Prinz schwieg . - Haltet ihn fest ! Laßt ihn nicht los ! Schlagt ihn todt , den Spion ! - tönte es plötzlich im Rücken der beiden Dahinwandelnden . Eine gährende Bewegung fluthete durch die Menge . Man drängte , fluchte , stürzte durch einander , ohne in der Dunkelheit weder Freund noch Feind zu erkennen . Der Prinz trat mit seinem Begleiter aus dem betretenen Wege heraus zwischen die Bäume , um besser beobachten zu können . Das Geschrei und Getose kam näher . - - Nach der Laterne ! nach der Laterne ! rief man plötzlich . - Die Rasenden werden ihn ermorden - rief der Prinz , mitten in den Haufen springend . Kaum vermochte ihm sein Begleiter zu folgen , der ihm zurief , nicht unnütz sein Inkognito abzulegen . Herr v. M. kannte das Berliner Volk besser , er vermuthete ganz richtig , daß man nicht um ein blutiges Exempel zu statuiren , sondern einfach , um den Beschuldigten besser erkennen zu können , nach dem Lichte sich hindränge . Als man bei einer Laterne angelangt war , die die Hauptgänge des Thiergartens , trotz ihrer enormen Entfernung von einander , die sie als bloße Irrlichter erscheinen läßt , zu erleuchten die Anmaßung haben , erblickte Herr v. M. einen alten Graukopf , welcher mit vor Zorn bebenden Lippen auf einen bleichen Menschen wies , den er mit der linken Hand beim Halstuch gefaßt hielt , während ein junger Mann sich alle erdenkliche Mühe zu geben schien , die Wuth des Alten zu beschwichtigen . - Ins Dreiteufels Namen , Steiger - hörte Herr v. M. , der sich dicht neben Letzterem befand , ihn dem Alten ins Ohr flüstern - wollt ' ihr uns denn Alle ins Unglück stürzen ? ... Das Weitere war nicht zu vernehmen , doch schienen die Worte ihre Wirkung auf den Zornigen nicht zu verfehlen . Er ließ das Halstuch fahren und packte den Angegriffenen beim Arm . - Schlagt ihn todt , den Spion - ertönte es wieder aus der Menge , die um so lauter diesen Ton ertönen ließ , je weniger sie vom Vorgange bemerken konnte , als wolle sie sich dadurch für die Entbehrung des Schauspiels entschädigen . - Was ist mit Ralph geschehen ? - donnerte der alte Steiger . - Sprich Halunke ? - Was weiß ichs ? - erwiederte trotzig der Angeredete , in welchem Herr v. M. jetzt den Chevalier erkannte . - Habt Ihr ihn mir zur Aufsicht übergeben ? Herr v. M .. dachte hier an den alten Spruch der Bibel : Soll ich meines Bruders Hüters sein ? Aber er schwieg . - Schon recht , Du willst nicht bekennen , weil ichs Dir nicht beweisen kann . Aber nimm Dich in Acht , Judas , ich werd ' s schon erfahren und dann werd ' ich Dich schon auch zu finden wissen . Jetzt - Herr v. M ... , der den alten Steiger als ehrlichen , obgleich wunderlichen Menschen kannte , trat näher zu ihm heran und flüsterte ihm ins Ohr : - Nehmt Euch vor unnützen Reden in Acht , Steiger , es könnte Euch schaden . Auch sorgt , daß der Kerl seines Wegs geht . Morgen , wenn Ihr Vormittags zu mir kommt , sollt Ihr Ralph sehen . Und nun macht dem Dinge ein Ende . Verwundert drehte sich beim Ton dieser Stimme der Alte um , aber während er sprach , stand Herr v. M ... im Schatten , und war gleich darauf im Dunkeln verschwunden . - Schlagt ihn todt ! erschallte es wieder aus der ungeduldig werdenden Menge . - Ruhe , Ihr da hinten - brüllte Steiger . Man konnte jetzt das Fallen der vom Winter übriggelassenen Blätter hören . - Wir wollen ruhig nach Hause gehn , Kinder , so muß ' s sein . Es ist ein Irrthum gewesen mit dem Spion . Dummes Zeug , weiter nichts . Und nun kommt ! Während noch Steiger sprach , hatte Gilbert die Gelegenheit benutzt , und war still durch die Menge hindurch in den Wald geschlüpft . Erst als er mehrere hundert Schritte vom Schauplatz , der eben erzählten Begebenheit entfernt war , hielt er an und sah sich um . Er hörte noch die letzten Worte des alten Steiger herübertönen . Dann setzte die Menge ihren Weg zum Thore fort . - Das Verderben über die Canaille - sagte er laut , und erhob drohend die Hand . Aber bald wird der Tag der Vergeltung kommen , und dann wehe Euch ! - Ja , der Tag der Vergeltung wird kommen - tönte eine Stimme hinter ihm . Der Mond warf in diesem Augenblick einen matten Strahl zwischen den Bäumen hindurch . Gilbert erkannte des Prinzen bleiches Gesicht . - Königliche Hoheit ! Sie ! - So spät in dieser Waldeinsamkeit . - Der Prinz achtete auf den Spott in dem Tone Gilberts nicht , sondern blickte ihn stolz verächtlich an , und sagte , sich zur Ruhe zwingend : - Was hat Dir Deine Heldenthat in Straßburg eingebracht , Seelenverkäufer ! - Nicht von der Stelle , Elender . Mich gelüstet ' s , den Beichtiger an Dir zu spielen . - Gilbert fühlte die kalten Läufe eines Doppelterzerols an seinen Schläfen . Er sank in die Kniee . - - Wo ist sie geblieben ? - donnerte der Prinz . - Was habt Ihr mit der Unglücklichen gemacht ? sprich ! - Tödten Sie mich nicht , Prinz . Ich werde reden . - Wo ist sie ? - Als die Herzogin hinter den Streich des Fürsten kam , verlangte sie ihre Auslieferung , als Geißel , wie sie sich ausdrückte . - Der Fürst gehorchte , wahrscheinlich war er auch schon ihrer überdrüßig . - Und die Herzogin ? - Darüber weiß ich nichts Bestimmtes . Der Fürst sprach nicht gern davon . Doch habe ich zufällig gehört , daß - -