sogleich als denjenigen bezeichneten ; dem die tiefe Baßstimme angehörte , so wie er auch aus einer großen Tabackspfeife die Wolken heraus blies , in die er sich selbst halb verhüllte . Bei des Grafen Eintritt schob er einen beschriebenen Bogen unter andere Papiere , befreite mit plumpen Fingern die Kupfernase von der Brille , betrachtete einige Augenblicke den Grafen und fragte dann ohne alle Zeichen der Höflichkeit : Was begehrt der Herr ? und gab sich so als den Herrn des Hauses kund . Ihm gegenüber saß an demselben Tische ein junger Mann von schlanker Gestalt , zierlich nach der neuesten Mode gekleidet , das braune Haar gelockt , der ansehnliche Backenbart gekräuselt , das Auge zwar auch mit Gläsern bewaffnet , doch schien auch dieß mehr Mode als Bedürfniß , auch verschmähte er die plumpe Art des älteren Mannes zu rauchen , sondern erregte nur ganz kleine Dampfwolken durch eine Cigarre , die in einer goldenen Röhre steckte . Dieser zierliche Mann war mit Schreiben beschäftigt , worin er sich durch den Eintritt des Grafen nicht stören ließ , ohne sich auch nur ein Mal nach ihm umzusehen , indem er mit weißen Fingern aus einer nach dem neuesten Pariser Geschmacke gearbeiteten goldnen Dose , die neben ihm auf dem Tische stand , ein wenig Taback nahm ; ein sehr feines battistenes Schnupftuch neben der Dose vollendete das Bild eines höchst zierlichen Herrn . Der Graf hatte einen Augenblick die beiden so höchst verschiedenen Gestalten betrachtet und fragte dann : Wer von ihnen , meine Herren , ist der Verwalter des Guts ? Ich , erwiederte der Breite , indeß der Schlanke ungestört fortschrieb ; was verlangen Sie von mir ? Ich komme , erwiederte der Graf , im Namen des Herrn Obristen von Thalheim , um mit Ihnen seine Berechnungen abzuschließen . Und Wer sind Sie ? fragte mit einem hämischen Seitenblick die plumpe Gestalt . Ich bin der Graf Hohenthal , erwiederte dieser verdrießlich , und ich hoffe , Sie werden keine Schwierigkeiten dabei finden , sich mit mir im Namen des Herrn Obristen zu berechnen , da ich von ihm beauftragt bin , jeden Rückstand sogleich zu berichtigen . O ! ganz und gar nicht , sagte der Verwalter , indem er mit plumper , verlegener Höflichkeit die Pfeife auf den Tisch legte , den beschriebenen Bogen , den er schon bei des Grafen Eintritt unter andere Papiere geschoben hatte , noch tiefer verbarg und nun so eilig , als sein schwerer Körper es gestattete , ging , um einen Stuhl für den Grafen zu holen . Der junge Mann war ebenfalls aufgestanden , als sich der Graf genannt hatte ; er steckte scheinbar gleichgültig seine goldene Dose und sein battistenes Schnupftuch ein , ließ dann seitwärts einen Blick an dem Grafen hinunter gleiten , nahm seine Papiere zusammen und verließ mit einer leichten , zierlichen Verbeugung das Zimmer . Der Graf brachte nun sein Geschäft mit dem Verwalter sehr bald in Ordnung , dessen rohe Ungezogenheit sich in eine eben so plumpe Unterwürfigkeit verwandelt hatte , seitdem er wußte , Wer mit ihm sprach und Wer sich des Obristen annahm . Als der Graf zu diesem zurückkam , fand er ihn abermals in einem Wortwechsel mit der Magd . Diese war nämlich von ihrer Herrschaft bezahlt und ihr angekündigt worden , daß man ihre Dienste nur noch bis zum morgenden Tage bedürfe , und nun zerfloß sie in Thränen darüber , daß sie von ihrer Herrschaft , mit der sie so Vieles gelitten habe , verstoßen werden solle . Der Graf rieth seinen Freunden , ihr Geschrei durch ein Geschenk zu beendigen , durchaus aber sie nicht mit sich nach ihrem neuen Wohnorte zu nehmen . Als endlich auch dieß beseitigt war , nahm der Graf von seinen neuen Freunden Abschied , indem er sein Versprechen wiederholte , am folgenden Tage ihnen die nöthigen Equipagen zu senden . Dem Obristen und seiner Tochter war es kaum möglich , den Grafen scheiden zu lassen , an dem sie mit der dankbarsten Liebe hingen , der wie ein höheres Wesen sie auf ein Mal aus dem tiefsten Elende befreit hatte . Beide hatten ihn begleitet , der Vater hielt seine rechte , die Tochter seine linke Hand ; so hatten sie die Schwelle des Hauses überschritten . Morgen , rief der Graf , morgen sehen wir uns wieder . Wenn nur meinem Vater die strenge Kälte nicht schadet , sagte Therese leise , indem ihr thränenschwerer Blick auf dem weißen Scheitel des Greises ruhte , dessen wenige graue Haare im scharfen Nordwinde flatterten , und dessen abgetragene Uniform die durch Kummer und Alter entkräfteten Glieder nicht gegen die rauhe Witterung zu schützen vermochte . Der Graf folgte mit seinen Augen dem Blicke der Tochter und betrachtete dann einen Augenblick die schlanke , feine Gestalt , die selbst vor Kälte in der dünnen Kleidung zitterte ; noch ein Mal fühlte er , was es auf sich habe mit den Leiden der Armuth ; kaum vermochte er seine heftige Rührung zu unterdrücken . Ich werde für Alles sorgen , rief er nur der Tochter noch zu und entzog sich mit einem herzlichen Händedrucke eilig Beiden . Der Obrist und seine Tochter folgten mit den Augen ihrem Freunde so lange , bis ein Gebüsch ihn ihren Blicken entzog , und kehrten dann beruhigt , getröstet , in dankbarer Liebe überfließend in ihr ärmliches Gemach zurück . Der Graf suchte die Schenke eilig zu erreichen und bemerkte schon von fern , wie des Wirths rundes Gesicht ihm unendlich freundlich durch die Scheiben des kleinen Fensters entgegenblickte ; er kam auch dem Grafen schon an der Hausthür entgegen , nahm ihm den Mantel ab und öffnete geschäftig die Thüre des Zimmers . Eine Tasse warmer Kaffee , versicherte er gutmüthig , wird Ew . Gnaden bei dem kalten Wetter gut thun , ehe Sie Ihren Rückweg antreten , und sogleich näherte sich die Wirthin , um dem Grafen dieses Getränk in