stumme Frage und sagte tiefaufathmend , sobald er mit dem Freunde allein war : Ich bleibe hier , mein Freund ! Aber die Worte klangen so muthlos , daß der Domherr ihn bekümmert ansah und ihn fragte : Und erhebt Sie der schöne Entschluß nicht , den Sie gefaßt haben ? Nein , antwortete Alfred , ich bringe das Opfer nicht freudig ; ich fühle meine Pflicht wie eine schwere , drückende Bürde . Das ist der erste Schmerz , meinte der Domherr ; Sie werden ihn überwinden , glauben Sie mir , und Glück und Freude wird Ihnen daraus erwachsen . Alfred schüttelte ungläubig das Haupt und schwieg . Dann sagte er : Nun habe ich eine Bitte an Sie , theurer Freund ! Uebernehmen Sie es , mit meiner Frau die Maßregeln zu besprechen , die für unsere Zukunft nöthig sind . Ich würde es gern sehen , wenn sie von Rosenthal , das mir besonders werth ist , fortzöge . Sie soll wählen , ob sie auf Worben oder auf Plessen wohnen will . Das Gut , das sie vorzieht , will ich ganz nach ihren Wünschen einrichten lassen ; gleichviel , ob sie es für immer oder nur als Sommeraufenthalt zu bewohnen gedenkt . Sie selbst soll das Jahrgeld bestimmen , das sie zu bedürfen glaubt , und jede Verfügung treffen , die ihr für ihr Leben angenehm scheint . Ich werde in Berlin bleiben , meines Sohnes wegen , denke aber alle sechs , acht Wochen mindestens ein paar Tage hieherzukommen . Ohne das Auge des Herrn gedeiht nichts , das sehe ich , und ich hoffe , auf die Weise , die ich Ihnen andeutete , all meinen Pflichten genügen zu können . Der Domherr hörte ihm aufmerksam zu und sagte dann : Es ist mein Beruf , zu versöhnen , nicht zu scheiden . Ihren Gütern habe ich Sie durch meine Bitten erhalten ; wäre es mir doch möglich , Sie auch Ihrer Frau zu erhalten ! Was Gott verbunden hat , soll der Mensch nicht trennen . Bedenken Sie nur , daß aller Vortheil dieser Trennung Ihnen allein zu Gute kommt . Sie behalten den Sohn , Sie haben ein freies , durch Thätigkeit mancher Art ausgefülltes Leben ; was hat eine Frau zu erwarten , die man von ihrer Familie trennt ? Kein schlimmer Loos , als ich alle diese Jahre hindurch an ihrer Seite erduldet habe , sagte Alfred . Aber Sie hatten den Sohn , sich zu trösten ! wendete der Domherr ein . Und was hat das vortreffliche , edle Mädchen , das ich liebe , dem ich entsage , sich zu trösten , als sich selbst ? rief Alfred bitter . Muß dieses , das schuldlos leiden wird , nicht trachten , mit sich einig zu werden , in sich die Kraft für ihr Leben zu finden ? Muß ich nicht ein einsames Dasein erdulden ? Muß ich nicht darben , wo ich ein Glück genießen könnte ? - Nein , nein , lieber Freund ! verschwenden Sie Ihre wohlgemeinten Bemühungen nicht . Ich weiß , was mir frommt , was uns frommt . Gehen Sie zu meiner Frau und machen Sie meinen Wünschen sie geneigt . Ich bin zu jedem Zugeständnisse bereit , wenn wir uns auf friedlichem Wege trennen können . Aber trennen müssen wir uns ! Vergebens machte der Domherr neue Friedensvorschläge , Alfred beharrte auf seinem Willen und Jener verfügte sich zu Caroline , um ihr die Wünsche ihres Mannes mitzutheilen . Sie hörte den Greis , der ihr durch sein geistliches Amt ebenso Ehrfurcht gebot , wie durch seine Person , mit mehr Ruhe an , als ihr sonst eigen war , beschwerte sich dann bitter über das Loos , mit einem so phantastischen , launenhaften Manne verbunden zu sein , klagte Alfred wegen einer Menge Fehler an , und sagte endlich : sie könne keinen Entschluß fassen , sie wolle sich erst mit dem Kaplan berathen , da ihr Mann den Domherrn zu seinem Beistand erwählt habe . Damit erklärte dieser sich , wiewohl ungern , einverstanden , weil er dem Kaplan mißtraute , und ging zu Alfred zurück , ihn von dem Erfolg seiner Sendung zu benachrichtigen . Im Hause herrschte danach ein sehr peinlicher Zustand . Die Gatten sahen sich gar nicht , außer während der Mahlzeiten . Alfred saß verdüstert an der Tafel , Caroline ließ ihren Mißmuth an der Dienerschaft aus , die verlegen und eingeschüchtert ihr Amt verrichtete , und selbst Felix ward scheu und unlustig . Er kam Alfred wie ein Vogel vor , der bei herannahendem Sturm instinktmäßig die Gefahr empfindet , bange umherflattert und nicht weiß , wie er sich schützen soll , da er das Uebel nicht kennt , das ihn bedroht . Das Kind that ihm sehr leid und machte ihm durch seine sorglosen Fragen Kummer . Alfred erwartete deshalb die Entscheidung mit Ungeduld ; aber der Kaplan war für ein paar Tage verreist und man mußte sich bis zu seiner Rückkehr bescheiden . XIV Sobald der Kaplan heimgekommen war , verfügte er sich zu Caroline . Er hörte ihr zu , als sie ihm klagte , und hatte , wie es seine Art war , das Gesicht in die Hand gelehnt , so daß er den Ausdruck seiner Züge verbarg . Als sie ihren Bericht geendet hatte , sagte sie : Nun wissen Sie Alles , nun rathen Sie mir , was soll ich thun ? Was wünschen Sie zu thun ? fragte er . Können Sie das fragen ? rief Caroline . Ich habe es Ihnen tausend Mal gesagt , es ist eine wahre Thorheit , daß mein Mann an eine Scheidung denkt ; es ist gar kein Grund dazu vorhanden . Mein Gott ! ich habe ja nie geleugnet , daß es dann und wann einen Streit zwischen uns gegeben hat , aber wo wäre eine Ehe , in der das nicht vorkäme ? Mein Vater hat mit