Palast und wir müssen den Kaiser augenblicklich wecken . Noch zögerte ich , - aber ich kannte die Stimme des Generals und das Feuer konnte möglich sein und mein Herr verbrennen durch meine Schuld . Der Teufel verblendete mich - ich drehte den Schlüssel und zog den Riegel . Die da eintraten , waren der General und der Fürst Valerian Zuboff , der Begleiter des Großfürsten Alexander . Sie eilten in das Gemach des Kaisers und ich hörte alsbald den Herrn heftig reden . Plötzlich ertönte seine Stimme laut und kräftig : Ich unterzeichne nicht ! Fluch Euch ! Ihr seid Verräther ! Da fuhr es mir wie ein Stich durch ' s Herz , daß ich seine Feinde zu ihm gelassen hätte und ich faßte den Griff meines Säbels fest , um für ihn zu sterben . In dem Augenblicke kam der Fürst wieder heraus und eilte durch die Vorzimmerthür davon - ich hörte jetzt wieder ruhig sprechen und wartete . Plötzlich rief der Czar : Niemals ! fort mit Dir ! und der General stürzte mit blankem Säbel durch das Gemach , der Czar aber stand halb bekleidet auf der Schwelle seines Schlafzimmers und sagte : Schmach über Dich , Iwan , daß Du die Verräther zu mir ließest ! Ich warf mich zu seinen Füßen , denn ich war schuldlos . Da wurde die Thür aufgerissen und herein stürzten die drei Brüder Zuboff mit dem Deutschen , die Generäle Talizin und Tartarinoff und viele Offiziere und wollten in das Gemach des Czaren dringen , der bei ihrem Anblick zurückgeflohen war . Aber ich warf mich vor die Thür und rief ihnen Zurück ! zu und wehrte mit meinen Händen den Frevlern , denn meine Waffe hatte ich am Boden gelassen , als ich vor dem Herrn kniete . Sie wollten mich fortziehen , aber ich klammerte mich fest an sie und rief mit lauter Stimme : Verrath ! Rettet den Czaren ! Ihre Säbel und Degen blitzten , ich sah ihre blutigen Augen und hörte ihre drohenden Worte und dann traf ein furchtbarer Hieb meinen Schädel und schnitt quer über Auge und Gesicht , daß das warme Blut hervorspritzte aus hundert Quellen und ich zu Boden stürzte . Wie im Traum hörte ich ein Getümmel um mich her , dann die Stimme des Czaren - zum letzten Mal ! - einen wilden Fluch - Gott und die Heiligen mögen ihn vergeben , und dann wurde es finster um mich und ich verlor das Bewußtsein . Die Russen hatten ihren Vater ermordet ! Zwei Mal hintereinander schlug die Mörderfaust an den Thron Rurik ' s und zwei Mal lastete Fluch auf dem heiligen Rußland ! « Der Greis schwieg und murmelte leise ein Gebet , auch die Andern thaten es . Dann erzählte er weiter : » Seit der Schreckensthat liegt Blut auf Rußland , bis die Söhne , so da lebten , um sich auf den blutigen Thron zu setzen , neben ihm ruhen in der Kaisergruft von Alexander-Newskoi , und kein Blut mehr klebt an der Krone Dessen , der sie trägt . Von der Zeit an , da ich die Mörder zu meinem Herrn gelassen und ihr Säbel diesen Schädel spaltete , wohnt ein zweiter Geist in diesem Körper , über den ich nicht Herr werden kann . Ich konnte nicht sterben für den Czaren , den meine Unvorsichtigkeit in die Hände seiner Mörder geliefert . Als ich erwachte , lag ich in einer Klosterzelle , wohin mitleidige Kameraden mich gebracht . Ehrwürdige Mönche pflegten mich , und als ich genaß , saß längst der neue Czar auf dem Thron seines Vaters . Zum Glück für mich achtete Niemand auf den armen erschlagenen Kosacken und mein Mund blieb verschlossen über die Schrecken der blutigen Nacht . Aber mein Leben schuldete ich dem todten Czaren , und wenn der Neumond kam und sein bleiches Licht auf mein wundes Gehirn brannte , da wurde es lebendig um mich von blutigen Gestalten , und ich ras ' te in der Schlacht , oder in der Steppe auf wildem Roß , und sie nannten mich Iwan , den Steppenteufel , weil mein Antlitz gezeichnet war , wie das eines Teufels . Ich schlug die Schlachten des heiligen Rußland ' s alle , aber keine brachte mir den Tod , den ich dem todten Czaren schuldete . Ich sah das erste Mal das Gericht heraufziehen über das Land und die Feinde ihre Rosse tummeln auf seinen Fluren ! Die Hand Gottes schlug sie , denn die Hand des Herrn verläßt Rußland nicht , selbst in seiner Erniedrigung . Drei der Söhne des Czaren liegen in der Kaisergruft und der vierte hält mit mächtiger Hand die Krone auf seinem Haupte . Er war ein Knabe zwar , als die Blutthat geschah und schuldlos daran ; aber er ist von seinem Saamen , und zum zweiten Male seh ' ich die Wetterwolken dräuen über den Söhnen des Gemordeten . « Der Aelteste der Enkel , Boris , unterbrach die kurze Pause . » Erzähle uns , Djeduschka1 , was aus den Mördern wurde , die Hand gelegt an den gesalbten Leib des Czaren . « » Das Gericht des Herrn wandelt sichtbar auf Erden . Der Erbe des Thrones wandte sein Angesicht von ihnen , nachdem die blutigen Hände ihn mit der Krone geschmückt . Die Einen starben in der Verbannung , die Andern fern an den Gränzen des Reiches unter den Schwertern der Feinde und dem schwarzen Odem der Seuche , Alle von den Menschen verachtet , von Gott verflucht . « » Und der Mann , der Dich verwundet , als Du den Czaren vertheidigtest ? « fragte Olis . » Er ist der Einzige , den Gott übrig gelassen hat , auf daß ich sein Gericht an ihm vollziehe . Wie ich für meine Sünden als schlechter Wächter meines Dienstes , ist er von dem Herrn durch den Degen des gemordeten Czaren gezeichnet worden für ' s Leben .