welche Weise wucherte er mit dem Schatze , der in erläuterter Wissenschaft und Kunst ihm anvertraut worden ? Die Antwort ist : um sein eigenes Selbst zu verherrlichen , um seinem Haupte die Krone aufzusetzen , that er Alles , was er that . Selber der Fürst seines Fürsten , übte er die heilloseste Geistesdespotie über seine ganze Zeit aus , die zu schwach und verweichlicht war , um dieses Joch zu fühlen und abzuschütteln . « Eine Pause entstand , während welcher Ottfried sich , im höchsten Grade verstimmt , abgewendet hatte ; endlich sagte er : » Es hört ja aller Streit sogleich auf , wenn man die Poesie als eine milchende Kuh betrachtet , und dafür sieht unsere Zeit freilich alles Edle und Große an . « Zum Glück trat jetzt der junge August herein ; er kam aus der Residenz und brachte Nachrichten und politische Blätter mit . Der Journalist eilte auf ihn zu ; der Geistliche wollte den Zeitpunkt benutzen , und mit seiner kleinen Braut einige herzliche Worte wechseln , doch sie fand Gelegenheit , ihm zu entschlüpfen und der Gruppe zuzufliegen , die sich um ihren Bruder bildete . Der Pastor nahm mit einer Miene der Resignation eine Priese und that einen mächtigen Zug aus der Kaffeetasse . Den nächsten Tag hatte Eduard dazu bestimmt , an dem Bilde fortzuarbeiten ; er nahm es hervor und erschrack davor , wie vor einer Erscheinung . Aus bleichen schroffen Zügen sahen ihn in einem kranken Antlitz zwei erloschene Augen mit dem höchsten Ausdruck des Schmerzes an . War das das schöne achtzehnjährige Mädchen , waren das die Formen , denen er Anmuth und edle Größe nicht absprechen konnte . Sorgsam verdeckte er das Bild und ließ er sich nachtragen auf ' s Schloß . Er wurde in ' s bestimmte Gemach geführt , es war leer ; nach ein paar Sekunden erschien eine Kammerfrau und führte ihn zur Fürstin hinüber , diese empfing ihn freundlich und bedauerte , daß eine kleine Unpäßlichkeit das Fräulein verhindere , zu erscheinen . Unschlüssig , was er thun solle , ging unser Freund in den Saal zurück . Er setzte sich an ' s Bild , um daran zu ändern , doch je mehr er versuchte und übermalte , desto lebhafter fühlte er , wie er vom Urbilde sich entfernte ; mißmuthig legte er den Pinsel nieder . Tiefe Stille herrschte im Gemache ; Magdalenens Lieblings-Papagei hing im goldenen Käficht und sah ihn mit klugen Augen an , indem er sich langsam in seinem Ringe hin- und herbewegte , und zuweilen durch die warme Stille des Gemachs einen lauten Schrei that . Der Mittag lag auf den geöffneten hohen Fenstern , und nur von Zeit zu Zeit wölbte ein Luftzug die schweren rothseidenen Falten der niedergelassenen Vorhänge . Eduard stand am Pfeiler gelehnt und schaute auf die in der Schwüle daliegende Natur , dann verließ er den Saal , und betrat , in Gedanken vertieft , die daran stoßenden Gemächer . Immer weiter und weiter wandelnd , gelangte er in ein mit Sammetteppichen bekleidetes Eckzimmer , eine in der Tiefe des Gemachs ertönende Spieluhr zog ihn weiter , und endlich blieb er vor einem Bilde stehen , welches die Prinzessin darstellte , von einem vorzüglichen Künstler gemalt . Eine Uhr schlug in den inneren Gemächern , Eduard hörte nichts , jetzt wandte er sich aus seinen Träumen nach der Thüre um , da stand sie - Magdalena - groß , in weicher Stellung gebogen an die Thüre gelehnt . Einen Moment blieben sich beide stumm gegenüber ; Eduard konnte den Blick des großen blauen Auges , das mit einem unaussprechlichen Ausdruck auf ihm ruhte , nicht ertragen , er erhob seine Stimme , um sie anzureden , da plötzlich stürzte mit einem kurzen , kaum hörbaren Laut das schöne Bild zusammen , und lag leblos da auf dem rothen Teppich des Bodens . Der dumpfe Ton , mit dem das Haupt auf dem Absatz der Schwelle niederschlug , hallte durch die tiefe Stille , und preßte dem erstarrten Jünglinge einen Schrei des Entsetzens aus ; er stürzte nieder , fing den Busen und das von den aufgelösten bleichen Locken umspielte Antlitz in seinen Armen auf , und schaute in trostlosem Schmerze auf die gebrochene Gestalt nieder . Endlich hob sich die leblose Brust wieder , ein langer , aus der Tiefe des gepreßten Herzens aufzitternder Seufzer brachte das entflohene Leben zurück , doch noch lag auf den geschlossenen Augen , auf den marmorgleichen Zügen der Ausdruck eines unendlichen Schmerzes . Die Bewegungen des Busens wurden heftiger und ließen den Ausbruch eines Krampfes fürchten ; in Besorgniß und Angst preßte Eduard seine heiße Hand ihr unter die Brust . Jetzt erwachte die Arme , und ein Strom von Thränen rann auf die weiße Atlasrobe herab ; der besorgte Jüngling leitete sie zu dem nächsten Armstuhl , dort lispelte sie einige Worte des Danks , und ein bittender Wink sprach den Wunsch aus , sich allein zu sehen . Er gehorchte augenblicklich , im Vorbeigehen hob er ein kleines einfaches Kreuz auf , welches sich von einer Kette am Busen des Fräuleins gelöst hatte ; betäubt und an allen Sinnen erregt , langte er auf seiner einsamen Stube an . Seiner Aufmerksamkeit entging es , daß alles im Hause wild durcheinander lief , daß Verwirrung und Bestürzung der Gemüther , selbst des Barons sich bemächtigt hatte ; die Thüre hinter sich abschließend , warf er sich auf sein Ruhebett , und Thränen quollen unwillkürlich aus seinem Auge . Wie ein zündender Strahl kam ihm jetzt der Gedanke , jenes kleine Bild auszuführen . Er arbeitete bis in den sinkenden Abend unausgesetzt , und als er es vollendet hatte , waren es Magdalenens Züge , die jene umschauende Gestalt zeigte ; sie war es - der hohe siegreiche Wuchs , die Fülle der hellen Locken , dem Nacken entflatternd , so eilte sie dahin , und in dem rückschauenden Auge lag jener