Lippen : Perle , mir vor allem theuer , Die so unverseh ' ns ich finde . Will in feines Gold dich fassen , Sollst das Haar mir glänzend zieren , Und du , holder Knabe , lese Meinen Dank in meinen Blicken . Schöne Perle , schöne Perle , Sieh mich weinend stehn am Ufer , Laß dich meine Klagen rühren , Folge meinem bangen Rufe . Du , des reichen Schmuckes Zierde , Bist nun meinem Blick entschwunden , Und ich Arme muß vergebens Dich am öden Strande suchen . Süßes Kleinod , kehre wieder , Zier ' aufs neu ' mir Haupt und Busen , Laß in deinem Glanz mich leuchten , Leben nur in deinem Ruhme ! Nein , du bist in Nacht geboren , Bist ein Kind der schlimmsten Mutter ; Trüg ' risch war dein sanftes Leuchten , Zu verlocken meine Jugend . Grausend steh ' ich hier alleine - Schäumend naht ihr , wilde Fluthen , Wollt auch mich hinunterreißen , Wie die Perl ' ihr habt verschlungen ! Ihr entgegen klingen Stimmen , Wie aus tiefem Meeresgrunde : » Holder Perle süßes Leben Blüht im stillen Heiligthume . Was der Tiefe ward entrissen , Kühn aus Tageslicht gerufen , Sinkt zurück in Liebesarme Scheu vor euren wilden Gluten . Steig hinunter in die Wasser , Kühle deines Herzens Wunden , Und im feuchten Schooße finde Neu erblüht die Wunderblume . « Alle drei blickten ihm schweigend nach , als Elwire wie aus einem Traum aufschreckte . Mein Gott ! meine Lieblingsromanze , wie kommt die hieher ? Sie sprang vom Fenster und Miranda sagte nach einigem Besinnen : Es ist sonderbar , vor kurzem ging es mir fast eben so . Diese Lieder haben einen innern Zusammenhang , ich kannte sie sehr frühe schon und habe sie sonst niemals gehört ! Rodrich wußte nicht , was er denken sollte . Er war Miranda gefolgt , die in die Halle trat , und ging neben ihr , ohne daß beide redeten , so heilig und still war es in ihrer Seele , und keiner bemerkte , daß der Weg immer einsamer ward , und sie plötzlich vor dem matt erleuchteten Pavllion der Prinzessinn standen . Sie traten hinein , und eine unbeschreibliche Wehmuth ergriff sie , als die vorigen Töne aufs neue vorüber rauschten . Sie mußten beide weinen , und in der seeligsten Rührung sanken sie einander in die Arme . Als sie aufblickten , stand der Sänger hinter ihnen , er hatte die Larve abgenommen und Rodrich rief voll Entzücken : Florio , mein Florio ; so mußte ich Dich wiederfinden ! Miranda hatte ihm die Hand gereicht , und sagte mit bewegter Stimme : Bist Du der Engel , der uns zusammenführte , so bewahre das Geheimniß , daß es ewig in unsrer Brust verschlossen bleibe ! - Sie eilte hinaus , und Rodrich zog den Wiedergefundenen eilig an sein Herz , das alle Seeligkeit der Welt auf einmal erfüllte . Komm nur , sagte er , jetzt kann ich noch alles nicht fassen , aber ich werde mich wiederfinden , und mein unaussprechliches Glück begreifen lernen . - Sie stießen hier auf Stephano , der einsam an einem Baum lehnte und weit über den Strom hinaus sah . Rodrich eilte auf ihn zu , schloß ihn stumm an die Brust , und ging unter Freudenthränen an Florio ' s Hand zurück in die Stadt . Zweiter Theil Erstes Buch Die Nacht fand beide Freunde in den seligsten Betrachtungen versenkt . Florio konnte sein Auge nicht von dem königlichen Jünglinge abwenden , der nun so anders , und doch nicht fremd , in seinen Armen lag . Ihm war , als träume er aufs neue , wie in so mancher wehmüthigen Stunde , den lang ' ersehnten , durch Klang und Worte heraufbeschwornen Augenblick des Wiederseh ' ns . Wie tausendmal hatte ihm die herrliche Gestalt so , grade so in alten Ritterliedern vorgeschwebt ! Ach und wie tausendmal kehrte er dann mit trüben Blicken in sich selbst zurück , und floh die trügerischen Bilder , die ihn von Land zu Land fortrissen , und das unbefriedigte Herz erschöpften ! Mit innrer Bangigkeit bog er sich jetzt über ihn hin , und drückte einen leisen Kuß auf seine Wange . Da war ihm , als flössen die reinen , kräftigen Züge milder in einander , und als blicke ihn aus den weichen Umrissen das kindische Gesichtchen seines Rodrichs wieder an . Wie mit Liebesarmen umfing ihn die Vergangenheit , und führte ihn zu der kleinen Hütte zurück , die so lange seine stillen Freuden umfaßte . Er mußte jener Nacht gedenken , wo er zuerst den Wunsch in sich aufkommen ließ , den geliebten Gespielen jenseit der Berge aufzusuchen , und wie dann das Verlangen so riesenmäßig aufschoß , daß es ihn , alle andere Gefühle erdrückend , vom Lager fort , zu den steinigen Klippen zog , die ihm den Weg in die weite unbekannte Welt eröffneten . Hier , den unersteiglichen Bergen gegenüber , erschrak er über sein Vorhaben . Er blickte fragend zu ihnen auf . Der Mond glänzte wie Gottes Auge über ihren verhüllten Gipfeln , hinter denen sich eine dunkle Wolke in Gestalt eines gewapneten Mannes mit doppeltem Antlitz erhob . Florio ' s Herz schlug ängstlich , er betrachtete die Wolke , die sich , immer mehr dehnend , zwei lange Arme über der Erde ausbreitete , und , wie mit langsam ernstem Tritt , aus der Tiefe heraufstieg . Das gewaltige Haupt bog sich über den Mond hin , so daß das Gesicht gen Osten bleich und zitternd über dem erschrockenen Jüngling schwebte . Er wollte zur Hütte zurück , allein in der Dunkelheit hatte er den Weg dahin verloren , und er irrte bang und traurig zwischen ödem Gestein umher . Endlich erfreuete ihn ein Licht ganz weit aus der Ferne . Er beflügelte seine Schritte , und kam bald auf ebnere