er einen pflaumfarbnen Rock mit goldnen Tressen , wie der Pate Kommerzienrat , seltsam , ja wunderbar genug begab es sich aber , daß Herr Liscov ganz genau so aussah , wie der Knabe sich ihn früher gedacht hatte , ehe er das Orgelwerk vernommen . Noch hatte sich Johannes nicht von seinem Gefühl erholt , das dem eines jähen Schrecks zu vergleichen , als Herr Liscov plötzlich stillstand , sich umdrehte , die Straße entlang hinanpolterte , bis vor das Fenster , dem Oheim eine tiefe Verbeugung machte , davonrannte unter lautem Gelächter . » Ist das , « sprach der Oheim , » ist das wohl ein Betragen für einen gesetzten Mann , der in den Studiis nicht unerfahren , der als privilegierter Orgelbauer zu den Künstlern zu rechnen , und dem die Gesetze des Landes verstatten , einen Degen zu tragen ? Sollte man nicht vermeinen , er habe schon am lieben frühen Morgen zu tief ins Glas geguckt oder sei dem Tollhause entsprungen ? Aber ich weiß es , nun wird er herkommen und den Flügel in Ordnung bringen . « Der Oheim hatte recht . Schon andern Tages war Herr Liscov da , aber statt die Reparatur des Flügels vorzunehmen , verlangte er , der kleine Johannes sollte ihm vorspielen . Dieser wurde auf den mit Büchern bepackten Stuhl gesetzt , Herr Liscov ihm gegenüber am schmalen Ende des Flügels stützte beide Arme auf das Instrument und sah dem Kleinen starr ins Antlitz , welches ihn dermaßen außer Fassung brachte , daß die Menuetts , die Arien , die er aus dem alten Notenbuche abspielte , holpricht genug gingen . Herr Liscov blieb ernst , aber plötzlich rutschte der Knabe herab und versank unter des Flügels Gestell , worüber der Orgelbauer , der ihm mit einem Ruck die Fußbank unter den Füßen weggezogen , eine unmäßige Lache aufschlug . Beschämt rappelte sich der Knabe hervor , doch in dem Augenblick saß Herr Liscov auch schon vor dem Flügel , hatte einen Hammer hervorgezogen und hämmerte auf das arme Instrument so unbarmherzig los , als wolle er alles in tausend Stücken schlagen . » Herr Liscov , sind Sie von Sinnen ! « schrie der Onkel , aber der kleine Johannes , ganz entrüstet , ganz außer sich über des Orgelbauers Beginnen , stemmte sich mit aller Gewalt gegen den Deckel des Instruments , so , daß er mit lautem Krachen zuschlug , und Herr Liscov schnell den Kopf zurückziehen mußte , um nicht getroffen zu werden . Dann rief er : » Ei , lieber Onkel , das ist nicht der geschickte Künstler , der die schöne Orgel gebaut hat , er kann es nicht sein , denn dieser hier ist ja ein alberner Mensch , der sich beträgt wie ein ungezogner Bube ! « - Der Oheim verwunderte sich über die Dreistigkeit des Knaben ; aber Herr Liscov sah ihn lange starr an , sprach : » Er ist wohl ein kurioser Monsieur ! « öffnete leise und behutsam den Flügel , zog Instrumente hervor , begann seine Arbeit , die er in ein paar Stunden beendete , ohne ein einziges Wort zu sprechen . Seit diesem Augenblick zeigte sich des Orgelbauers entschiedene Vorliebe für den Knaben . Beinahe täglich kam er ins Haus und wußte den Knaben bald für sich zu gewinnen , indem er ihm eine ganz neue bunte Welt erschloß , in der sich sein reger Geist mutiger und freier bewegen konnte . Eben nicht löblich war es , daß Liscov , vorzüglich als Johannes schon in Jahren mehr vorgerückt , den Knaben anregte zu den seltsamsten Foppereien , die oft gegen den Oheim selbst gerichtet waren , der freilich , beschränkten Verstandes und voll der lächerlichsten Eigenheiten , dazu reichen Anlaß bot . Gewiß ist es aber , daß , wenn Kreisler über die trostlose Verlassenheit in seinen Knabenjahren klagt , wenn er das zerrissene Wesen , das ihn oft in seiner innersten Natur verstört , jener Zeit zuschreibt , wohl das Verhältnis mit dem Oheim in Anschlag zu bringen ist . Er konnte den Mann , der Vaterstelle zu vertreten berufen , und der ihm mit seinem ganzen Tun und Wesen lächerlich erscheinen mußte , nicht achten . Liscov wollte den Johannes ganz an sich reißen , und es wäre ihm gelungen , hätte sich nicht des Knaben edlere Natur dagegen gesträubt . Ein durchdringender Verstand , ein tiefes Gemüt , eine ungewöhnliche Erregbarkeit des Geistes , alles das waren anerkannte Vorzüge des Orgelbauers . Was man aber Humor zu nennen beliebte , war nicht jene seltne wunderbare Stimmung des Gemüts , die aus der tieferen Anschauung des Lebens in all seinen Bedingnissen , aus dem Kampf der feindlichsten Prinzipe sich erzeugt , sondern nur das entschiedene Gefühl des Ungehörigen , gepaart mit dem Talent , es ins Leben zu schaffen , und der Notwendigkeit der eignen bizarren Erscheinung . Dies war die Grundlage des verhöhnenden Spottes , den Liscov überall ausströmen ließ , der Schadenfreude , mit der er alles als ungehörig Erkannte rastlos verfolgte bis in die geheimsten Winkel . Eben diese schadenfrohe Verspottung verwundete des Knaben zartes Gemüt und stand dem innigsten Verhältnis , wie es der in wahrhafter innerer Gesinnung väterliche Freund herbeigeführt haben würde , entgegen . Zu leugnen ist aber auch nicht , daß der wunderliche Orgelbauer recht dazu geeignet war , den Keim des tiefem Humors , der in des Knaben Innern lag , zu hegen und zu pflegen , der denn auch sattsam gedeihte und emporwuchs . - Herr Liscov pflegte viel von Johannes ' Vater zu erzählen , dessen vertrautester Freund er in seinen Jünglingsjahren gewesen , zum Nachteil des erziehenden Oheims , der merklich in den Schatten trat , wenn der Bruder in hellem Sonnenlicht erschien . So rühmte auch eines Tages der Orgelbauer den tiefen musikalischen Sinn des Vaters und verspottete die verkehrte Art , wie der Oheim dem Knaben die ersten Elemente der Musik beigebracht . Johannes