschi , in der alle Moslems im Lande erschlagen wurden , befreiten sie sich von dem Zeichen der Abhängigkeit , dem Haradsch oder Kopfgeld . Seitdem wüthete der gegenseitige Kampf fast ununterbrochen fort . Der Aufruf Czar Peters des Großen an die orientalischen Christen zur Theilnahme am Kriege gegen den Sultan machte das Volk zuerst in Europa bekannt . Die Czernagorzen allein hatten damals den Muth , sich zu erheben , und das Heer des Seraskiers Achmed Pascha , an 50,000 Mann stark , wurde von den tapferen Bergbewohnern bei Czarew-Laz geschlagen . Von jener Zeit her schreibt sich der russische Einfluß und die Sympathie für das Czarenreich in Montenegro . Seitdem auch suchte und erhielt der Vladika , das geistliche und politische Oberhaupt des Landes , seine Bischofsweihe in Petersburg . Zwei Jahre nach der eben erwähnten Niederlage überzog Kiuprili Pascha mit 120,000 Mann das Land und verwüstete es mit Feuer und Schwert , indem er verrätherisch den selbstgebotenen Frieden brach und die übergebenen Geißeln mordete . 1727 rächten die Krieger der Berge diesen Verrath durch den Sieg über Tschengitschbeck . Am 25. November 1756 schlug der Vladika Wassili Petrowitsch den Wessier von Bosnien in den Pässen von Brod . - Die französische Republik wurde nach den Siegen in Egypten über die Türken von allen Griechen-Sclaven als Befreier begrüßt ; als aber Napoleon I. mit dem Sultan ein Bündniß schloß , sahen sich auch die Czernagorzen in ihren Hoffnungen getäuscht und wandten sich auf ' s Neue zu Rußland . Dem petersburger Vertrage zum Trotz übergaben die Einwohner von Cattaro ihre Stadt dem russischen Admiral Seniawin ; mit russischen Hülfstruppen belagerten die Czernagorzen General Lauriston in Ragusa , erlitten aber hier eine Niederlage . 1813 eroberten sie Budva und am andern Tage , den 12. September , Troitza durch Sturm von den Franzosen , und obschon im Frühjahr 1814 Kaiser Alexander , in treuloser Diplomatie vergessend und opfernd die Dienste und Ansprüche seiner tapfern Bundesgenossen , ihren Hafen Cattaro an Oesterreich abtrat , wollten sie doch von dem alten Schutzherrn nicht weichen , bis die letzte Patrone verschossen war . Im Jahre 1820 , als der durch seine Grausamkeit berüchtigte Wessier Dschelaluddin auf ' s Neue einen Versuch machte , das Bergland zu unterjochen , errang Vladika Peter I. einen vollständigen Sieg . Dieser und sein ihm folgender Neffe , Peter II. , der 1830 in Petersburg zum Bischof geweiht wurde und des Großwessiers Mehmed Reschid regelmäßige Truppen - 7000 Mann - mit 800 Bergkriegern schlug , sind die Regeneratoren Czernagora ' s und haben Bedeutendes für sein Emporblühen und seine Kräftigung gethan . 1840 und 41 erfochten die Montenegriner wiederum zahlreiche Siege gegen den berüchtigten Wessier der Herzogewina , Ali , dann beschränkte sich der Kampf auf die gewöhnlichen nie rastenden Gränzfehden , bis zur Zeit unserer Geschichte der Serdar von Bosnien , Omer Pascha , von Norden und Osten , Osmann , der Pascha von Skadar ( Scutari ) , von Süden aus gegen sie zu Felde zog . Das Land ist in vier Nahien oder Bezirke eingetheilt : Czernitza , Lieschanska , Rietschka und Katunska-Nahia ; der letztere ist der nördlichst gelegene . Jeder dieser Bezirke oder Grafschaften umfaßt eine Anzahl Plemen oder Stämme , deren das ganze Volk vierundzwanzig zählt . Hierzu kommt noch das Gebiet der Verdas , der sieben Berge , welche Montenegro umgeben , und deren Bewohner mit dem Freistaat verbündet sind . Jeder der Stämme besteht aus Familien oder Brüderschaften , Brastwo , die eine Gemeinde bilden , deren Glieder sich alle unter einander als Verwandte betrachten . Der Vladika , das geistliche Oberhaupt , seit hundert Jahren aus dem Stamme Njegosch , regiert mit einem Senat von Cetinje aus das Land , und zwar selbstständig , nachdem Peter II. die neben dem Vladikat bestandene Einrichtung eines Gobernatore oder Regenten in Civildingen abgeschafft und die Familie Radonitsch , in der das Amt erblich war , vertrieben hat . Nach dem Tode Peters II. trat sein zum Nachfolger von ihm erwählter Neffe Danilo Petrowitsch Njegosch Ende Februar 1852 die gewöhnliche Reise nach Petersburg an , angeblich um die Weihe als Bischof sich ertheilen zu lassen . Doch schon von Wien aus that er dem Senat kund , daß er der geistlichen Würde zu entsagen und die Meinung des Volks darüber zu hören wünsche , um dann die Ermächtigung des Czaren zu suchen . Die zum 21. Mai nach Cetinje einberufene Volksversammlung sprach sich einstimmig für die vorgeschlagene Trennung der weltlichen