und Unannehmlichkeit er sich unmöglich tauschen konnte , und an denen doch eigentlich seine Verbindung mit ihr Schuld war . Ein alltägliches Geschöpf von Ehemann erniedrigt sie durch Verdacht und Auflauren , während ein harter Vater sie mit Vorwürfen quält , welche nur wirkliche Vergehungen rechtfertigen könnten , die aber in Sulpiciens Falle , wo blos das Herz - doch wozu brauche ich dir ein Verhältniß zu schildern , das du wohl kennst , und einst mit zu großer Strenge gerichtet hast ? Vielleicht denkst du jetzt auch über diesen Punkt milder , und spätere Erfahrungen mögen deine Ansichten verändert haben . Wie aber immer deine Denkart seyn mag , so glaube ich , wirst du doch darin vollkommen mit mir übereinstimmen , daß Treue , ausschließende Anhänglichkeit , und festes Verfolgen des abgeredeten Planes , Bedingungen sind , die , wenn sie gehalten werden , nicht großes Aufhebens , und wenn sie gebrochen werden , den allerstrengsten Tadel , ja gar keine Entschuldigung verdienen . Was soll also die unglückliche Sulpicia denken und fühlen , wenn sie von allen Seiten bestätigen hört , daß der leichtsinnige Tiridates , versunken in Asiens Wollüste , bestrickt von verführerischen Weibern , von Einer zur Andern gedankenlos flattert , und , von den Freuden des Hofes trunken , nicht Zeit hat , sich um so geringfügige Sachen zu bekümmern , als der Thron seiner Väter , und die Ruhe eines Herzens ist , das sich ihm ganz und willenlos geopfert hat ? Wie zerrissen dies schöne , edle Herz ist , wird dir der beigeschlossene Brief zeigen , den ich aus Bajä von ihr erhielt , wo ihre niedrigen Peiniger sie eingeschlossen halten , um ihr den letzten Trost , den Umgang mit mir , zu entziehen . Serran ' s kleiner Geist fürchtet meinen Einfluß , darum hat er seine Frau aus Rom entfernt ; und Sextus Sulpicius sieht in mir nichts , als eine schlaue Mittlerin eines verbotenen Verhältnisses . Wie könnte auch seine grobgeschnitzte Seele , die an keine weibliche , ja an keine menschliche Tugend , als allenfalls den Patriotismus glaubt , sich zu dem Gedanken erheben , daß man einander wirklich lieben , und durch diese Liebe sich recht viel seyn kann ? Diese Lage allein wäre schon hinreichend für Sulpicien , das Mitleid und die Schonung der ganzen Welt aufzufordern , um wie viel mehr die allerzarteste Aufmerksamkeit desjenigen , für den , um dessentwillen sie so sehr leidet . Aber dieser leichtsinnige Königssohn vergißt ihrer im Arm asiatischer Hetären , und vermehrt ihre Qualen noch durch den scharfen Stachel , den seine Untreue , der Gedanke , so gewissenlos vergessen zu seyn , in ihr zerrissenes Herz drückt . Zwar will ich gern glauben , daß der immer vergrößernde Ruf auch hier Manches hinzugesetzt hat , was nicht so ganz wahr ist ; indessen , wenn ich auch die Hälfte abrechne , bleibt noch immer genug übrig , um Tiridates sehr strafbar erscheinen zu machen . Noch schreibt er ziemlich oft und ziemlich warm an Sulpicien ; aber was ist dies für ein Herz , das von Zweifel und Angst gefoltert wird , und in der sehr natürlichen Voraussetzung , daß der Prinz wohl so klug seyn wird , sich nicht selbst anzuklagen , seine Briefe schon mit ungünstigem Vorurtheil empfängt ? Da wird jedes kühlere Wort , jeder unvorsichtige Ausdruck eine neue Quelle des Argwohns . Bei einem Brief kommt so viel auf die Stimmung des Lesenden an , sie gibt die Musik zu den Worten . Was kann der todte Buchstabe , was kann ein treuer Freund zur Beruhigung sagen , wenn ein krankes Gemüth mit jener geflissentlichen Grausamkeit , die eben den bessern Seelen eigen ist , in jedem Worte einen Pfeil finden will , um ihn tiefer in seine Wunden zu drücken ? O wahrlich ! solche Gemüther sind sehr zu beklagen , sie sind ewig das Spiel und der Raub der rauhern stärkern Seelen . Bei dieser Lage der Sachen , bei der halben Ungewißheit , in der wir über Tiridates wahre Gesinnungen schweben , und bei der Unmöglichkeit , im Geringsten auf ihn wirken zu können , wende ich mich nun an dich , und hoffe von deiner Denkart , von deiner Achtung für Sulpicien , und hauptsächlich von deiner genauen Verbindung mit dem Prinzen , noch allein das Wenige , oder Viele , was sich in dieser Sache thun läßt . Zuerst ersuche ich dich um eine genaue Nachricht von Tiridates Lebensart und Gesinnungen , so weit du sie zu kennen vermagst . Für ' s Zweite überlasse ich deinem Gefühle , deiner Beurtheilung , die weitern Schritte zu bestimmen , die allenfalls noch hierin zu thun wären . Deine Denkart ist mir Bürge , daß ich meine Freundin hier nicht aussetze , daß nichts geschehen wird , worüber sie zu erröthen , ja , was sie nur von fern ungethan zu wünschen haben würde . Leite , führe du die Sache , wie du es für gut findest ; ich lege mit Zufriedenheit Sulpiciens Geschick und meine treue Sorge für sie in deine Hand , und erwarte , wo nicht Hülfe , - denn wer weiß , ob du die gewähren kannst ? - doch wenigstens Trost und Beruhigung für sie von deinem Herzen . Mein Vater und meine Brüder , die alle recht wohl und vergnügt sind , grüßen dich herzlich durch mich . Solltest du zu antworten nöthig finden , so sey auch so gütig , mir den Ort deines Aufenthalts zu bemerken . Nicht immer wissen wir in Rom genau die Standörter unserer Armeen , und nicht immer ist ein Legat so glücklich , im Hause seines Feldherrn zu leben , und alle seine Leiden und Freuden mit ihm zu theilen . Leb ' wohl . 26. Sulpicia an Calpurnien . ( Im vorigen eingeschlossen . ) Bajä , im Sept . 301 . Mit unsäglicher Mühe und Aufopferungen , die mich mehr kosten ,