jetzt sogleich hinauf zu gehen , er werde die ganze saubere Gesellschaft noch beisammen finden und es werde ihm nicht schwer werden , von denselben das Geständniß wiederholt zu erhalten . Damit hielt der Wagen vor dem bekannten Hause und als Arthur , der mit klopfendem Herzen den Worten Theresens gelauscht , nun die dunkle Thüre mit den ausgetretenen Stufen vor sich sah , über die er so oft voll Freude und Glück auf- und abgestiegen war , die er darauf tief betrübt so lange vermieden , für ihn eine Ewigkeit , obgleich er das Haus selbst vermittelst der umliegenden Straßen unaufhörlich umkreist , sowohl bei Tag als bei Nacht , als er nun wieder davor stand , glaubend an die Worte der Tänzerin , da schwand aller Groll , aller Argwohn aus seinem Herzen , eine unendliche Liebe für Clara erfüllte es mehr als vordem , und nach herzlichem Dank und Gruß gegen Therese sprang er in den dunklen Hausflur hinein . Die schöne Tänzerin blickte ihm ein paar Sekunden nach , dann fuhr sie mit der Hand über die Augen und sprach zu sich selber : » Das ist mein schönstes Hochzeitsgeschenk . Ach ! die Versöhnung da oben muß entzückend sein . Wie glücklich werden sich diese Beiden fühlen , zu einander hingezogen , innig verbunden durch gleiche herzliche Liebe . « Hierauf legte sie sich seufzend und nachsinnend in die Ecke des Wagens , doch hatte sie vorher an die Scheiben geklopft und dem Herrn Berger gesagt : » So , nun kannst du wieder herein kommen . « Arthur gelangte übrigens nicht so schnell in den oberen Stock ; je höher er stieg , desto mehr Gedanken häuften sich auf sein Herz und hingen sich schwer an seine Schritte . Er gedachte jenes Abends , wo er an des Grafen Stelle das junge Mädchen empfangen , er bemühte sich , die Figur derselben auf ' s Genauste in seiner Phantasie festzustellen , und nachdem er das zum ersten Mal seit jenem Vorfalle ruhig gethan , begriff er selbst nicht mehr , daß er Jene mit Clara habe verwechseln können . Dann dachte er auch eifrig darüber nach , wo er sie nach jenem Abende wieder gesehen und ob er da wohl eine Spur von Befangenheit , irgend etwas Verlegenes in ihrem Betragen gegen ihn bemerkt . Ach ! er erinnerte sich jetzt genau , daß sie ihm den andern Tag mit offener Stirn und ehrlichem Blick wie immer entgegen gesprungen war , daß sie ihm freudig beide Hände dargereicht und daß sie darauf schüchtern wie immer und halb erröthend seinen etwas stürmischen Kuß geduldet . - Ach ! und diese süßen Küße , er hatte sie so lange entbehren müssen , er hatte so lange nicht mehr in ihr gutes , liebes Auge geblickt ! Jetzt kam ihm sein ganzer Argwohn wie ein Wahnsinn vor , jetzt konnte er es nicht begreifen , warum er nicht gleich offen und ehrlich mit Clara gesprochen , ihr seine Unterredung mit dem Grafen Fohrbach mitgetheilt und ihr gesagt : wie kann das zusammenhängen ? Noch viel weniger aber begriff er , daß er nicht gleich nach jenem schrecklichen Tage , wo er sie zum letzten Mal an der Leiche der unglücklichen Marie gesehen , zu der Wundel geeilt war , die ihm von Madame Becker als Unterhändlerin genannt worden war . Kopfschüttelnd und unzufrieden mit sich selbst stieg er die Stufen hinauf . - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - Clara hatte sich wieder an ihre Arbeit niedergesetzt , sobald Therese vorhin das Zimmer verlassen . Doch wollte ihr dieselbe nicht mehr so von der Hand gehen wie vor der Unterredung . Sie war in den letzten Tagen ruhiger geworden , sie hatte die Erinnerung an jene schreckliche Stunde gewaltsam zurückgedrängt , und diese trat nun zugleich mit dem stärkeren Klopfen ihres Herzens allmählig wieder lebendiger und schrecklicher vor sie hin . Warum hatte sie sich von jenem Augenblick überwältigen lassen , warum hatte sie , statt seinen Vorwürfen gegenüber zu schweigen , nicht ruhig eine Erklärung verlangt über das , was er ihre Treulosigkeit genannt ? - Sie wußte es selbst nicht . Es war vielleicht eine richtige Eingebung des Moments gewesen , es war ihr weiblicher Stolz , der sich im Gefühle gekränkter Unschuld dagegen empört hatte . Ach ! und wie hatte sie gelitten nach jener Unterredung ; wie war ihr die ganze Zukunft finster erschienen , wie alles Glück von ihr gewichen - und nirgends , nirgends ein Hoffnungsstrahl ! Jetzt - sie wußte selbst nicht warum - regte sich in ihrem Herzen ein Gefühl , als sei vielleicht noch nicht Alles verloren , als würde die Nacht in ihrem Gemüthe nicht ewig währen , als könne auch für sie noch ein neuer Tag anbrechen , nochmals die Sonne hell und glänzend aufsteigen . Herr Staiger , der vor sich seine Tochter in tiefen Träumereien sah , hatte die Feder wieder ergriffen und schrieb langsam fort , nicht ohne zuweilen einen Blick auf Clara zu werfen . Die Kinder hatten während des Besuchs diesen aufmerksam betrachtet und Marie hatte zum großen Ergötzen des Bübchens den Gang und die Haltung der zukünftigen Madame Berger nachgeahmt , worauf sich Karl veranlaßt sah , die Rolle des Armenpflegers zu übernehmen . Er knöpfte sein Jäckchen bis unter das Kinn zu , holte sich des Vaters Hut aus der Ecke und schaute unverwandt in denselben hinein , wobei er so steif als möglich auf und ab ging . Dann nahm er einen kleinen Fußschemel , trug ihn zwischen Vater und Clara an den Tisch und setzte sich selbst darauf , wobei er die Haltung des Herrn Berger auf so komische Art karrikirte , daß der Vater , der zufällig aufblickte , laut und herzlich zu lachen anfing . Auch Clara , die hierdurch aus ihren Träumen aufgeschreckt wurde