Das Geheimniß wird sich enthüllen . « Albertine antwortete wenig und unverständlich . Sie machte sich mit dem Thee , den eben der Bediente gebracht hatte , zu schaffen . Es war sichtbar , daß sie litte . » So wie meine Genesung fortrückte « - fuhr Lindenhain fort - » vermied Adelaide ganz unaffectirt , allein in meinem Zimmer zu bleiben . Eine ältliche Gouvernante , die mit ihr dem Hauswesen vorstand , war immer zugegen . Adelaide las uns vor , oder spielte und sang , oder beschäftigte sich mit irgend einer Handarbeit . Sie war immer gleich freundlich und sorgsam ; doch hatte sie offenbar etwas auf dem Herzen , das bei ihrer sonstigen Offenheit sie drückte . Einst , als sie mir den Thee reichte , blieb sie wie zerstreut in meiner Nähe stehen und spielte mit einem Stückchen Papier , welches sie absichtslos in den Fingern zu rollen schien . Als sie mich verließ , sank das Papier aus ihrer Hand auf meinen Tisch und sie entfernte sich , merklich erröthend . Es war beschrieben . Meine Neugier wurde rege . Ich las . Es enthielt folgende Worte : Ich habe von einem Ihrer Landsleute gehört , daß Sie verheirathet sind . Ist das wahr ? Adelaide . « ( Albertine , die bis jetzt wieder emsig strickte , stand auf , dem Onkel etwas zu reichen , so daß sie der Gesellschaft den Rücken zuwandte . ) » Adelaide kam diesen Tag erst zur Abendsuppe mit ihrem Vater und der Gouvernante in ' s Zimmer . Sie war verlegen , und wich meiner Nähe wie meinem Gespräch aus . Ich hatte sehr bald Anlaß Adelaidens Frage zu beantworten , indem der Vater von dem Glücke sprach , das er an der Seite seiner verstorbenen Gattin genossen hatte . Da nannte ich dich , meine Albertine , und ein Strom des reinsten Gefühls deines Werthes , meine Liebe , ergoß sich von meinen Lippen . « ( Albertine umarmte hier Lindenhain ; doch schien es mehr Ehrenhalber , als aus dem Herzen zu seyn . Laurette fragte gespannt : » Nun ? Und Ihre Adelaide ? « ) » Adelaide schien von der Wärme meiner Schilderung ergriffen . Sie lächelte und wechselte die Farbe ; bei den rührenden Situationen flossen ihre schönen Augen über . Sie wünschte sich deine Freundschaft , meine Albertine ! « ( » Hm ! Ich möchte sie wohl kennen ! « sagte Albertine nachlässig . ) » Sie ist deiner Freundschaft werth , Albertine ! Sie erhielt dir deinen Gatten ; ihre Pflege und Aufsicht hat alles gethan . « » Meinen Gatten erhielt sie mir ; aber auch sein Herz ? « Es mußte heraus . Albertine hielt sich nicht länger . Sie brach in Thränen aus , die sie gern verborgen und dem Hohne der Cousine nicht ausgesetzt hätte . Alle waren verlegen , und Lindenhain sagte schmerzlich : » ich darf nicht fortfahren , Albertine , wenn schon dies dich so erschüttert . Was ich noch zu sagen habe , setzt mich dann in die äußerste Verlegenheit ! « ( » Sieh nicht auf mich ; ich bin ein albernes Ding . Es wird sich geben . Zeige mir deine Achtung durch Wahrhaftigkeit ! « ) » Nach diesem Gespräche fand ich Adelaidens Benehmen offner , herzlicher , zutraulicher , und fast möcht ' ich ' s schwesterlich nennen . Sie sprach viel von meinem Vaterlande , von meiner Albertine , von dem Kummer unserer Trennung . Sie beschäftigte sich oft so unbefangen um mich her , als ob ich gar nicht zugegen gewesen wäre . Doch sahe ich sie im Ganzen seltener , da ich schon im Stande war , selbst wieder für meine Unterhaltung zu sorgen . Ich vermißte ihre Gesellschaft ; denn die unschuldsvolle , sich selbst unbewußte Seele des Mädchens war mir sehr werth geworden . « » Es war mir gar nicht gleichgültig , als wir von unsern Wunden hergestellte Gefangene tiefer in Frankreich hinein geschafft wurden . So sehr sonst meine Wünsche mich in ' s südliche Frankreich versetzt hatten , so ungern ging ich jetzt dahin ab . Dem commissair ordonateur stellte ich vor , daß meine Dienstunfähigkeit mich nicht länger zum Kriegsgefangenen qualifizire ; er gab mir aber den vielleicht schmeichelhaft seyn sollenden Bescheid : der Arm mache nicht allein den Feind gefährlich ; der Kopf wär ' s. Er wußte wohl nicht , daß die Unsrigen erst zur öffentlichen Wirksamkeit gelangen , wenn sie schon wieder ergrauen . « » Auf einem ziemlich anständigen Fuhrwerke traten wir unsere Reise nach der Gegend von Toulouse an . « » Und Ihr Abschied von Adelaiden ? « unterbrach ihn hier der Onkel . » Ich bin ganz verliebt in das allerliebste Mädchen . « » War herzlich und meiner Seits von Dankbarkeit überfließend . Wie hätte ich anders gekonnt ? « - fuhr Lindenhain fort . » Noch aus Bouquenon schrieb ich einen langen , umständlichen Brief an dich , meine Albertine , dem ich die kleine Summe beifügte , die mir , wie durch ein Wunder , erhalten war . Da ich in die Todtenlisten des Regiments eingetragen war , so darf ich mich nicht wundern , wenn Ihr , meine Theuren , weiter keine Schritte thatet , etwas von mir zu erfahren . « » Adelaide hatte sich viele Tage emsig mit meiner Reiseanstalt beschäftigt . Wie hatte das edle Mädchen für Alles gesorgt ! Was die sorgsamste Aufmerksamkeit auf alle kleine Bedürfnisse nur ersinnen kann , fand ich hier bei einander . In einer kleinen bonbonniere fand ich zwanzig Louisd ' or und diesen Ring von ihrem Haar , mit dem Zettelchen : pour la charmante Albertine ! - Hier , meine Albertine , ist er ; trag ' ihn diesem würdigen Mädchen zum Andenken ! « Alle machten jetzt große Augen , als Lindenhain den Ring hervorzog und ihn der sich halb weigernden Albertine an das