stand starr und hielt krampfhaft den Vorhang in ihren Händen fest ... Thiebold ging im Dunkeln mit wiederholtem : Wer ist hier ? um die Hinterwand des Hochaltars herum ... Stoßen Sie sich nicht ! rief Armgart mit elegischem Schmelz . Dort steht Schrank an Schrank ... Es waren die Schränke zur Aufbewahrung der Opfergeräthschaften und Meßgewänder ... Thiebold kam auf der andern Seite Armgart entgegen und versicherte , nichts gesehen zu haben ... Er ging dann noch einmal zurück . Armgart folgte sogar ... An einer Thür , die zum Archiv führte , rüttelten beide ... sie war verschlossen ... An den Schränken rüttelten sie ... alles war unversehrt ... Wie beide auf der andern Seite wieder herauskamen und Thiebold das Erstaunen über Armgart ' s Erklärung und ihre den beiden Freunden nun schon während ihrer ganzen Anwesenheit in der Gegend bewiesene Kälte in feierlichstem Ernste wieder aufnehmen wollte , Armgart sich ihm entzog und fast entfloh , wurde die Aufmerksamkeit auf ein anderes Geräusch gelenkt , das sich leichter erklären ließ ... Peitschen knallten , Schellenbehänge von Rossen klingelten , alle Hunde des Schlosses bellten ... Sie kommen von Neuhof zurück ! rief Armgart wie erlöst ... Jetzt hätte Thiebold viel darum gegeben , wenn die Rückkunft des Onkels und Terschka ' s sich noch um eine Viertelstunde verzögert hätte ... Sich selbst gab er auf , nur in der That die Liebe zu seinem Freunde hieß ihn noch reden ... Er hatte schneidende Vorwürfe , bittere Vermuthungen auf seinen Lippen ... Im ganzen Schlosse wurde es mehr und mehr lebendig ... ... Kommen Sie ! rief Armgart . Sie sind ' s ! Damit drängte sie zur Thür ... Die Rückkehrenden waren es in der That , und Thiebold hatte sogar eine Ahnung , Benno und Bonaventura würden mitkommen ; ersterer vielleicht um ihn abzuholen und auf seinem Heimgang nach Witoborn zu begleiten ... Er konnte Armgart nicht zurückhalten , nicht um Aufklärung bitten , keines seiner aufgeregten Gefühle weiter aussprechen ... Schon gingen im Schlosse an allen Flanken die Klingelzüge ... Man hörte das Anfahren der großen vierspännigen Kutsche , des Staatswagens der Dorstes , und einer zweispännigen kleinern , die für Terschka und Benno bestimmt gewesen war ... Thiebold , mit äußerstem Schmerz das Verschwinden einer schönen Lebenshoffnung wie für ewig fürchtend , hätte wenigstens nur noch Armgart ' s Hand ergreifen mögen und er that dies auch und hielt sie fest und bat und flehte um Aufklärung ... Lassen Sie ! sagte Armgart . Das Wort war fast verletzend , vornehm sogar . Sie war plötzlich wie gereift zur Jungfrau ... Aus allen seinen Himmeln gestürzt , von Armgart ' s Kälte wie mit Eisesluft angeweht , folgte Thiebold mit langsamem Schritt ... Im Hofe - da war es lebendig ... Die Hunde sprangen und rissen an den Ketten , an die sie zur Nacht gelegt wurden ... Laternen wurden emporgehalten ... Hin und her rannten die mitgekommenen Diener ... Mit Lichtern kam der Diener , der bei Tisch servirt hatte , von der Stiege herunter und rief nach dem neuen Hausknecht , den niemand bemerken konnte ... Vorm Portal hielten die Wagen . Schon standen in der großen Eingangsflur , sich aus ihren Pelzen herauswickelnd , in schwarzen Fracks und weißen Halsbinden und Trauerhandschuhen der Onkel Levinus von Hülleshoven , Baron Wenzel von Terschka und in der That auch Benno ... Bonaventura fehlte ... Es ließ sich annehmen , daß er im Trauerhause bei seinem Stiefvater zurückgeblieben war . 5. Armgart lag , als müßte sie irgendwo ihr sie überwältigendes Gefühl aufs mächtigste ausströmen , im Arm des Onkels ... Sie küßte ihm den Reif von seinem großen graublonden Bart , in dem sich ein Antlitz verbarg - vergleichen wir ' s nur geradezu mit einem menschlich gemodelten Thierkopf ; denn gibt es gutmüthigere Augen als die des Pferdes oder eines treuen Hundes ? Stirn , Backenknochen , Nase ( mehr konnte man vor dem Barte nicht sehen ) waren hart und massiv , aber die wasserblauen Augen , ohnehin von der Fahrt und der Kälte feucht , glänzten so scheu , so gut , so treuherzig , wie - rügt den Vergleich ! - die Augen der großen Bulldoggen an den Ketten im Hof . Armgart umschlang ihn mit einer Innigkeit , als sollte alles , was durch das Gespräch in der Kapelle sich in ihrer Brust vom Gefühl einer mit Gewalt abgelehnten Liebe gesammelt hatte , doch jetzt Einem zugute kommen ... Benno grüßte einfach und schüttelte dem gewissensscheuen , im Laternenschimmer vollends geisterbleichen Thiebold die Hand ... Terschka war schon unterwegs , die Tante zu begrüßen , die allen auf halber Treppe entgegenkam , während sich oben auf dem Corridor auch Paula sehen ließ , vor der schon einer der mitgekommenen Diener mit einem silbernen Leuchter von mehreren Flammen stand und ihre zu allen Zeiten feierliche Erscheinung würdevoll beleuchtete . Gesund und wohl ? konnte man freudigst und ungehindert fragen ... Alles glücklich abgelaufen ? fragte man schon weniger ungehindert ... Denn in Gegenwart Paula ' s mochte man nicht verrathen , daß sie eine Störung des Leichenbegängnisses im Düsternbrook gesehen hätte - darüber war keinem von den Zurückgebliebenen ein Zweifel , daß wirklich dort etwas vorgefallen sein mußte ... Oben im Vorsaal ließen die Männer ihre schweren Bekleidungen und fanden , links sogleich durch das Eßzimmer schreitend , in einem heute noch gar nicht geöffnet gewesenen , inzwischen geheizten gemeinschaftlichen großen Wohnsaale im linken Thurm die Zurüstungen zum Thee . Das war denn ein traulicher Raum . Ein großer runder Tisch , höchst kunstvoll ausgelegt , war nur in der Mitte mit einer kleinen Damastdecke belegt ... Auf diesem stand schon die siedende Theemaschine ... Nähtische waren dicht noch an diesen Tisch gerückt mit weiblichen Handarbeiten ... Eine große , mit einem Blechschirm bedeckte Ampel mit mehreren Flammen , die mit metallenen Ringen an der Decke befestigt war , beleuchtete das ganze , rings mit Gemälden geschmückte , teppichbelegte