Zimmer ... Die weißen Fenstervorhänge waren niedergelassen ... die Gardinen waren zugezogen ... das Feuer in einem hohen Kamin prasselte ... es war eine Stätte des Friedens ... Onkel Levinus schritt , umschlungen von Paula und Armgart , wie ein von langen Reisen Zurückgekehrter daher ... Es war ein untersetzter , stämmig gebauter Herr ... In seinem Lächeln lag sogar etwas List , jene List , die der Ausdruck des Geistes ist , den dieser immer dann hat , wo er sich waffen- und harmlos gibt . Der Junggesell zeigte sich in der chevaleresken Begrüßung der Tante , die ihm auch ihrerseits ganz holdseligst entgegenkam und jetzt nicht das Mindeste verrieth von ihren gewohnten Misbilligungen z.B. seiner Methode , die Merinoschafe aus Spanien einzuführen , seines Bohrens auf Steinkohlenlager , die sich nicht fanden , seiner Gestütsveredelungsversuche und ähnlicher Dinge , die sie seit Jahren an dem phantastischen und kostspieligen Wirthschaftsführer controliren mußte ... Terschka fragte nach dem Postpacket , das sie mitgebracht hätten von Witoborn ... Armgart wurde sogleich von der Tante bedeutet , es aus dem Wagen zu holen ... Schon sprangen drei Männer zu gleicher Zeit , den Auftrag ihr abzunehmen ... Thiebold nicht am sichersten ... ... Benno schon in beschleunigterer Hast ... Terschka der Flinkste ... Armgart hielt indeß alle zurück , bat , sich zu ruhen , und ging allein ... Benno , von einer der Tante an ihm ganz ungewohnten Eleganz , wie ein Hochzeiter , zog die Handschuhe aus und strich sich vor innerer Erregung den schwarzen Bart und sein lockiges Haar ... Und der Onkel erzählte schon : Bonaventura ' s Mutter war auf dem Schlosse noch nicht anwesend , aber das große Déjeûner dinatoire , das man zur Stärkung bei den weiten Distanzen der Wohnorte aller Geladenen mit voller Genugthuung antreffen durfte , war höchst kostbar gewesen ... Man hatte das Mahl im Stehen eingenommen ... um ein Uhr brach endlich der Zug auf ... Die Segnungen hatte dann dem Sarge der Geistliche des Sprengels gegeben , in dem das Schloß liegt ... Dann hatten die Mönche den Sarg in Empfang genommen , an der Spitze der neue Provinzial , Pater Maurus , Nachfolger des verstorbenen Henricus ... Die Beisetzung im Kloster selbst war ohne Feierlichkeit erfolgt ... Bonaventura hatte dabei etwas zu sprechen keine Veranlassung ... Im Kloster Himmelpfort hatten sich alle Eingeladenen und nur aus Rücksicht um die Dorstes Gekommenen getrennt ... Bonaventura war noch mit einem der Wagen des Präsidenten zurückgeblieben , um im Kloster den Pater Sebastus zu besuchen ... Dann hatte er wieder nach Schloß Neuhof umkehren und erst morgen im Kreise von Westerhof erscheinen wollen ... Paula hörte diesen Mittheilungen mit Aufmerksamkeit und Ergebung zu ... Benno ergänzte : Besonders geistlich sind die Gedanken der Leidtragenden nicht gewesen ! ... Der Landrath machte curiose Späße ... Ja , sagte der Onkel , Späße , die für eine Kindtaufe gepaßt hätten ! ... Niemand ging jedoch besonders darauf ein ... Die Verabredung zur Jagd ist zu Stande gekommen ? fiel Thiebold zerstreut ein ... Graf Hovden , die Hakes , Graf Münnich und andere beauftragten uns , mit der gräflichen Jägerei Rücksprache zu nehmen , sagte Terschka , und die Leute meinen , daß gerade heute Abend noch im Finkenhof das Jagdpersonal versammelt sein würde ... Herr von Asselyn schlug vor , heute Abend den Umweg über den Finkenhof zu machen ... Ich begleite ihn und so bringen wir alles in Ordnung ! Gut ! Gut ! sagte der Onkel und deutete die Autorität an , die vorzugsweise Terschka hier gebührte . Der Weg ist ja nicht weit ... Die Tante war inzwischen wieder ungeduldig geworden über Armgart , die erklärt hatte , die Post allein besorgen zu können , und nun nicht wiederkam ... Sie schien auch schon zu bemerken , daß die Männer in der That etwas im Rückhalt hatten ... Terschka sprach mit Paula und war die Artigkeit und Rücksicht selbst ... Die zurückgekommenen Diener , die in ihrer etwas altfränkischen Staatslivree , Grün mit Gold , geblieben waren , arrangirten den Thee ... Die Herren setzten sich ... Wie still , begann der Onkel mit einer wohltönenden , aber nur leisen und , wie dem Forscher ziemt , nur prüfenden Stimme ... wie still kann nun so ein wildes Menschenkind werden ! Wie lange hat doch dieser Mann in der Welt rumort ! Es ist dein Onkel , Paula ! Aber der hat die Spanne Zeit , die ihm der Schöpfer gemessen , benutzt wie sein unveräußerliches Eigenthum ! Ein schauerlicher Augenblick , als wir in dem dunkeln , schneeverschütteten Grunde an dem hohlen , blitzzerschlagenen Eichbaum vorüberkamen , wo einst der Deichgraf Klingsohr gefallen ! ... Ja , vorher schon ! ... Ich erstaunte , im Dickicht ein gewisses Kreuz wiederzufinden , das , solange der Kronsyndikus noch im Gebrauch seiner gesunden Sinne war , an jener Stelle nie stehen durfte ... Bruder Hubertus scheint es gewesen zu sein , der es wieder aufgerichtet hat ... Er ist von seiner Reise zurück ... Terschka , immer die Thür fixirend , durch die Armgart zurückkehren mußte , und eine Tasse Thee entgegennehmend , sagte : Ich bin nun fast ein halbes Jahr in der Gegend , hörte soviel vom Bruder Hubertus und sah ihn heute zum ersten mal ... Er ist erst jetzt von Wanderungen heimgekehrt , die ihn bald in dieses , bald in jenes Kloster seines Ordens , oft bis in die Schweiz hineinführen , erwiderte Onkel Levinus . Gleich beim Anblick des Kreuzes , vor der Störung an der Eiche , dachte ich mir : Jetzt muß wol der Knochenmann wieder dasein ! Welche Störung ? fragte schon vor dem » Knochenmann « die Tante und sah Thiebold an , der seinerseits zu der vom herabfallenden Lampenschimmer wie verklärten und nur auf die Erwähnung Bonaventura ' s harrenden Paula mit gedankenverlorener Andacht blickte ... Ja ! fuhr der Onkel fort , das war , um es nur zu