, saß ein herrlicher Knabe und spielte . Eine Glorie von blonden Locken umwallte sein liebliches Gesicht , und mit großen braunen , sonnenklaren Augen schaute er ihm voll herzgewinnendem Vertrauens entgegen . Alexander konnte kein nur einigermaßen liebenswürdiges Kind sehen , ohne sich innig zu ihm hingezogen zu fühlen . Er beugte sich herab zu dem Kleinen , der etwas über drei Jahre alt schien , und küßte ihn auf die freie , offene Stirn , ihn fragend , ob sein Vater zu Hause sei ? Vater nicht , antwortete der Knabe , aber Mutter . Willst du hin ? Ich will dich zu ihr bringen . - Die gepflückten Blumen in seinem aufgeschürzten Gewand bergend , raffte er sich auf , ihm ohne Schüchternheit die kleine Hand bietend , um ihn nach dem Hause zu führen , dessen Flügelthüren offen standen . Außer der veränderten inneren Einrichtung , fiel ihm ein höherer Grad von Ordnung , als er je in diesem Hause wahrgenommen , beim Eintritt auf , und eine gewisse einfache , aber dem Auge wohlthuende Eleganz sprach ihn auf eine höchst angenehme Weise an , und verbürgte den richtigen Sinn seiner Bewohner für alles Edle und Schöne der äußeren Form . Der Kleine stieß eine nur angelehnte Thür auf , und Alexander trat in ein Zimmer , wo eine schlanke , jugendliche weibliche Gestalt neben einer grün umhangenen Wiege saß , einen Säugling auf dem Schoos haltend , der in süßer Behaglichkeit lächelnd und lallend mit ihren braunen Locken spielte . Sie hatte ihr Haupt tief herab über das Kind gebeugt , daher konnte Alexander nicht sogleich ihre Züge erkennen ; aber das schöne Haar , und die über allen Ausdruck zierlichen Füßchen , welche in ihrer vermeinten unbeobachteten Einsamkeit etwas vorgestreckt auf einem Schemel ruhten , wirbelten im plötzlich erwachten Sturm einer unbändigen Leidenschaft die wunderbarsten Reminiscenzen aus seiner tiefsten Seele herauf . In diesem Augenblick rief der Knabe : Mutter , da ist ein fremder Mann ! Sie wandte das Gesicht zu ihm hin , und vom Blitz der schrecklichsten Gewisheit getroffen , blieb Alexander wie gelähmt vor ihr stehen , denn - heiliger Gott ! - es war Erna . III Sie schien vor dem Blick zu erbeben , den er auf sie schleuderte . Der brennendste Haß , die tiefste Geringschätzung , und eine Stimmung , in der es ihm nicht schwer geworden wäre , das blutigste Verbrechen zu begehen , spiegelte sich als Wiederschein der wilden Gährung , die in seinem Innern Statt fand , in seinem Antlitz ab . Doch - nur einige stumme Minuten ihr gegenüber , und er fand sich wieder . Wie schön war sie nicht in dieser schweigsamen , demüthigen Haltung , vor der Wuth erzitternd , die sein Anblick ausdrückte , und doch , vom Gefühl der Mutterwürde gestärkt , ihm furchtlos in das flammende Auge schauend . So rein und edel hatte selbst Raphael seine Madonna nie gedacht . Der rosige Duft kräftiger Jugendfrische auf ihren Wangen war einer sanft verklärenden Blässe gewichen , und die kindliche Heiterkeit , die sonst wohl ihre Züge anregte , einem stillen , seelenvollen Ernst , der aber durch die unaussprechlichste Güte gemildert ward . Schweigend waren die ersten Augenblicke des Wiedersehens ihnen vorübergegangen - jetzt aber faßte sich Alexander , und redete sie an . Verzeihen Sie , gnädige Frau - - denn so muß ich Sie jetzt wohl nennen , sagte er bitter , daß ein Unfall , der mich nicht weit von hier getroffen , mich ohne die Ahnung , daß ich Ihr Haus betrat , hierher führte . Ich glaubte meine ehemaligen Bekannten noch hier zu finden - allein ich habe mich geirrt , wie ich sehe . Nicht in dem , was Sie zu finden meinten , versetzte Erna . Sie sind bei Ihren ehemaligen Bekannten , denn Sie sind bei mir . Das möchte um so unangenehmer für uns beide seyn , erwiederte Alexander , unfähig , seiner herben Stimmung zu gebieten . Doch Erna nahm gelassen diese unartige Aeußerung hin , und rügte sie nicht . Sie bemerkte gerade jetzt , daß er verwundet und ihres Beistandes bedürftig sei . Eilig rief sie daher die Wärterin des Kindes , übergab ihr den Säugling , und bemühte sich mit der sanftesten Theilnahme , zu erforschen , wo es ihm weh thue , um ihm lindernd und nützlich zu seyn . Er war sehr erschöpft von dem inneren Aufruhr , den Haß und Neid , zwei ihm sonst so fremde Leidenschaften , bei der Vorstellung , daß Erna vermählt sei , in ihm erregt hatten . Gleichwohl wollte er doch , ohne alle Hülfe anzunehmen , seinen Weg zu Fuß nach der sehr nah gelegenen Stadt fortsetzen - allein Erna glaubte dies bei seinem psychisch und physisch gereizten Zustand nicht zugeben zu dürfen . Als nun ihre freundlichen Bitten finster von ihm abgewiesen wurden , und er fest auf seinem Vorsatze beharrte , öffnete sie die Thür eines Nebenzimmers . So gewähren sie es diesen , wenn auch nicht mir , daß ich für Ihre Erholung sorgen darf , sagte sie , und er erblickte jene Bilder wieder , die die Züge seiner Tante und der Frau von Willfried so treu bewahrt hatten - aber mit ganz anderem Ausdruck , als sie ihn einst erschütterten , wie er an Erna ' s Geburtstag sie zuerst sah , schauten sie ihm jetzt entgegen . Damals schien Unwille , Vorwurf des begangenen Unrechts und Verachtung in ihren stillen Blicken zu glühen - jetzt lächelten sie ihn beide mitleidig an , als wollten sie in tröstender Milde sagen : Alles ist vergeben , denn das bittere Leiden , das eine Folge deines Leichtsinns war , hat uns mit dir versöhnt . Er fühlte sich überwältigt . Weich geworden wie ein Kind , konnte er kaum der Rührung seines Herzens wehren , hervorzubrechen - auch Erna war tief bewegt . Wie Thau im Kelche einer Blume ,