dran wäre und ihn näher bezeichnen solle .... Schon gut , sagte Dankmar , der steife Heidekrüger hat viel Vertrauen zu seiner ungetreuen , unpolitisch gestimmten Liese .... Gezählt hab ' ich ' s nicht . Aber Das merk ' ich schon , es ist mehr als mein ganzer Lohn auf drei Jahre beträgt . So nehm ' er doch ! Damit wandte sie sich , fast collegialisch , wieder an Hackert und brummte etwas vom Hans Narren . Hackert wies sie finster zurück . Als Dankmar zureden wollte , bat er ihn ungeduldig , endlich einzusteigen und die Gans schnattern zu lassen . Gib mir den Beutel , setzte er noch rasch hinzu und betrachtete die Häkelarbeit der Börse . Es war rothe Seide mit Gold durchzogen , das Ganze sehr kunstvoll durcheinandergewirkt . Laß mir den Beutel ! Behalte nur getrost das Übrige ; Verrätherin , die ihren Herrn verleugnet ! Als ihm die Magd den Beutel reichte , schüttete er den ganzen Inhalt erst in seine volle Hand und sagte wirklich : Halt ' die Schürze auf , Hexe ! Dann warf er die aus Gold- und Silberstücken bestehende bedeutende Summe der Liese in den Schoos und murmelte : Die Börse will ich behalten . Was drin war , gib entweder deinem Herrn , er soll ' s dem Schlurck wiederzustellen , oder behalte es selbst . Ich will nichts behalten . Wir stehlen hier nicht , antwortete die Magd , empfindlich über Hackert ' s grobes Benehmen und sein ... Anhexen . Ist Sie großmüthig ? Eine Tugendprahlerin ? So gibt sie auf Heller und Pfennig , fuhr Hackert fort , dem Heidekrüger das Geld da oder stellt in meinem Namen , in Fritz Hackert ' s Namen , hört Sie , Fritz Hackert ' s , dem Justizrath Schlurck das Ganze zurück , wenn er des Weges kommt , oder schickt ' s ihm . Verstanden ? Lateinisch redet Ihr nicht ! brummte die Magd ärgerlich und zugleich doch aufs äußerste erstaunt . Der Herr da will zahlen , fuhr Hackert resolut fort , indem er Dankmarn , der ihm jetzt ernstlich das Geld zu behalten zureden wollte , die Rede abschnitt . Was ist er schuldig ? Einen Thaler fünf Groschen , sagte die Magd , und überreichte eine Rechnung . Dankmar nahm einen der Hackert ' schen Scheine aus seiner Tasche , nicht ohne Verlegenheit zu ihrem seit der Nacht ihm wieder unheimlichen Darleiher hinüberblickend . Hackert erwiederte diesen Blick und schielte , indem er die Rechnung einsteckte , zu den Thalerscheinen , als kennte er sie . Ist der Nachtwandler verschwenderisch und geizig zugleich ? dachte Dankmar und wußte sich diesen Gegensatz nicht zu reimen . Doch war Hackert ' s Blick auf den Inhalt seiner Rocktasche nur ein flüchtiger . Die von der Magd erhaltene Börse fesselte ihn lebhafter . Er betrachtete die Häkelarbeit mit der Andacht eines Menschen , der an der Echtheit einer Reliquie deshalb nicht zu zweifeln wagt , weil er das tiefe Bedürfniß fühlt , sie zu verehren . Wäre Hackert allein gewesen , er hätte die Börse , deren Inhalt er so stolz verschmähte , vielleicht geküßt . Mindestens betrachtete er sie mit andächtigster Theilnahme . Jetzt hinter einem Manne zu sitzen , von dem er wußte , daß er bei Nacht im Schlafe wandelte , war Dankmarn natürlich peinlich genug . Die Erinnerung an die Erlebnisse der vergangenen Nacht überhaupt und die aufregenden Gespräche trat verworren und wüst in ihm auf . Der Gedanke an seinen eigentlichen Reisezweck , die Wiederentdeckung eines ihm verloren gegangenen werthvollen Besitzes , würde vielleicht in den Hintergrund getreten sein , wenn Schlurck ' s Reden ihn nicht aufs lebendigste geweckt hätten . Was er in diesen Tagen nur über die alten Zeiten schon in dem Tempelhause von Angerode nachgedacht hatte , stimmte mit den Äußerungen Schlurck ' s , das Wesen der Ordensgesellschaften betreffend , merkwürdig zusammen . Ihm freilich waren die alten Templer nur in dem verklärten Märtyrerglanze erschienen , wie sie auf dem Bilde seines Bruders strahlten . Schlurck sprach zwar auch in seiner Weise hochachtend über sie . Diese war aber für ihn eine geringschätzende . Endlich gewann ihm Das , was Schlurck über den Reubund gesagt hatte , ein lebhaftes Interesse ab . Hinter dem Spotte des Justizraths lag ein gewisser Ernst , dessen einschmeichelnde Macht er nicht zurückweisen konnte . War die Zeit von Ideen nicht wirklich bis zur Armuth verlassen ? Schmachtete sie nicht nach Thaten des Geistes und neuen Offenbarungen ? Einen Augenblick überkam ihn der Gedanke : Wie , wenn du in diesen von der Regierung geduldeten Modebund trätest und ihn zu deinen Ansichten herüberleitetest ! Wie , wenn Das , was ein Bollwerk des Absolutismus sein soll , eine Schutzmauer des Kampfes gegen ihn würde ? Hatte er neben sich in Hackert einen Ausnahmemenschen , dessen Zustand auf dunkle Nachtseiten der Natur führte , so war ihm auch das Ordenswesen plötzlich eine geheimnißvolle Nachtseite der Gesellschaft und er konnte nicht umhin , sich selbst zu sagen : Wer sieht schon jetzt die ganze Reihenfolge Dessen ab , was Alles im Menschen- und Völkerleben als Keim zukünftiger Entwickelungen liegt ? Kein sterbliches Auge verfolgt die schlummernden Möglichkeiten . Wer ahnte einst die Gestaltungen , die nun voll und kräftig in der Gegenwart reifen ? Wer verfolgt die Wege , die sich tief im Schooße der Erde der Maulwurf des Weltgeistes gräbt ? Welche wunderbare Entwickelung hätte der Tempelherrnorden nehmen können , wenn ihn vereinte weltliche und geistliche Macht nicht unterdrückt und aus der Wettbahn der Kräfte , die das Mittelalter stürzten , hinausgedrängt hätte ? Die Päpste bereuten später bitter genug , daß sie im französischen Exil , abhängig von der Willkür französischer Herrscher , den Templerorden aufgehoben hatten , diesen gewaltigen Arm , der ihnen nach dem Verluste des heiligen Grabes und einer veränderten Bestimmung des Ordens im Herzen der weltlichen Gewalt die Waffe hätte führen können , die ihnen