und dann seine Stierlein und Eselein , seine Pfauen und Kamele , Paar und Paar auf die Erde spazieren lassen ? Will er vielleicht wie jener Patriarch die Erfindung des Weines sich zuschreiben , sich ein Patent darüber ausstellen lassen und über seine Schenke schreiben , hier allein ist Echter zu haben , wie Maria Farina auf sein Kölnisches Wasser , so für alle Schäden gut ist ? Aber , um wieder auf Mephistopheles zu kommen ; gerade dadurch , daß er einen so überaus populären und gemeinen Teufel gab , hat Goethe offenbar nichts für die Würde seines schönsten Gedichtes gewonnen . Er wird zwar viele Leser herbeiziehen , dieser Mephisto , viele Tausende werden ausrufen : » Wie herrlich ! das ist der Teufel wie er leibt und lebt . « Um die übrigen Schönheiten des Gedichtes bekümmern sie sich wenig , sie sind vergnügt , daß es endlich einmal eine Figur in der Literatur gibt , die ihrer Sphäre angemessen ist . » Aber erkennst du denn nicht « , wird man mir sagen » erkennst du nicht die herrliche , tiefe Ironie , die gerade in diesem Mephistopheles liegt ? « Ironie ? und welche ? ich sehe nichts in diesem meinem Konterfei , als den gemeinen » Ritter von dem Pferdefuß « , wie er in jeder Spinnstube beschrieben wird . Man erlaube mir , dieses Bild noch näher zu beleuchten . Ich werde nämlich vorgestellt als ein Geist , der beschworen werden kann , der sich nach magischen Gesetzen richten muß : » Gesteh ich ' s nur , daß ich hinausspaziere , verbietet mir ein kleines Hindernis der Drudenfuß auf Eurer Schwelle « ; und dieser Schwelle Zauber zu zerspalten » Bedarf ich eines Rattenzahns « , daher befiehlt : » der Herr der Ratten und der Mäuse , der Fliegen , Frösche , Wanzen , Läuse « in einer Zauberformel seinem dienstbaren Ungeziefer die Kante , welche ihn bannte , zu benagen . Auch kann ich nicht in das Studierzimmer treten , ohne daß der Doktor Faust dreimal » Herein ! « ruft . In andere Zimmer , wie z.B. bei Frau Martha und in Gretchens Stübchen trete ich ohne diese Erlaubnis . Doch den Schlüssel zu diesen sonderbaren Zumutungen finden wir vielleicht in dem Vers : » Gewöhnlich glaubt der Mensch , wenn er nur Worte hört , Es müsse sich dabei auch etwas denken lassen ! « Doch weiter . Ich stehe auf einem ganz besondern Fuß mit den Hexen . Die in der Hexenküche hätte mich gewiß liebevoller empfangen , aber sie sah keinen Pferdefuß , und um mich bei ihr durch mein Wappen zu legitimieren , mache ich eine unanständige Gebärde . » Mein Freund , das lerne wohl verstehen , Das ist die Art , mit Hexen umzugehen . « Auf dem Brocken in der Walpurgisnacht bin ich noch viel besser bekannt . Das Gehen behagt mir nicht , ich sage daher zum Doktor : » Verlangst du nicht nach einem Besenstiele ? Ich wünschte mir den allerderbsten Bock . « Auch hier » Zeichnet mich kein Knieband aus , Doch ist der Pferdefuß hier ehrenvoll zu Haus . « Um unter diesem gemeinen Gelichter mich recht zu zeigen , tanze ich mit einer alten Hexe und unterhalte mich mit ihr in Zoten , die man nur durch Gedankenstriche » Der hatt ein - - - - - So - es war , gefiel mir ' s doch « anzudeuten wagt . Ich bin , selbst in Fausts Augen , ein widerwärtiger , hämischer Geselle , der » - - kalt und frech Ihn vor sich selbst erniedrigt - « Ich bin ohne Zweifel von häßlicher , unangenehmer Gestalt und Gesicht , zurückstoßend , was man , mit mildem Ausdruck markiert , intrikant und im gemeinen Leben einen abgefeimten Spitzbuben zu nennen pflegt . Daher sagt Gretchen von mir : » Der Mensch , den du da bei dir hast , Ist mir in tiefer innrer Seele verhaßt . Es hat mir in meinem Leben So nichts einen Stich ins Herz gegeben Als des Menschen widrig Gesicht . - Seine Gegenwart bewegt mir das Blut , Ich hab vor dem Menschen ein heimlich Grauen . - - Kommt er einmal zur Tür herein Sieht er immer so spöttisch drein Und halb ergrimmt . - Es steht ihm an der Stirn geschrieben , Daß er nicht mag eine Seele lieben « etc. Daher sage ich auch nachher : » Und die Physiognomie versteht sie meisterlich , In meiner Gegenwart wird ihr , sie weiß nicht wie , Mein Mäskchen da weissagt verborgnen Sinn , Sie fühlt , daß ich ganz sicher ein Genie , Vielleicht wohl gar der Teufel bin . « Soll dies bei Gretchen Ahnung sein ? Ist sie befangen in der Nähe eines Wesens , das , wie man sagt , ihren Gott verleugnet ? Ist es etwa ein unangenehmer Geruch , eine schwüle Luft , die ihr meine Nähe ängstlich macht ? Ist es kindlicher Sinn , der den Teufel früher ahnet , als der schon gefallene Mensch , wie Hunde und Pferde vor nächtlichem Spuk scheuen , wenn sie ihn auch nicht sehen ? Nein - es ist nur allein mein Gesicht , mein Mäskchen , mein lauernder Blick , mein höhnisches Lächeln , das sie ängstlich macht , so ängstlich , daß sie sagt : » - Wo er nur mag zu uns treten , mein ich sogar , ich liebte dich nicht mehr - « Wozu nun dies ? warum soll der Teufel ein Gesicht schneiden , das jedermann Mißtrauen einflößt , das zurückschreckt , statt daß die Sünde , nach den gewöhnlichsten Begriffen , sich lockend , reizend sehen läßt ? Wer hat nicht die herrlichen Umrisse über Goethes Faust von dem genialen Retsch gesehen ! Gewiß , selbst der Teufel muß an einem solchen Kunstwerk Freude haben . Ein paar Striche , ein paar Pünktchen bilden das liebliche ,