, um sicher zu sein , daß in diesem Augenblick der Erörterung mislicher Familienverhältnisse die Diener nicht hereinkamen ... Ja , das Maß ist gerüttelt und geschüttelt voll , sagte der Onkel tiefschmerzlich und die Hände gefaltet auf den Tisch vor sich hinlegend , das Maß der Ehrenkränkung , die seiner Familie ein wilder und entsetzlicher Mann hinterlassen hat ! So ging es doch mit ihm fast funfzig Jahre hindurch ! So klagen ihn todte und lebendige Zeugen an ! So öffnen sich die Gräber , um ein Geheimniß nach dem andern ans Tageslicht zu bringen ! Paula ! Du gutes , gutes , treues Kind - Auf diese liebevolle Anrede , die dem Schmerz galt , den Paula um die Ehre ihrer Familie , um Mutter und Vater empfinden mußte , hatte sie sich rasch aus dem Zimmer entfernt ... Armgart flog ihr wie ihr Schatten zu hülfreichem Troste nach ... Nun erzählte die Tante den theilweis hocherstaunenden Männern Paula ' s Traumgesicht ... Alles was sie gesehen hatte , wurde von den Männern bestätigt ... Wild , wild war der Anblick dessen , was an der Eiche geschah ! sagte der Onkel , der seinerseits an diese Visionen schon gewöhnter war . Da mußte sie wol erwachen ... Der Geiger war der Taugenichts , der alte buckelige Stammer ! Rächen wollte er sich für die Verweisung aus dem Schlosse durch den Präsidenten ... Der Küfer hatte den Fetzen Tuch , der einst vom Deichgrafen dem Kronsyndikus abgerissen war und so lange nicht gefunden werden konnte , wenn es überhaupt der echte war , auf den silberbeschlagenen Sarg , mitten unter die Ordensinsignien gelegt ! Als er das gethan , taumelte der Mann - es war auf den Schrei der Lisabeth - wie ein Kind und wurde von dem anwesenden Löb Seligmann gehalten , dem Juden , der ihn zu kennen schien . Herr von Terschka , Sie werden ja wol das Nähere von dem drolligen Musikschwärmer erfahren können ! Aber dem Geigenspieler ging es schlimm . Hubertus zertrat ihn fast ; obgleich Stammer der Bruder des Mädchens war , um das auch der Bruder Abtödter den Kronsyndikus so bitter haßte ... Die Tante , die den Onkel in der weitern Mittheilung der Geschichte des Mönchs Hubertus nicht stören wollte , entfernte sich , um nach Paula zu sehen ... Es kamen jetzt Bestandtheile eines Soupers , auch einige Flaschen Wein , die sie den Männern überließ ... Der Abtödter , hört ' ich , nennt man ihn ? fragte Terschka kopfschüttelnd , als die Diener fort waren ... Man nennt diesen Mönch so in den Klöstern und im Volke ! erklärte der Onkel . Sein eigentlicher Name ist Buschbeck ... Buschbeck ! wiederholte Terschka befremdet und wiederholte lange sinnend : Buschbeck ? Buschbeck ? ... Terschka ' s eigenes , allen hier unbekanntes Leben schien mit diesem oder einem ähnlichen Namen eine Beziehung zu haben ... Der Onkel erzählte mit gedämpfter Stimme und rasch die Abwesenheit der Frauen nutzend : Auch Sie , Herr von Asselyn , werden sich ja wol aus Ihrer auf Hof Borkenhagen verlebten Jugend des Försters Buschbeck - nein , Sie mußten ihn schon nur als Mönch gekannt haben - Es muß jener Laienbruder sein , sagte Benno , der dem alten Hedemann einmal ein Pferd mit Sympathie curirte ... Dreizehn Haupthaare von einem Scharfrichter in einem Teig von Weizenmehl und Oel eingegeben und das Pferd erhielt sich ... Der Glaube macht selig ! lachte Thiebold , der sich allmählich zu finden und schon wieder zu serviren anfing ... Aber der Onkel entgegnete : Warum ? Die Geheimnisse der Natur sind unergründlich ! Terschka , immer sinnender und ein anerkannter Virtuose der Reitkunst , fiel ein : Die Hauptsache an dem Mittel werden das Oel und vielleicht auch die Haare gewesen sein ! Wann kam denn dieser Mann hier in die Gegend ? In den Jahren vor den Befreiungskriegen , etwa 1808 , erzählte der Onkel . Es war ein schlanker und gewandter Mann , der bei den Holländern in Java gedient hatte ... In Java ! sprach Terschka leise und sein sonst schon immer wachsbleicher , fast gelblicher Teint nahm eine eigenthümliche Färbung an ... Er verlor in dem Grade seine gewohnte Elasticität , daß er jetzt ganz als der Vierzigjährige erkannt werden konnte , der er war , während sonst der viel jugendlichere Benno fast älter aussah , als er ... Er rühmte sich mancher geheimen Jägerkunst und manchem galt er für einen Freischützen ! fuhr Onkel Levinus fort ... Aber sein Lebenswandel war achtbar und stimmte wenig mit dem Ton , der damals auf Schloß Neuhof herrschte , wo ihn der Kronsyndikus anfangs zum Revierförster machte ... Es gab einst eine wilde Zeit auf dem Schlosse da , das wir heute so still und gespenstisch sahen ! ... Freiherr von Wittekind war durch die Verführungen des damaligen kasselschen Hofes in ein Leben der tollsten Liebeshändel gerathen . Immer hab ' ich gefunden , daß Männer bei einer solchen Lebensweise zuletzt von ihrer Sinnenglut förmlich unterjocht werden . Jeder Gedanke verwandelt sich ihnen in Unlauterkeit , jeder Blick auf ein Weib in Begehrlichkeit , jede Voraussetzung über die Tugend des Menschen in den frechsten Glauben an schlechte Möglichkeiten . Damals war auf dem Schlosse eine Person allmächtig , ein Frauenzimmer zweideutiger Herkunft - eine gewisse - Benno befreite den Onkel von der Verlegenheit , ganz offen über eine ominöse Beziehung zur Dechanei zu sprechen ... Legen Sie sich keinen Zwang an ! sagte er . Frau von Buschbeck hat für die Dechanei nie existirt ... Höchstens , daß jetzt ihre Schwester mit dem alten Windhack ihr Privaterstaunen austauscht , wie das hübsche Vermögen der Ermordeten , doch an zwanzigtausend Thaler , an den Bruder Hubertus testirt wurde . Die Stifter und Kirchen sind betrogen worden ! Hammaker ' s Vertraulichkeit mit der Alten beruhte auf den Codicillen , die er möglich zu machen wußte , um die durch Nück und unter Zeugenassistenz