Mann in den Fesseln eines Weibes sich krümmen und winden zu sehn ; doch fühlte sie zugleich , wie alle wohldenkenden Damen , einen lebhaften Trieb , den Leiden des armen Schmachtenden , so schön und so lieblich anzuschaun sie auch waren , ein baldiges Ende zu machen . Sie versprach ihm mit Hand und Mund , dass sie nichts was in ihren Kräften stehe , unversucht lassen wolle , um das Schifflein seiner Liebe , wenn nur nicht Wind und Wetter allzusehr entgegen wären , glücklich in den Hafen zu steuren . Bei der Zuhausekunft des Doctors , kamen die drei Entwürfe zur Sprache , die Herr Stark auf die oberwähnten drei Fälle bei sich festgesetzt hatte . Der Doctor wollte durchaus , dass er sich vor allen Dingen mit dem Vater verständigen , und seine Geschäfte wieder antreten sollte , wo denn die Einwilligung zur Heirat mit der Witwe gewiss nicht fehlen würde . Herr Stark hingegen wollte vor allen Dingen der Gesinnung der Witwe versichert seyn , um zu wissen , ob er den Ort seines Aufenthalts nicht verändern müsse , und wie er sich gegen den Vater zu nehmen und zu erklären habe . In sein altes Verhältnis , sagte er , trete er für keinen Preis wieder zurück , was auch immer sein Schicksal seyn möge ; und die Billigung seiner Liebe betreffend , kenne er die unüberwindliche Beharrlichkeit des Vaters in seinen einmal gefassten Vorurtheilen . Der Doctor erzählte ihm jetzt , wie sehr das Vorurtheil gegen die Witwe bei dem Alten bereits erschüttert worden , und bestand noch einmal darauf , dass sein erster Schritt die Aussöhnung mit einem Vater seyn müsse , der von nun an gewiss auf einen ganz andern Fuss mit ihm leben werde . Die Rückkehr des alten Verhältnisses , meinte er , sei durchaus nicht zu fürchten , sobald nur nicht der Sohn selbst daran arbeite es wieder herzustellen . Ob der Vater ihn liebe ? sei nicht die Frage ; nur habe dieser Liebe bisher ein nothwendiger Zusatz gemangelt , und dieser Mangel sei die Ursache alles Verdrusses und aller Erbitterung geworden . - Herr Stark bestand darauf , dass der Doctor sich näher erklären sollte ; und dieser versprach es , wenn er zuvor das feierliche Wort erhielte , dass ihm seine Freimüthigkeit nicht sollte übelgedeutet werden . Dieses Wort ward gegeben . - Nun dann ! sagte der Doctor : der Liebe Ihres Vaters mangelte , was jetzt schon in hohem Grade da ist , und was Sie noch täglich zu vermehren in Ihrer Gewalt haben werden : Hochachtung für Sie . Wahr ! Mehr als zu wahr ! Er hat mich von jeher verachtet . Er hat von jeher gewünscht , Sie innigst hochachten zu können . - Fragen Sie jetzt Sich Selbst , in welchem Maasse Sie ihm das möglich machten ! Hab ' ich ihm Schande gemacht ? rief Herr Stark , indem er mit grosser Bewegung aufstand . Hab ' ich Lasterthaten begangen ? Ist von Schande die Rede ? Werden Sie den schon hochachten , der sich mit keinen Lasterthaten befleckt hat ? Gehört zur Hochachtung nicht mehr ? Herr Stark erinnerte sich der Freude des alten Schlicht über den Ton worin , sein Vater von ihm gesprochen hatte , ward besänftigt , und setzte sich wieder . - Ich habe Ihr Wort , dass Sie meine Freimüthigkeit mir verzeihen wollen ; und so lassen Sie mich ein für allemal , um Ihrer und Ihres Vaters Zufriedenheit willen , über diesen Punct meine geheimsten Gedanken sagen ! - Ihr Vater hielt Sie für keinen bösen , aber für einen schwachen , für einen auf sich selbst beschränkten , zur Sinnlichkeit , Weichlichkeit , Eitelkeit ganz sich hinneigenden Charakter . Nach dem , was er von Ihnen sah , von Ihnen hörte - denn Ihr Gutes verbargen Sie ja vor ihm - konnt ' er kaum anders , sondern musste Sie dafür halten . Er dachte Sie im vollen Gegensatz mit sich selbst ; und sich selbst konnt ' er doch wahrlich ! auch bei der strengsten Unparteilichkeit , mit keinen andern Augen ansehn , als womit alle Welt ihn ansieht : mit Augen der Billigung und der Achtung . Daher sein Ton gegen Sie : ein wirklich empfindlicher , ärgerlicher , kränkender Ton , der mir von jeher missfiel , den ich gegen meinen Sohn , wie ich auch immer von ihm urtheilen mögte , ewig nicht brauchen würde , auch freilich , weil mir Witz und Laune dazu versagt sind , nicht brauchen könnte ; der aber aus dem ganzen Geiste und Herzen des Alten zu natürlich hervorging , als dass die Abänderung desselben , solange er Sie in dem alten Lichte betrachtete , je gehofft werden durfte . - Ihm diesen Ton zu nehmen , war kein anderer Weg als ihm sein Urtheil von Ihnen au nehmen ; und dieses - er ergriff hier die Hand des Schwagers , und drückte sie ihm mit Wärme - dieses ist ihm genommen . Herr Stark hatte mit Ruhe gehört , und schwieg auch noch jetzt . Der Doctor bekannte ihm , dass er die ganze Geschichte der Aussöhnung mit Lyk , nebst Allem was darauf gefolgt sei , dem Alten erzählt habe , und schilderte ihm die grosse Rührung desselben nicht ohne eigene Rührung . - Treten Sie ihm jetzt unter die Augen , und Sie werden einen ganz andern Blick von ihm sehen . Reden Sie jetzt mit ihm , und Sie werden einen ganz , andern Ton von ihm hören . - Wahrlich , Herr Bruder ! wenn Sie auch alle die kleinen - Schwachheiten will ich nur sagen - beibehielten , die er sonst an Ihnen bespöttelte : er würde sie nicht mehr bespötteln ; er würde sie immer noch weg wünschen , aber sie dem uneigennützigen , grossmüthigen , edelthätigen Manne , den er jetzt in Ihnen erkennt , mit Freuden , zu Gute halten .