? sagte die Sphinx ; mein Eigenthum , erwiederte Fabel . - Wo kommst du her ? - Aus alten Zeiten ; - Du bist noch ein Kind - Und werde ewig ein Kind seyn . - Wer wird dir beystehn ? - Ich stehe für mich . Wo sind die Schwestern , fragte Fabel ? - Überall und nirgends , gab die Sphinx zur Antwort . - Kennst du mich ? - noch nicht . - Wo ist die Liebe ? - In der Einbildung . - Und Sophie ? - Die Sphinx murmelte unvernehmlich vor sich hin , und rauschte mit den Flügeln . Sophie und Liebe , rief triumphirend Fabel , und ging durch das Thor . Sie trat in die ungeheure Höhle , und ging frölich auf die alten Schwestern zu , die bey der kärglichen Nacht einer schwarzbrennenden Lampe ihr wunderliches Geschäft trieben . Sie thaten nicht , als ob sie den kleinen Gast bemerkten , der mit artigen Liebkosungen sich geschäftig um sie erzeigte . Endlich krächzte die eine mit rauhen Worten und scheelem Gesicht : Was willst du hier , Müßiggängerin ? wer hat dich eingelassen ? Dein kindisches Hüpfen bewegt die stille Flamme . Das Öl verbrennt unnützer Weise . Kannst du dich nicht hinsetzen und etwas vornehmen ? - Schöne Base , sagte Fabel , am Müßiggehn ist mir nichts gelegen . Ich mußte recht über eure Thürhüterin lachen . Sie hätte mich gern an die Brust genommen , aber sie mußte zu viel gegessen haben , sie konnte nicht aufstehn . Laßt mich vor der Thür sitzen , und gebt mir etwas zu spinnen ; denn hier kann ich nicht gut sehen , und wenn ich spinne , muß ich singen und plaudern dürfen , und das könnte euch in euren ernsthaften Gedanken stören . - Hinaus sollst du nicht , aber in der Nebenkammer bricht ein Strahl der Oberwelt durch die Felsritzen , da magst du spinnen , wenn du so geschickt bist ; hier liegen ungeheure Haufen von alten Enden , die drehe zusammen ; aber hüte dich : wenn du saumselig spinnst , oder der Faden reißt , so schlingen sich die Fäden um dich her und ersticken dich . - Die Alte lachte hämisch , und spann . Fabel raffte einen Arm voll Fäden zusammen , nahm Wocken und Spindel , und hüpfte singend in die Kammer . Sie sah durch die Öffnung hinaus , und erblickte das Sternbild des Phönixes . Froh über das glückliche Zeichen fing sie an lustig zu spinnen , ließ die Kammerthür ein wenig offen , und sang halbleise : Erwacht in euren Zellen , Ihr Kinder alter Zeit ; Laßt eure Ruhestellen , Der Morgen ist nicht weit . * Ich spinne eure Fäden In Einen Faden ein ; Aus ist die Zeit der Fehden . Ein Leben sollt ' ihr seyn . * Ein jeder lebt in Allen , Und All ' in Jedem auch . Ein Herz wird in euch wallen , Von Einem Lebenshauch . * Noch seyd ihr nichts als Seele , Nur Traum und Zauberey . Geht furchtbar in die Höhle Und neckt die heil ' ge Drey . * Die Spindel schwang sich mit unglaublicher Behendigkeit zwischen den kleinen Füßen ; während sie mit beyden Händen den zarten Faden drehte . Unter dem Liede wurden unzählige Lichterchen sichtbar , die aus der Thürspalte schlüpften und durch die Höhle in scheuslichen Larven sich verbreiteten . Die Alten hatten während der Zeit immer mürrisch fortgesponnen , und auf das Jammergeschrey der kleinen Fabel gewartet , aber wie entsetzten sie sich , als auf einmal eine erschreckliche Nase über ihre Schultern guckte , und wie sie sich umsahen , die ganze Höhle voll der gräßlichsten Figuren war , die tausenderley Unfug trieben . Sie fuhren in einander , heulten mit fürchterlicher Stimme , und wären vor Schrecken zu Stein geworden , wenn nicht in diesem Augenblicke der Schreiber in die Höhle getreten wäre , und eine Alraunwurzel bey sich gehabt hätte . Die Lichterchen verkrochen sich in die Felsklüfte und die Höhle wurde ganz hell , weil die schwarze Lampe in der Verwirrung umgefallen und ausgelöscht war . Die Alten waren froh , wie sie den Schreiber kommen hörten , aber voll Ingrimms gegen die kleine Fabel . Sie riefen sie heraus , schnarchten sie fürchterlich an und verboten ihr fortzuspinnen . Der Schreiber schmunzelte höhnisch , weil er die kleine Fabel nun in seiner Gewalt zu haben glaubte und sagte : Es ist gut , daß du hier bist und zur Arbeit angehalten werden kannst . Ich hoffe , daß es an Züchtigungen nicht fehlen soll . Dein guter Geist hat dich hergeführt . Ich wünsche dir langes Leben und viel Vergnügen . - Ich danke dir für deinen guten Willen , sagte Fabel ; man sieht dir jetzt die gute Zeit an ; dir fehlt nur noch das Stundenglas und die Hippe , so siehst du ganz wie der Bruder meiner schönen Basen aus . Wenn du Gänsespulen brauchst , so zupfe ihnen nur eine Handvoll zarten Pflaum aus den Wangen . Der Schreiber schien Miene zu machen , über sie herzufallen . Sie lächelte und sagte : Wenn dir dein schöner Haarwuchs und dein geistreiches Auge lieb sind , so nimm dich in Acht ; bedenke meine Nägel , du hast nicht viel mehr zu verlieren . Er wandte sich mit verbißner Wuth zu den Alten , die sich die Augen wischten , und nach ihren Wocken umhertappten . Sie konnten nichts finden , da die Lampe ausgelöscht war , und ergossen sich in Schimpfreden gegen Fabel . Laßt sie doch gehn , sprach er tückisch , daß sie euch Taranteln fange , zur Bereitung eures Öls . Ich wollte euch zu euerm Troste sagen , daß Eros ohne Rast umherfliegt , und eure Scheere fleißig beschäftigen wird . Seine Mutter , die euch so oft zwang , die Fäden länger zu spinnen ,