Ja , ich versteh ' s , dem Hoffmann werd ich ' s zwar so nicht sagen , dem werd ich den ersten , zweiten und dritten Grad aller Verwandtschaften darlegen , und wie alles mir unterworfen ist zu dienen , wie ich jedem die Herrschaft übertragen kann und wieder abnehmen und wie ich also immer herrsche , solang ich im Strom göttlicher Harmonie mitschwimme . Adieu ! Ich strecke wie ein Krebs meine Scheren aus dem seichten Grund meiner Wahrnehmungen und packe , was ich zuerst erwische , um mich aus dem eignen Unverstand loszuwinden . An die Bettine Halte doch noch eine Weile aus mit Deinem Geschichtslehrer ; daß er Dir möglichst kurz die Physiognomien der Völkerschaften umschreibt , ist ganz wesentlich . Du weißt jetzt , daß Ägypten mit Babylonien , Medien und Assyrien im Wechselkrieg war , fortan wird dieses Volk kein stehender Sumpf mehr in Deiner Einbildung sein . Regsam und zu jeder Aufgabe kräftig - waren ihre Unternehmungen für unsre Fassungsgabe beinah zu gewaltig ; sie zagten nicht , bei dem Beginn das Ende nicht zu erreichen , ihr Leben verarbeitete sich als Tagwerk in die Bauten ihrer Städte , ihrer Tempel , ihre Herrscher waren sinnvoll und umfassend heroisch in ihren Plänen , das wenige , was wir von ihnen wissen , gibt uns den Vergleich von der Gewalt ihrer Willenskraft , die stärker war als die jetzige Zeit zugibt , und leitet zu dem Begriff hin , was die menschliche Seele sein könnte , wenn sie fort und fort wüchse , im einfachen Dienst ihrer selbst . Es ist mit der Seelennatur wohl wie mit der irdischen , ein Rebgarten auf einen öden Berg gepflanzt , wird die Kraft des Bodens bald durch den Wein auf Deine Sinne wirken lassen ; so auch wird die Seele auf Deine Sinne wirken , die vom Geist durchdrungen den Wein Dir spendet der Kunst oder der Dichtung oder auch höherer Offenbarung . Die Seele ist gleich einem steinigten Acker , der den Reben vielleicht grade das eigentümliche Feuer gibt , verborgne Kräfte zu wecken und zu erreichen , zu was wir vielleicht uns kein Genie zutrauen dürften . Du stehst aber wie ein lässiger Knabe vor seinem Tagwerk , Du entmutigst Dich selbst , indem Du Dir den steinigten Boden , über den Dorn und Distel ihren Flügelsamen hin und her jagen , nicht urbar zu machen getraust . Unterdes hat der Wind manch edlen Keim in diese verwilderte Steppe gebettet , der aufgeht , um tausendfältig zu prangen . - Dein scheuer Blick wagt nicht den Geist in Dir selber aufzufassen . Du gehst trutzig an Deiner eignen Natur vorüber , Du dämpfst ihre üppige Kraft mit mutwilliger Verschwörung gegen ihren Wahrnehmungsgeist , der Dir ' s dann doch wieder über dem Kopf wegnimmt , denn mitten in Deiner Desolationslitanei sprühst Du Feuer , wo kommt es her ? - Haben Dich die Erdgeister angehaucht ? - Fällt Dir ' s vom Himmel ? - Schlürfst Du ' s mit der Luft in Dich ? - Ich weiß es nicht , soll ich Dich mahnen , soll ich Dich stillschweigend gewähren lassen ? - Und vertrauen auf den , der Dir ' s ins Gesicht geschrieben hat ? Ich weiß es wieder nicht . - Ich möchte wohl , aber dann wird mir zuweilen so bange , wenn ich , wie in Deinem letzten Brief , das Vermögen in Dir gewahr werde , wie das lässig in sich verschränkt keinen Mucks tut , als ob der Schlaf es in Banden halte , und wenn ' s sich regt , dann ist ' s wie im Traum , nur Du selber schläfst um so fester , nach solchen Explosionen ! - Ob ich recht tue , Dir so was zu sagen ? - Das quält mich auch , man soll den nicht wecken , der während dem Gewitter schläft ! - Du kommst mir nun immer vor , als entlüden sich elektrische Wolken über Deinem verschlafenen Haupt in die träge Luft , der Blitz fährt Dir in die gesunkne Wimper , erhellt Deinen eignen Traum , durchkreuzt ihn mit Begeisterung , die Du laut aussprichst , ohne zu wissen , was Du sagt , und schläfst weiter . - Ja , so ist ' s. Denn Deine Neugierde müßte aufs höchste gespannt sein auf alles , was Dir Dein Genius sagt , trotzdem , daß Du ihn oft nicht zu verstehen wagst . Denn Du bist feige - seine Eingebungen fordern Dich auf zum Denken ; das willst Du nicht , Du willst nicht geweckt sein , Du willst schlafen . Es wird sich rächen an Dir - magst Du den Liebenden so abweisen ? - der sich Dir feurig nähert ? - Ist das nicht Sünde ? - Ich meine nicht mich , nicht den Clemens , der mit Besorgnis Deinen Bewegungen lauscht , ich meine Dich selbst - Deinen eignen Geist , der so treu über Dir wacht , und den Du so bockig zurückstößt . - Je näher die Berge , je größer ihr Schatten , vielleicht , daß Dich die Gegenwart nicht befriedigt , was uns näher liegt , wirft Schatten in unsre Anschauung , und daher ist gut , daß der Vergangenheit Licht die dunkle Gegenwart beleuchte . Darum schien mir die Geschichte wesentlich , um das träge Pflanzenleben Deiner Gedanken aufzufrischen , in ihr liegt die starke Gewalt aller Bildung - die Vergangenheit treibt vorwärts , alle Keime der Entwicklung in uns sind von ihrer Hand gesäet . Sie ist die eine der beiden Welten der Ewigkeit , die in dem Menschengeist wogt , die andre ist die Zukunft , daher kommt jede Gedankenwelle , und dorthin eilt sie ! Wär der Gedanke bloß der Moment , in uns geboren ? - Dies ist nicht . Dein Genius ist von Ewigkeit zwar , doch schreitet er zu Dir heran durch die Vergangenheit , die eilt in die Zukunft hinüber