. Er besaß Menschenkenntniß genug um einzusehen , daß der ganze Apparat von dunkeln Gemächern , bloßen Degen , Todtenschädeln , symbolischen Pflanzen und dergleichen , hier den gewünschten Eindruck völlig verfehlen würde , und er höchstens nur an die enge Scheidegränze zwischen dem Erhabenen und dem Lächerlichen dadurch erinnern könne . Sergius trug ganz einfach die auf Verlangen des Bundes von Pestel verfaßten Statuten desselben vor , aus denen zuvörderst die Eintheilung der Mitglieder in drei Klassen oder Grade hervorging . Die erste , bei weitem zahlreichste , wurde die der Brüder genannt ; die zweite , bedeutendere und mit dem Zwecke , wie mit den Fortschritten des Bundes vertrautere , war die der Männer , in welche Richard jetzt aufgenommen wurde . Der dritte , höchste Grad wurde nur Wenigen durch Macht , Reichthum , Familienverbindungen oder glühenden Eifer Ausgezeichneten ertheilt : sie wurden Boyaren genannt , und bildeten den höchsten Rath der Alten . Aus ihrer Mitte wurden drei Direktoren erwählt , der Präsident , der Aufseher , und der Secretair . Die gegenwärtige Versammlung war eigentlich der Rath der Alten , und sämmtliche Boyaren , mit weniger Ausnahme , waren dabei zugegen . Vernichtung verjährter , für die jetzige Zeit nicht mehr passender Institutionen und jeder an orientalischen Despotismus erinnernden Einrichtung , wurde als das Hauptziel des Bundes angegeben ; nächst diesem unermüdliches Bestreben , durch Abschaffung von Mißbräuchen , durch Verbreitung nützlicher Kenntnisse , durch Verbesserung des Landbaues , durch Einführung neuer Erwerbsquellen , zur Aufklärung , und durch diese zur Verbesserung des Wohlstandes der niedrigeren Volksklasse beizutragen . Bei jeder Gelegenheit die Rechte des Volks öffentlich zu vertreten , und die Bekanntschaft mit denselben zu verbreiten , wurde als nicht zu umgehende Pflicht eingeschärft ; auch war den Verbündeten auferlegt , über genaue Handhabung der Gesetze zu wachen , die Verwaltung der öffentlichen Angelegenheiten , wie das Betragen der Beamten jedes Ranges , genau zu beobachten , und jede Handlung derselben , durch welche sie sich des in sie gesetzten Vertrauens unwürdig bewiesen , ans Licht zu ziehen und zu veröffentlichen . Verbreitung des Bundes durch Anwerbung treugesinnter talentvoller Mitglieder , vorzüglich vom Militairstande , um auf jede Weise die Macht wie die Zahl desselben zu mehren und ihn immer sichrer zu stellen , wurde noch als letzte , aber unumgängliche Verpflichtung besonders empfohlen . Alles dieses klang so unverfänglich , so Recht liebend , so durchaus wünschenswerth zum allgemeinen Besten ; Ähnliches , wenn gleich anders ausgedrückt , hatte Richard unzähligemal von den Lippen seines Pflegevaters im engsten Familienkreise vernommen . Zweifel und Mißtrauen schwanden ; begeistert für die gute Sache , sprach er Wort für Wort den ihm vorgesagten Eid nach , bis ans Ende ; und würde in dieser glücklichen Stimmung geblieben sein , wäre nicht ganz zuletzt unbedingte Unterwerfung unter den Rath der Alten von ihm gefordert worden . Er stockte einen Augenblick ; und doch ! er war zu weit vorgeschritten , um zurücktreten zu können . Jede widerwärtige Empfindung , welche bei seinem ersten , ihn selbst überraschenden Eintritte in jene Verbindung , sich Richards bemächtiget hatte , verschwand indessen bei ruhigerem Besinnen gar bald aus seinem Gemüthe . Er war sogar auf gutem Wege , eines der eifrigsten Mitglieder des Bundes zu werden , ohne durch so manches , was ihm anfangs als abschreckend erschienen war , sich weiter irren zu lassen . Sogar die unbedingte Unterwerfung unter die Beschlüsse und Anordnungen des Rathes der Alten , welche er hatte geloben müssen , machte ihm keine Sorge mehr . Im Militairdienste war die Nothwendigkeit strenger Subordination , sobald es gilt , die Gesammtkräfte vieler tausend Einzelner zur Ausführung eines großen Zweckes zu vereinen , ihm deutlich geworden ; und was für Männer standen an der Spitze dieses sogenannten Rathes der Alten , dem er blinde Unterwerfung gelobt ! Fürst Andreas , seine Söhne , die nächsten Verwandten und Freunde seines Hauses , anerkannt edle Männer , an Rang , Ansehen , und warmer Begeisterung für das Wohl des Vaterlandes ihm gleich . Wo diese walteten , mußte jede Spur von Besorgniß verschwinden . Wie hätten sie , wie hätte Fürst Andreas , etwas dem allgemeinen Besten , oder dem mit diesem so enge verbundenen allgeliebten Kaiser Gefahrdrohendes geschehen lassen oder gar anordnen können ! Im Verlaufe der Zeit würde Richard seinen Eintritt in den Bund , vielleicht sogar die Existenz desselben ganz vergessen haben , hätte nicht der ihm so groß , so ungemein wünschenswerth erscheinende Zweck desselben , ihn auf das lebhafteste unaufhörlich beschäftigt . Die Versammlungen des Bundes wurden immer seltner ; Monate gingen oft darüber hin , ohne daß Richard aufgefordert wurde in denselben zu erscheinen , und fast immer kehrte er mit dem bittern Gefühle zwecklos verlorner Zeit nach Hause zurück . Die Anordnung feierlicher , Sinne betäubender Ceremonien zur Aufnahme neuer Brüder , die ohne sonderliche Auswahl , augenscheinlich nur , um die Zahl der Mitglieder zu vergrößern , schaarenweise herbeigezogen wurden , schien jetzt die einzige Beschäftigung jener Versammlungen geworden zu sein . Diese Neuangeworbenen , deren Anzahl sich bald bis ins Unglaubliche vergrößerte , waren größtentheils junge Leute , die gar nicht begriffen , gar nicht wußten , wovon eigentlich hier die Rede sei , auch gar nicht verlangten dieses zu ergründen ; sondern , entweder vom Reize des geheimnißvoll Feierlichen angezogen , oder auf Zureden und nach dem Beispiele ihnen ähnlicher Freunde in den Bund sich hatten aufnehmen lassen , ohne etwas andres dabei sich zu denken , als was sie auch bei jeder andern geschlossnen Gesellschaft sich gedacht haben würden . Ein großer Theil derselben bestand aber auch aus Soldaten , guten ehrlichen Gemüthern , die auf Treu und Glauben hinnahmen , was man unter dem Siegel des Geheimnisses ihnen flüsternd vertraute : daß Kaiser Alexander selbst um alles wisse , alles leite , nur ihren Vortheil dabei beabsichtige , aus politischen Gründen aber noch nicht öffentlich auftreten wolle . So eingewiegt von goldnen Hoffnungen , waren sie