noch einmal in meiner ganzen Entschlossenheit zusammen , es zuckte in meiner Hand , und ich schlug mit allen Kräften nach seiner Wange , als führte ich ein Schwert der Rache . Dann war ich aufgesprungen , rannte ans Fenster , schrie laut um Hülfe auf die Gasse hinaus , und wollte mich hinunterstürzen . Darauf wieder zurück durch das Zimmer , noch einen flüchtigen , zitternden Blick auf ihn , der erblaßt und halb ohnmächtig vor Schreck und Zorn dasaß , dann griff ich mit aller Gewalt an die Thür , sie wich aus dem Schloß , und ich eilte , auf athemloser Flucht , mit der Geberde einer Wahnsinnigen , die Treppe hinab . Unversehens war ich in den Hof getreten , der kühle Nachtwind schlug mit feuchten Flügeln mein heißes Gesicht , und brachte mich zuerst wieder zur Besinnung . Ich stand still , Alles war ruhig , nichts bewegte sich . Ich richtete die Augen zum Himmel auf , wo einige Sterne in dunkler Gluth brannten . Da fielen meine Blicke auch auf zwei erleuchtete Fenster des Hofgebäudes . Es war Mellenbergs Zimmer , er war es , der Gute , der Verständige , der wieder , wie sonst , auch diese späte , unglückliche Nacht mit seinem Fleiß durchwachte . Seine Gestalt trat vor meine Seele , ich sehnte mich unbeschreiblich nach ihm , ich wollte von ihm Trost und Frieden . Plötzlich war mir jedoch , als hörte ich vorn im Hause gehn und sprechen , es kam die Treppe herunter , ich glaubte die Stimme des Grafen zu unterscheiden , die Tante auch , beide in einem heftigen Wortwechsel , immer näher und näher , dann Licht , und mein Name wurde genannt . Nun wähnte ich mich verfolgt , und sah keine andere Rettung mehr vor mir , als die Hoftreppe hinaufzuflüchten . Geradezu war Mellenbergs Zimmer , ich stürze hinein , und noch ehe er , von seinem Tisch aufsehend , mich gewahr geworden , habe ich schon hinter mir die Thür verriegelt . Dann springe ich mit weit geöffneten Armen auf den Erschrockenen zu , um mich an seine Brust zu werfen , in seinen Schutz zu geben . Ich sagte es mir mit einer unendlichen Innigkeit und Genugthuung , daß er der einzig Redliche im ganzen Hause sei . Unter den Schirm seiner Redlichkeit wollte ich meinen Schmerz , mein Unglück , den Bruch meiner Verhältnisse , stellen . Er sollte mir rathen , mir Mittel angeben , und auf Hülfe für mich denken . Er war klug und gut . Ich deutete ihm Alles an , soviel ich konnte und mir mein Gefühl erlaubte . - Und hier hätte ich wohl Grund , den Faden dieser Selbstbekenntnisse abzubrechen , wenn ich nicht auch die schonungsloseste Aufrichtigkeit gelobt hätte . Vielleicht ist es auch gut , daß man Alles sagt , für sich und für die Andern . Denn vor sich und vor den Andern kann man sein Herz nur rechtfertigen , wenn man es ganz und offen erschließt , und ein offenes Herz , mit allen seinen Strudeln und Untiefen , ist ein Schauspiel für Götter . Daher schäme ich mich nicht , die Wahrheit aufzuzeichnen , weil sie die Wahrheit ist . Die Feder zittert mir bloß hinundher in der Hand . Und auf das Wort Wahrheit , das ich da hingeschrieben , fällt mir eine große Thräne . Ja , ich schäme mich der Wahrheit nicht . Ich habe immer gehört , daß die Wahrheit endlich zum Gedicht werde , nachdem sie mit ihren herben Stoffen in den Läuterungsflammen der Buße geschmolzen . Wohlan denn , mein Gedicht ! Ich hatte mich schutzsuchend an die Seite des Jünglings geschmiegt , und dachte gar nicht daran , wie ich aussah . Das Haar hing mir aufgelöst und flatternd herunter , der Busen war mir halb entblößt , und alle Theile des Gewandes hatten sich in dieser beispiellosen Verworrenheit verschoben . Er schien unschlüssig , ob er mich fliehen , ob er mich aufnehmen solle . Dann drückte er mich mit einem glühenden Blick an sich , sein Antlitz verschönte sich mit einer hohen Röthe , wie ich es noch nie an ihm gesehen hatte . In seine Augen trat der lodernde Funke des Mitgefühls hervor , nach dem ich immer bei ihm gesucht und geforscht . Er griff nach meiner Hand , ich fühlte , daß die seinige bebte zwischen meinen Fingern , und dann führte er mich zu seinem in der Ecke stehenden Sopha . Ich folgte ihm gern , gern . Wie einfach , wie arm , wie dürftig war hier Alles in seinem kleinen Gemach , und doch , wie traulich und beruhigend wehte mich zugleich Jegliches daraus an . Ich hätte um Alles in der Welt gewünscht , daß ich ganz glücklich gewesen wäre , um mich recht mit ihm freuen zu können . Ich hätte ihm zu Füßen sinken mögen . Er sah so freundlich , so unschuldig , so heilig , und doch so liebesinnig aus in diesem Augenblick heut . Wir saßen nebeneinander auf dem Sopha . Ich legte meinen Kopf erschöpft auf seine Schulter , und athmete schwer . Hier war ich sicher , hier vermutheten meine Feinde mich nicht . Keine Nachstellung traf mich hier in der stillen Werkstatt des Fleißes . Das spärlich flackernde Licht erhellte kaum den heimlichen Winkel , in dem wir aneinander ruhten . Er sagte , er habe Alles längst geahnt , gewußt , daß es so kommen würde . Er habe im Stillen über mich geklagt , und doch nichts zu thun vermocht . Darüber sei ihm das Herz zerrissen , und er habe sich stumm zurückgezogen in seine liebesarme Einsamkeit . Ich weiß , daß mir nicht zu helfen ist ! sagte ich mit leiser , gefaßter Stimme . An mir ist Alles verloren , ich sehe nicht mehr ein noch aus . In der Ferne kein Ziel , in der