gewiß . Das Schicksal hat mich ihr verschrieben , schrie Adalbert , der in einem Seitencabinet arbeitete , rette mich Marie , rette mich Engel ! rief er vor sie hinstürzend . Marien schwindelte es , sie dachte in die Erde zu sinken . Das Kind hatte sich ängstlich an ihren Hals geklammert , Adalbert umfaßte ihre beiden Knie und drückte sie unter heftigem Weinen an seine Brust . In dem Augenblicke trat Antonie in das Zimmer . Alexis lag mit halb offnen Augen , die Fieberhitze flimmerte zitternd über die zufallenden Wimpern und riß sie krampfhaft in die Höhe ; als er Antonien sah , sagte er furchtsam ; sieh mal , sieh mal , da ist die böse Hexe wieder ! Nicht doch , flüsterte Marie sanft , und wandte sein Köpfchen abwärts nach der Wand . Doch als Adalbert Antoniens Blicke begegnete , fuhr er mit beiden Händen vor die Augen und rief in unmäßigem Schmerz , ich bin unwiederbringlich verloren ! Marie winkte ihm , sich zu entfernen , er schwankte nach seinem Zimmer . Antonie , sagte sie darauf , Du hast grausame Gewalt geübt ! Mußtest Du ihn verderben , wenn Du ihn liebst ? und willst Du alles tödten , was seinem Herzen nahe war ? Antonie stand regungslos da . Marie weinte still . Das Kind war auf ihrem Schooße eingeschlafen . Jetzt trat Antonie zu ihr , reichte ihr die Hand , und sagte : Schwester , gieb ihn freiwillig auf , Dein darf er einmal nicht bleiben . Du bist fürchterlich , seufzte Marie . Aber täusche Dich nicht , Gott hat unsern Schwur angenommen , er allein kann den Eid lösen . Er hat auch meinen Schwur angenommen , entgegnete Antonie , auch den seinen , durch welchen er mein ist ! Meineid dringt nicht auf zu Gott , sagte Marie , den halten die Engel mit ihren Schwingen zurück , er fällt auf die Erde nieder ! da aber , da säet er unabsehbares Elend ! Sie verbarg ihr Gesicht in des Knaben Locken , den Blicken der Schwester zu entgehn ! Diese sank vor ihr auf die Knie , und mit aufgehobenen Händen sagte sie : ich beschwöre Dich bei allem Heiligen , gieb ihn freiwillig auf ! Geh ! erwiederte Marie gefaßt , Gott wird zwischen uns richten ! Er hat gesprochen , stammelte jene , in der höchsten Seelenangst , - zerbrachen nicht die Ringe in meiner Hand ? - Ach ! stöhnte Marie , - die Ringe lagen jetzt , ein bei Seite geworfenes Spielzeug , neben dem kranken Kinde . Nun , rief sie , so möge uns des Ewigen Hand aus diesem Labyrinthe führen ! Sie hörten jetzt ein Geräusch im Vorzimmer . Antonie stand auf , die Baronin trat eilig herein . Was geht hier vor ? fragte sie mit ihrer gewohnten Heftigkeit ; Alexis todtkrank , ihr beide in Thränen , Adalbert und der Chevalier wie zwei Rasenden an mir vorbei , die Treppe hinunter , zum Hause hinaus , was habt Ihr ? was ist geschehn ? Adalbert und der Chevalier ? rief Antonie , die es wie ein Ahndungsblitz durchzuckte , das hat etwas zu bedeuten ! Freilich , Ihr Kinder , sagte die Baronin , aber was denn , was denn ? Ich weiß nicht , entgegnete Antonie , schon halb zur Thür hinaus , als ihr der Herzog in den Weg trat , und sie schweigend in das Zimmer hineinführte . Niemand hatte jetzt den Muth zu einer Frage , oder auch nur zu einer verrathenden Bewegung . Der Knabe ist krank , sagte er , freundlich zu Marien gewandt . Sie bejahete es leise . Er betrachtete sie lange ; sieh Pauline , rief er nach einer Weile , gleicht sie nicht der Mutter zum sprechen , grade jetzt , jetzt in diesem Augenblick ! Marie streckte ihm die Arme entgegen , ihr Herz ertrug den Kampf nicht länger , sie weinte an seiner Brust auf doppelte Weise zerrissen Sagt mir um Gottes Willen , rief die Baronin , was ist es denn , was Euch so außer Euch setzt ? Daß sie ein Opfer wird , wie die Mutter , entgegnete er heftig losbrechend , das ist es , daß die Teufelskünste , die Aberwitz und freche Klügelei zum Spielwerk machten , ihr das Herz brechen , daß die tollen Fratzen uns noch lange nicht Elend genug bereitet haben , daß - o ich möchte rasend werden ! - Wo ist Adalbert , was ist es mit ihm und dem Chevalier ? fragte Marie . Bleibe ruhig , mein Kind erwiederte der Herzog , ihn führt , ihn schützt die Ehre , sie rettet ihn und uns vielleicht . Antonie machte eine rasche Bewegung nach der Thür . Nicht von der Stelle , rief der Herzog , sie zurückhaltend . Verwirrungen anzetteln mögen die Weiber , lösen können sie nur Männer . Marie faltete ihre Hände zum beten . Recht mein Kind , sagte er , da suche Du Hülfe , der Weg ist Dir offen geblieben . Antonie sank wie zerschmettert auf den Boden , und beide Arme gen Himmel gebreitet , rief sie , führe Du meine Sache ! O ! verdammet mich nicht , wimmerte sie , des Herzogs Knie umfassend , Ihr wißt es alle nicht , was mich treibt ! Die Baronin hatte die Ungewißheit nicht länger ertragen können , sie war hinausgeeilt , und kam nach einigen Augenblicken mit dem Arzt zurück , der ihr , von allem unterrichtet , das Nöthige mitgetheilt hatte . Der Doktor reichte dem Herzog ein zusammengefaltetes Blatt . Gottlob ! rief dieser , so ist er fort ! Fort ? wiederholten beide Schwestern . Mein Gott , Du bist gewaltig ! seufzte Marie , beide Hände auf das kranke Herz legend . Der Marquis kam jetzt auch herzu . Sie haben sich herrlich geschlagen , sagte er dem Herzog halb laut ,