retten . Die Mädchen wehklagten , und mir wollte die Angst den Athem benehmen . Doch war ich fest entschlossen , sie nicht mehr zu verlassen , und ließ dies auch der Frau Präsidentin mit allen Umständen wissen . Rosamunde lag den übrigen Theil des Tages , und die ganze darauf folgende Nacht in einem betäubenden Schlummer . Als die Sonne aufging , waren auch die Mädchen eingeschlafen ; aber Rosamunde wurde von ihr erweckt . Sie blickte um sich , sah mich allein an ihrem Bette , und zog meine Hand mit einem unbeschreiblich liebevollen Blick an ihr Herz . Ein Engel - sagte sie - steht mir im Tode bei ! so muß ich wohl schuldlos gelebt haben . O mein Gott ! - rief ich voll Angst ; denn ich fand jetzt , beim Tageslichte , alle ihre Züge bis zum Unkenntlichen verändert - wären Sie nur nicht in der Kirche gewesen ! Du hast Recht - antwortete sie - Ich sah dort , was ich nicht bin , und das schließt meine Augen auf ewig . Ich konnte nichts mehr antworten , und fing heftig an zu weinen . O weine nicht ! - sagte sie - Du mußt ewiglich lächeln . Worüber kannst du weinen ? - Sieh ich werde vom Leben genesen . Stelle mir die Rosen um mein Bett . Wecke Niemanden . Ich will leise entschlummern . Ich that , was sie sagte , und nahm sie , da sie sich aufgerichtet hatte , aber zu schwach war , sich zu erhalten , in meine Arme . So hielt ich sie wohl eine Stunde . Aber bei der tiefen Stille und der immer gleichen Stellung wurde auch ich vom Schlummer überfallen . Als ich erwachte , fand ich sie noch an meiner Brust gelehnt , und fest von meinen Armen umschlungen . Aber , ach Gott ! ich war allein erwacht , und ihr Auge nicht wieder zu öffnen . Herzliebste Mutter ! ich kann nicht weiter schreiben . Stephani an seine Verwandten . Rosamunde hat die Erde verlassen , und meine düstere Ahnung ist mir völlig enträthselt . Alle gingen in die Kirche , und ich versprach augenblicklich zu folgen . Zweimal war ich schon an der Thüre , und wurde jedesmal von einem unwiderstehlichen Gefühle zurückgehalten . Endlich ging ich dennoch ; gerade dieser Empfindung zum Trotze . Als ich in die Kirche trat , suchte mein Auge Gretchen vergebens . Es hieß : sie sey einer Unbekannten zu Hülfe geeilt und mit ihr aus der Kirche verschwunden . Ich wollte sogleich wieder davon ; aber in dem Augenblicke hört ' ich den Fürsten Befehl geben : daß man ihr folgen solle , und blieb nun , da er mir winkte , unbeweglich auf meiner Stelle . Bernhard und Mathilde brachen auf und erst jetzt erwacht ' ich aus meiner Betäubung . Als wir zu Hause kamen , fanden wir schon Nachricht von Margarethen . Es war Rosamunde , der sie zu Hülfe geeilt , und welche , nach der Aussage des Arztes , nur kurze Zeit noch zu leben hatte . Ich stürzte fort . Aber am Eingange kam mir der Arzt entgegen , betheuerte : die geringste Erschütterung müsse ihren Tod augenblicklich zur Folge haben , und mit seinem Willen solle , ausser denjenigen , welche schon bei ihr seyen , Niemand zugelassen werden . Sie selbst sind krank - sagte er - und ich beschwöre Sie , mir zu folgen ! Bei diesen Worten zog er mich fort , und übergab mich Bernharden und Mathilden . Nun überwältigte mich der Schmerz , und ich sank bewußtlos auf mein Lager . Die Stimme des Friedensengels weckte mich wieder . Margarethe stand , wie vormals , an meiner Seite , und reichte mir Trank . Plötzlich belebte mich die Kraft der Verzweiflung . Ich sprang auf , und stürzte ihr zu Füssen . Sag ' Himmlische ! - rief ich - daß sie mir verzieh , und mich nicht hassend verließ ! - O Gott ! - antwortete sie , und grosse Thränen rollten über das heilige Sonnengesicht - sie hat ja niemals aufgehört , Sie zu lieben ! Ein stechender Schmerz fuhr bei diesen Worten durch meine Brust ; aber mein Auge wurde heller . Ich sah Bernhard , Mathilde und den Fürsten . Man zwang mich , aufzustehen ; aber zur Ruhe war ich nicht wieder zu bringen . Rosamunde - glauben sie - werde morgen begraben . Gretchen an ihre Mutter . Herzliebste Mutter ! Rosamunde ist an ihre Ruhestätte gebracht . Wir hatten sie sehr schön mit weissen Rosen geschmückt , und sie selbst glich einer Rose ohne Farbe . Herr Stephani sah uns stillschweigend zu . Als aber die Träger erschienen , und den Sarg aufheben wollten , wurde er plötzlich von einem schrecklichen Zorne ergriffen . Er warf sich über den Sarg her , und drohete Jedermann , der es wagen würde , sich zu nahen . Geht nur Alle wieder davon ! - rief er - Erst will ich wissen , ob sie todt ist ! Die Leute sahen sich bestürzt an ; und in der That wagte es Niemand , sich zu widersetzen . Während dieser Bestürzung hatte der Diener den Arzt herbei geholt ; welcher nun versuchte , Herrn Stephani zuzureden . Ich werde nachgeben - sagte er - sobald ich überzeugt bin ; aber das kann ich heute und morgen nicht werden . Sie ist an keiner ansteckenden Krankheit gestorben , und Niemand braucht dieses Haus zu bewachen . Ich werde allein bei ihr bleiben , und ist sie wirklich todt , sie dem Grabe überlassen . Aber überzeugt muß ich werden , wofern meine Sinne zusammen halten sollen . Der Arzt bemerkte nur noch , daß es einer ausdrücklichen Erlaubniß der Regierung bedürfe Die werde ich erhalten ! - antwortete Herr Stephani , und eilte , einige Zeilen aufzusetzen , während er bald ängstlich bald drohend nach dem