den Weg nach dem Garten und freute sich über das schöne Gedeihen . Die Beeren-und Kirschenzeit ging zu Ende , deren Spätlinge jedoch Nanny sich besonders schmecken ließ . Bei dem übrigen Obste , das für den Herbst eine so reichliche Ernte versprach , gedachte der Gärtner beständig des Herrn und niemals , ohne ihn herbeizuwünschen . Ottilie hörte dem guten alten Manne so gern zu . Er verstand sein Handwerk vollkommen und hörte nicht auf , ihr von Eduard vorzusprechen . Als Ottilie sich freute , daß die Pfropfreiser dieses Frühjahrs alle so gar schön gekommen , erwiderte der Gärtner bedenklich : » Ich wünsche nur , daß der gute Herr viel Freude daran erleben möge . Wäre er diesen Herbst hier , so würde er sehen , was für köstliche Sorten noch von seinem Herrn Vater her im alten Schloßgarten stehen . Die jetzigen Herren Obstgärtner sind nicht so zuverlässig , als sonst die Kartäuser waren . In den Katalogen findet man wohl lauter honette Namen . Man pfropft und erzieht und endlich , wenn sie Früchte tragen , so ist es nicht der Mühe wert , daß solche Bäume im Garten stehen . « Am wiederholtesten aber fragte der treue Diener , fast so oft er Ottilien sah , nach der Rückkunft des Herrn und nach dem Termin derselben . Und wenn Ottilie ihn nicht angeben konnte , so ließ ihr der gute Mann nicht ohne stille Betrübnis merken , daß er glaube , sie vertraue ihm nicht , und peinlich war ihr das Gefühl der Unwissenheit , das ihr auf diese Weise recht aufgedrungen ward . Doch konnte sie sich von diesen Rabatten und Beeten nicht trennen . Was sie zusammen zum Teil gesäet , alles gepflanzt hatten , stand nun im völligen Flor ; kaum bedurfte es noch einer Pflege , außer daß Nanny immer zum Gießen bereit war . Mit welchen Empfindungen betrachtete Ottilie die späteren Blumen , die sich erst anzeigten , deren Glanz und Fülle dereinst an Eduards Geburtstag , dessen Feier sie sich manchmal versprach , prangen , ihre Neigung und Dankbarkeit ausdrücken sollten ! Doch war die Hoffnung , dieses Fest zu sehen , nicht immer gleich lebendig . Zweifel und Sorgen umflüsterten stets die Seele des guten Mädchens . Zu einer eigentlichen , offnen Übereinstimmung mit Charlotten konnte es auch wohl nicht wieder gebracht werden . Denn freilich war der Zustand beider Frauen sehr verschieden . Wenn alles beim alten blieb , wenn man in das Gleis des gesetzmäßigen Lebens zurückkehrte , gewann Charlotte an gegenwärtigem Glück , und eine frohe Aussicht in die Zukunft öffnete sich ihr ; Ottilie hingegen verlor alles , man kann wohl sagen alles ; denn sie hatte zuerst Leben und Freude in Eduard gefunden , und in dem gegenwärtigen Zustande fühlte sie eine unendliche Leere , wovon sie früher kaum etwas geahnet hatte . Denn ein Herz , das sucht , fühlt wohl , daß ihm etwas mangle ; ein Herz , das verloren hat , fühlt , daß es entbehre . Sehnsucht verwandelt sich in Unmut und Ungeduld , und ein weibliches Gemüt , zum Erwarten und Abwarten gewöhnt , möchte nun aus seinem Kreise herausschreiten , tätig werden , unternehmen und auch etwas für sein Glück tun . Ottilie hatte Eduarden nicht entsagt . Wie konnte sie es auch , obgleich Charlotte klug genug , gegen ihre eigne Überzeugung die Sache für bekannt annahm und als entschieden voraussetzte , daß ein freundschaftliches , ruhiges Verhältnis zwischen ihrem Gatten und Ottilien möglich sei . Wie oft aber lag diese nachts , wenn sie sich eingeschlossen , auf den Knieen vor dem eröffneten Koffer und betrachtete die Geburtstagsgeschenke , von denen sie noch nichts gebraucht , nichts zerschnitten , nichts gefertigt . Wie oft eilte das gute Mädchen mit Sonnenaufgang aus dem Hause , in dem sie sonst alle ihre Glückseligkeit gefunden hatte , ins Freie hinaus , in die Gegend , die sie sonst nicht ansprach . Auch auf dem Boden mochte sie nicht verweilen . Sie sprang in den Kahn und ruderte sich bis mitten in den See ; dann zog sie eine Reisebeschreibung hervor , ließ sich von den bewegten Wellen schaukeln , las , träumte sich in die Fremde , und immer fand sie dort ihren Freund ; seinem Herzen war sie noch immer nahe geblieben , er dem ihrigen . Achtzehntes Kapitel Daß jener wunderlich tätige Mann , den wir bereits kennengelernt , daß Mittler , nachdem er von dem Unheil , das unter diesen Freunden ausgebrochen , Nachricht erhalten , obgleich kein Teil noch seine Hülfe angerufen , in diesem Falle seine Freundschaft , seine Geschicklichkeit zu beweisen , zu üben geneigt war , läßt sich denken . Doch schien es ihm rätlich , erst eine Weile zu zaudern ; denn er wußte nur zu wohl , daß es schwerer sei , gebildeten Menschen bei sittlichen Verworrenheiten zu Hülfe zu kommen als ungebildeten . Er überließ sie deshalb eine Zeitlang sich selbst ; allein zuletzt konnte er es nicht mehr aushalten und eilte , Eduarden aufzusuchen , dem er schon auf die Spur gekommen war . Sein Weg führte ihn zu einem angenehmen Tal , dessen anmutig grünen , baumreichen Wiesengrund die Wasserfülle eines immer lebendigen Baches bald durchschlängelte , bald durchrauschte . Auf den sanften Anhöhen zogen sich fruchtbare Felder und wohlbestandene Obstpflanzungen hin . Die Dörfer lagen nicht zu nah aneinander , das Ganze hatte einen friedlichen Charakter , und die einzelnen Partieen , wenn auch nicht zum Malen , schienen doch zum Leben vorzüglich geeignet zu sein . Ein wohlerhaltenes Vorwerk mit einem reinlichen , bescheidenen Wohnhause , von Gärten umgeben , fiel ihm endlich in die Augen . Er vermutete , hier sei Eduards gegenwärtiger Aufenthalt , und er irrte nicht . Von diesem einsamen Freunde können wir so viel sagen , daß er sich im stillen dem Gefühl seiner Leidenschaft ganz überließ und dabei mancherlei Plane sich ausdachte , mancherlei Hoffnungen nährte