, melancholischer Kopf . Sieht man ihr gegenüber nicht heiterer aus ? dachte Mario . Am andern Fenster stand ein Tisch mit Lesepult und verschiedenen Büchern , und ein tiefer Lehnstuhl davor . An der einen Wand eine breite , niedrige , aus einzelnen Polstern zusammengesetzte Ottomane . Ihr gegenüber ein großer Toilettenspiegel , an dem nachlässig eine Echarpe und eine kleine Tafftschürze hingen . An der Hinterwand schlossen dunkelrothe Vorhänge den Alkoven . - Ein Zimmer ist das weitere Ueberkleid eines Menschen : es verräth dessen Formen und etwas von dem Wesen bleibt darin zurück . Darum sieht man so gern das Zimmer eines berühmten oder eines geliebten Menschen ; man wird darin die Seele gewahr . Mario hatte sich friedlich auf die Armlehne des großen Fauteuils gesetzt , und sah sich um . Er wartete nicht auf Faustine ; sie schien ihm gegenwärtig . » Tappt nicht Jemand da herum ? « rief ihre goldene Stimme durch eine Thür , die nur angelehnt war . » Ich harre Ihres Befehls , « sagte Mario , öffnete die Thür und stand in einem kleinen Cabinet , das man Atelier nennen konnte , denn es war ganz für die Malerei eingerichtet : nur ein Fenster , bis zur Mitte von unten auf zugesetzt ; Bilder , Zeichnungen , Kupferstiche , Skizzen von oben bis unten an den nackten Wänden , kein Ameublement als einige Staffeleien , ein paar Tische , worauf Mappen , Zeichengeräth , ein Todtenkopf , Gypsabgüsse von Armen und Beinen - und zwei Strohstühle , worauf auch allerlei Utensilien lagen . » Setzen Sie sich , « sagte Faustine . Sie saß vor einer Staffelei und arbeitete . » Das hat hier seine Schwierigkeiten , « sagte Mario und sah sich lachend um . » Ist es Ihnen unbehaglich hier , so erwarten Sie mich im Salon . In zehn Minuten bin ich mit dieser Anlage fertig . « » Ich muß mich nur arrangiren dürfen « - sagte Mario und kniete neben ihr nieder . » Das geht auch « - antwortete sie und malte gelassen weiter . Er betrachtete sie . Ihr Anzug war der unvortheilhafteste von der Welt : ein weißes Linonhäubchen , welches so dicht ihr Gesicht umschloß , daß kein Haar zu sehen war , eine große graue Schürze und graue Vorärmel . Für jede andre Frau würde es eine völlige Abwesenheit aller Eitelkeit verrathen haben , in diesem Anzug Besuch zu empfangen . Bei Faustine aber bedeutete es nichts , als daß sie mehr an ihr Bild , als an ihre graue Schürze dachte . Sie saß stumm da , die Lippen ein wenig geöffnet , als lausche sie auf etwas ; mit den breiten Augenliedern zuweilen ganz rasch die Augen zudeckend , wie um sie auszuruhen : die Lachtauben haben diese Bewegung . Endlich wendete Mario seinen Blick ihrer Arbeit zu . » Warum den finsteren Todtenkopf malen ? « fragte er ; » was wissen denn Sie vom Tode , Sie , bei der Licht und Wärme - und das ist Leben ! - zu Hause sind ? « » Ich wollte auch das Leben malen , « antwortete sie , » aber dazu fiel mir eben nichts Anderes ein , als eine Fülle von Blumen und der Todtenkopf dazwischen , halb versteckt , und doch Alles überragend . Sie haben ganz Recht ! mit dem Tode hab ' ich nichts zu schaffen , so gar nichts , daß ich ihn nicht einmal verstehe . Aus einer Form der Existenz zu einer andern übergehen , heißt bei mir nicht Tod , sondern eine neue Lebensentwickelung . Leben muß man , wie man liebt : durch Ewigkeiten hindurch . Wer nicht diese Ueberzeugung hegt , weiß nichts vom Leben , nichts von der Liebe . Wer nicht das Weltall zu einem Quell macht , aus dem er Leben und Liebe stets neu und frisch schöpft , sollte nur gar nicht dazu Miene machen . Sie sehen , ich bin eine entschiedene Gegnerin des Todes ; aber dem Körper gönne ich gern sein Ausruhen im Grabe , obgleich er dabei so garstig wird , wie mein alter Todtenkopf hier . « » Warum verdient der Leib dies Ausruhen , der sich doch nicht halb so viel anstrengt , als der Geist ? einen körperlichen Schmerz haben wir nach vierundzwanzig Stunden total vergessen ; von dem geistigen bleibt immer eine Narbe , oft eine Wunde zurück . Körperliche Ermüdung - was ist denn das ? man hat ein paar Nächte durchschwärmt - dann schläft man aus ! ein sehr angenehmes Mittel gegen Ermüdung ! - Aber gegen geistige Müdigkeit , die auf Ueberanstrengung folgt , und Flug und Schwung lähmt , giebt ' s keine angenehme Mittel , sondern Sturzbäder von Widerwärtigkeiten etwa , und Moxa der Leidenschaft , und ähnliche Kuren , welche der geschickte Arzt Schicksal zu verhängen weiß . « » Daher hat aber auch der Geist seine Freude , seinen Spaß , sein Glück , sein Fortkommen - und der arme , arme Leib nichts von dem Allen ! Wie muß das Blut rennen , die Nerve hüpfen , die Muskel ringen , wie müssen die Sinne , diese faulen Knechte und stummen Diener der Seele , sich abarbeiten , danaidenmäßig ! denn wenn nun der Leib meint , er habe sich ein Vergnügen arrangirt , so tritt plötzlich sein Tyrann auf , Geist , Seele , wie er heißen mag ! und spricht : Mit nichten , mein Guter , der Abhub der Tafel kommt dir zu ! - Dann schmaust der Tyrann die besten Bissen , und trinkt vom Champagner nur den Schaum , und der arme Leib steht demüthig hinterm Stuhl und freut sich , daß es seinem Herrn so gut schmeckt . Man kann sich gar nicht wundern , wenn er manchmal zur Unzeit verdrießlich wird , sich lang ausstreckt und sagt : Suche Dir einen andern Knecht ! ich hab ' s satt