sein , fragte aber , ob nicht auch oft die Freundschaft nach der Liebe und Ehe komme , oft sogar für dieselbe Person - ob nicht der treueste Liebhaber eben darum der treueste Freund sei - ob nicht die Liebe mehr romantische Poesie habe als die Freundschaft - ob jene am Ende nicht in die gegen Kinder übergehe - ob er nicht fast hart mit seinen Bildern sei ; - und noch mehr wollte Gottwalt lindern und schlichten . Aber Vult fuhr auf , sowohl aus voriger Rührung als aus Erwartung eines viel weniger bedingten Lobes , hielt sich die Ohren vor Rechtfertigungen der Menschen zu und klagte : er sehe nur gar zu gut voraus , wie ihm künftig Walt eine Erbosung nach der andern versalzen werde durch sein Überzuckern ; beifügend , in ihrem » Hoppelpoppel oder das Herz « gewännen ja eben die süßen Darstellungen am meisten durch die schärfsten , und gerade hinter dem scharfen Fingernagel liege das weichste empfindsamste Fleisch ; » aber « , fuhr er fort , » von etwas Angenehmerem , von den sieben Erb-Dieben , wobei ich mir wieder deinetwegen Mühe gegeben ! Ich muß etwas bei dir sitzen . « » Noch etwas Angenehmes vorher « , versetzte Walt und schilderte ihm den roten götterschönen Jüngling , und daß solcher , wie ein Donnergott auf einem Sturmvogel , zwischen Aurora und Iris gezogen und unter dem blauen Himmel wie durch eine Ehrenpforte geritten wäre . » Ach nur seine Hand « , endigte er , » wenn ich sie je anrühren könnte , dacht ' ich heute , zumal nach dem Freundschaftskapitel . O kennst du ihn ? « » Kenn ihn so nicht , deinen Donner- und Wetter- - - Gott ( sagte Vult kühl und nahm Stock und Hut ) . Verschimmle nur nicht in deinem Storchnest - lauf hinaus ins Rosental wie ich , wo du alle Haßlauer beau monde ' s-Rudel mit einem Sau-Garn überziehen und fangen kannst , und ihn mit . Vielleicht jag ' ich darunter den gedachten Donnergott auf - - möglich ists der Graf Klothar . - Nein , Freund , ich gehe absichtlich ohne dich ; auch tu überhaupt nicht draußen , als ob du mich sonderlich kenntest , falls ich etwa zu nahe vor dir vorübergehen sollte vor Augenschwäche ; denn nachgerade muß ich mich blind machen , ich meine die Leute . Addio ! « Nr. 17. Rosenholz Rosental In drei Minuten stand der Notar , dem Vults Verstimmung entgangen war , freudig auf dem grünen Wege nach dem Haßlauer Rosentale , das sich vom schönen Leipziger besonders dadurch unterscheidet , daß es sowohl Rosen hat als auch ein Tal und daher mehr der Fantaisie bei Bayreuth ähnlich ist , die bloß die Zuckerbäckerarabesken und Phantasie-Blumen und Prunk-Pfähle vor ihm voraus hat . Aus der Stadt zog er eigentlich kaum , denn er fand die halbe unterwegs ; und alle seine Seelen-Winkel wurden voll Sonnenlicht bei dem Gedanken , so mitzugehen unter Leuten , die mitgehen , mitfahren , mitreiten . Rechts und links standen die Wiesen , die wallenden Felder und der Sommer . Aus der Stadt lief das Nachmittags-Geläute der Kirche in die grüne warme Welt heraus , und er dachte sich hinein , wie jetzt die Kirchengänger sich herausdenken und ihn und das freie luftige Leben göttlich finden würden in den schmalen , kalten , steinernen Kirchen auf langen leeren Bänken einzeln schreiend , mit schönen breiten Sonnenstreifen auf den Schenkeln und mit der Hoffnung , nach der Kirche nachzumarschieren so schnell als möglich . Die Zugherings-Herde von Menschen legte sich in die Bucht des Rosentals an . Die Laubbäume taten sich auf und zeigten ihm die glänzende offne Tafel des Julisonntags , die aus einbeinigen Täfelchen unter Bäumen bestand - » köstlich « , sagte der Notar zu sich , » ist doch wahrlich das allgemeine Sesselholen , Zeltaufschlagen , Rennen grüner Lauferschürzen , Weglegen der Schals und Stöcke , Ausziehen der Körke und Wählen eines Tischchens , die stolzen Federhüte zwischendurch , die Kinder im Grase , die Musikanten hinten , die gewiß gleich anfangen , die warmblühenden Mädchen-Stirnen , die durchschimmernden Gartenrosen unter den weißen Schleiern , die Arbeitsbeutel , die Goldanker und Kreuze und andere Gehenke auf ihren Hälsen und die Pracht und die Hoffnung , und daß noch immer mehr Leute nachströmen - - O ihr lieben Menschen , macht euch nur recht viel Lust , wünsch ' ich ! « - Er selber setzte sich an ein einsames Tischchen , um kein geselliges zu stören . Vom Zuckerguß seines stillen Vergnügtseins fest überlegt , saß er daran , sich erfreuend , daß jetzt fast in ganz Europa Sonn- und Lusttag sei , und nichts begehrend als neue Köpfe , weil er jeden zwischen die Augen nahm , um auszufühlen , ob er dem roten Jüngling angehöre , wornach seiner Seele alle ihre Blütenblätter standen . Ein Geistlicher spazierte vorüber , vor dem er sitzend den Hut abnahm , weil er glaubte , daß Priester , gewohnt , durch ihre Rockfarbe jeden Hut zu bewegen auf dem Lande , jedesmal Schmerzen in der Stadt empfinden müßten , wenn ein ganz fester vorbeiginge . Der Geistliche sah ihn scharf an , fand aber , daß er ihn nicht kenne . Jetzt trabten zwei Reiter heran , von welchen der eine wenig zu leben hatte , der andere aber nichts , Vult und Flitte . Der Elsasser tanzte reichgekleidet und lustig - obgleich seine te deum laudamus in laus deo bestanden - nach seinem eignen Gesang vom Steigbügel unter seine Bekanntschaften , d.h. sämtliche Anwesende hinein ; geliebt von jedem , dem er nichts schuldig war . Er überstand lustig eine kurze Aufmerksamkeit auf sich als den Menschen , der die Kabelsche Erbportion eingebüßet , welche er schon als Faustpfand so oft wie den Reliquienkopf eines Heiligen vervielfacht unter seine Gläubiger verteilt hatte , weil das marseillische Schiff , worauf er eine große