was er damit meine . O , versetzte der Knabe , solche Antworten , bei denen man nicht weiß , was sie will , und über die man sich freut , auch ohne daß man sie versteht ! Aber da Du jetzt zu Hause bist , lieber Bruder , will ich Dir auch Alles sagen und Dich immer fragen . Der Freiherr , der es wohl bemerkte , wie stolz es den Knaben machte , einen fertigen Mann als seinen Bruder ansprechen und behandeln zu können , forderte ihn , von Valerio ' s Weise mehr und mehr gefesselt , freundlich auf , mit dem Sagen und Vertrauen nur gleich zu beginnen ; indeß Valerio weigerte sich dessen . Noch sei es nicht an der Zeit , noch sei es Winter ; aber im Frühlinge , wenn der Schnee geschmolzen und Alles wieder grün sei , dann werde er es ihm schon sagen . Er fing darauf , während Renatus sich säuberte und kleidete , von der Mutter , von der Gräfin und von Hildegard zu erzählen an : wie Hildegard ihn in die Stadt und in die Schule schicken wolle , wie er Hildegard nicht leiden könne , wie Cäcilie weit besser , aber weit besser sei , und wie auch die Mutter Cäcilien viel lieber habe . Renatus ließ ihn immerfort gewähren , aber er konnte sich aus dem planlosen Geplauder des Knaben doch bald überzeugen , daß derselbe durch das beständige Zusammensein mit Erwachsenen eine bedenkliche Frühreife erlangt und daß man ihm weit mehr als wünschenswerth den Zaum und Zügel habe schießen lassen . Auf des Bruders Frage , was Valerio denn lerne , was er treibe , entgegnete dieser , der Pfarrer käme Tag um Tag , ihm Unterricht zu geben , und an den anderen Tagen lerne er mit der Mutter und mit Cäcilie Italienisch und Französisch . Hätten die keine Zeit , so zeichne er oder er spiele Klavier . Als Renatus sich erkundigte , wer ihn darin unterweise , sagte er sehr bestimmt , darin unterweise ihn Niemand , das könne er von selbst ; und er hatte denn auch gleich , ohne um Erlaubniß zu fragen , aus des Freiherrn Taschenbuch den Bleistift herausgenommen und auf den Rand eines der Papiere , die zur Einwicklung von des Freiherrn Besteck gedient hatten , eine Menge von kleinen Figuren in den wunderlichsten Stellungen und Sprüngen , oft nur mit wenig Strichen , aber mit so vollkommener Sicherheit hingeworfen , daß Renatus sich des Erstaunens und des Lachens nicht erwehren konnte . Sein Wohlgefallen an Valerio ward immer größer . Er meinte , nie eine so reine Freude genossen zu haben , als die Liebe für diesen Knaben sie ihm bereitete , und er begriff seinen Oheim nicht , der mit solcher Wärme und Anerkennung von Hildegard sprechen und dieses schönen , lebensvollen Knaben kaum Erwähnung , und zwar mit Abneigung hatte Erwähnung thun können . Zweites Capitel Renatus war während der Feldzüge viel umhergeworfen worden . Er hatte gelernt , sich in den verschiedensten Verhältnissen schnell zurechtzufinden und auf verschlungenen Wegen seines Pfades nicht zu fehlen ; aber eine so absonderliche Wirthschaft , wie die in seinem Schlosse , war ihm nirgend vorgekommen , und es war ihm leichter , überall leichter gewesen , sich durch fremde Verkehrtheiten durchzuschlagen , als im eigenen Hause und in der eigenen Familie Ordnung zu schaffen , besonders für ihn , der Ruhe und Frieden herstellen sollte , während er keinen anderen Gedanken hegte , als das einzige , in der allgemeinen Uneinigkeit anscheinend fest bestehende Verhältniß , seine Verlobung mit Hildegard , so bald als möglich aufzulösen . Er kannte das Schloß kaum wieder , er konnte in seinem Vaterhause nicht heimisch werden , und nur allmählich vermochte er es einzusehen , wie man zu einer so grillenhaften Benutzung der verschiedenen Räumlichkeiten gelangt war und weßhalb man sich in einer so unbequemen und unzweckmäßigen Weise eingerichtet hatte . Allerdings hatte Hildegard ihm davon geschrieben , aber die Ungehörigkeit dieser Lebensweise stellte sich in der Wirklichkeit noch ganz anders als auf dem Papiere dar , und der Eindruck , welchen Renatus davon empfing , war ein sehr verdrießlicher . Vittoria hatte gleich nach dem Tode ihres greisen Gatten die Zimmerreihe verlassen , die sie mit ihm getheilt und die der verstorbene Freiherr auch mit seiner ersten Frau bewohnt hatte . Was sie dazu bestimmt hatte , darüber sprach sie sich nicht aus , aber Renatus konnte es sich denken ; und als er dann eines Tages , neben ihr am Fenster stehend , in einer der Scheiben den Namen des Mannes eingeschnitten fand , dessen Brief an Vittoria er vernichtet hatte , blieb ihm kein Zweifel über die Beweggründe , durch welche seine Stiefmutter eben zu der Wahl dieser im Erdgeschosse gelegenen Räume veranlaßt worden war . Da man diese Wohnung seit einem halben Jahrhunderte wenig benutzt und während der Feldzüge die jüngeren Offiziere in dieselben einquartiert hatte , waren die altfränkischen Möbel , die Tapeten , die Vorhänge in denselben sehr arg mitgenommen . Für dergleichen fehlte jedoch der Baronin das Auge ganz und gar . Was sie an diese Räume fesselte , war völlig unabhängig von dem Zustande , in dem sie sich befanden . Ihr genügten sie . Sie schätzte es daneben , daß sie zu ebener Erde lagen , daß sie nicht nöthig hatte , eine Treppe zu steigen , wenn sie während der schönen Jahreszeit sich im Freien aufzuhalten wünschte , und für den Winter hatte sie sich auch nach ihren eigenthümlichen Bedürfnissen eingerichtet . Das schöne , große Bett aus ihrem Schlafgemache , einige Ruhesessel , ein Polsterlager , das sie sich bald nach ihrer Verheirathung hatte machen lassen , ihr Flügel und ihre Musikalienschränke waren in das große Gemach hinuntergebracht , in welchem Tag und Nacht die Feuer in den beiden Kaminen nicht erlöschen durften , weil es Vittoria nie verließ , wenn sie nicht zu einem Besuche in die Nachbarschaft