unangenehmen Gesprächsgegenstand zu unterbrechen , legte Madame Wundel ihren Mund in recht süße Falten und fragte , ob sie nicht die Ehre haben könne , dem Herrn Armenpfleger oder Fräulein Therese mit einer Tasse Chokolade aufzuwarten ? Herr Berger verneinte das eifrigst , Therese aber nahm es an . Und sie hatte ihre guten Gründe dafür . Hatte sie dann doch ein paar Augenblicke , in denen sie nicht zu sprechen , nur zu hören brauchte ; und sie bedurfte einige Zeit zum Nachdenken . Louise hatte eine Tasse geholt , sie vor Therese hingestellt und dabei nicht ermangelt , ihr eigens zu gratuliren , was sie vorhin im allgemeinen Chorus unterlassen . Dazu sagte sie : » Es wird Clara gewiß gefreut haben , Sie so bei sich zu sehen , denn Clara ist gut und nimmt den innigsten Antheil daran , wenn es ihren Bekannten wohl geht . « Madame Wundel unterließ nicht , ihrer Tochter einen mißbilligenden Blick dafür zuzusenden , daß sie ihre Nachbarin wieder erwähnte , doch kehrte sich diese nicht im Geringsten daran , vielmehr fuhr sie fort : » Es ist wahr , Fräulein Clara hat in den letzten Tagen Unangenehmes gehabt ; ich weiß nicht , ob sie Ihnen davon sagte . « » O ja , sie sprach mir davon , « entgegnete Therese . » Ich glaube , es betraf einen Vorfall im Hause der Madame Becker dort , an dem Tage , wo Marie begraben wurde . Wie war doch die Geschichte ? « » Wie wird das gewesen sein ! « erwiderte nach einigem Zögern die Becker , wobei sie verlegen die Achseln zuckte . » Ich weiß es selbst nicht mehr genau , es betraf einen jungen Herrn . « » Herrn Arthur Erichsen , « versetzte Therese . » Er hat , so viel ich weiß , ein kleines Verhältniß mit Clara und beschuldigte nun das arme Mädchen - gerade in Ihrem Hause - einer Untreue , glaube ich , die sie gegen ihn begangen . « Madame Becker hatte ihren Arm auf den Tisch gestützt , vorher aber einen starken Zug aus dem Punschglase gethan , dann blinzelte sie mit ihren etwas röthlich unterlaufenen Augen und meinte : » Nun ja , es muß etwas derart gewesen sein ; wild genug hat er sich angestellt , und wenn er mit mir so hart gesprochen hätte , würde ich ihm anders die Wege gezeigt haben - so einem Naseweis . « » Uebermüthig ist er schon , « versetzte die schlaue Tänzerin . » Was wird ' s gewesen sein ! Eine Eifersüchtelei ! Hat sich vielleicht die Clara sonstwo ein wenig den Hof machen lassen ? « » Versteht sich ! « rief die Becker erzürnt und klopfte auf den Tisch . » Da kommt so ein junger Mensch her , spricht was von guten Absichten und meint nun , dann dürfe ein anderer rechtschaffener Cavalier so ein Mädchen gar nicht mehr ansehen . « » Aber Fräulein Clara läßt sich auch von sonst Niemand ansehen , « sagte ängstlich Madame Wundel , mit einem bedeutungsvollen Seitenblick auf ihre Tochter Emilie , welche die Zähne auf einander biß und die Becker giftig ansah . Diese trank ihr Glas vollends leer , schnalzte mit der Zunge und sprach : » Hat sich was zum Ansehen ! Daran stirbt man nicht und das schadet auch Niemand . Die Clara wäre eine rechte Gans , wenn sie sich von dem Maler da hofmeistern ließe . « » Aber sie thut es doch , « bemerkte erzürnt die Wundel . » Clara ist die Tugend selbst , und einer von den jungen vornehmen Herren würde schön ankommen , wenn er sich in ihre Nähe wagen wollte . « Bei diesen Worten stieß sie ihre Nachbarin heftig unter dem Tische mit dem Fuße an , doch hatte sich diese schon zu tief mit dem Punsche eingelassen , um diese Berührung für mehr als eine zufällige zu nehmen . » Und ich sage , die Clara hatte Recht , den Maler zu verabschieden , « rief sie mit schwerer Zunge . » Da ist der Herr Graf doch ein anderer Mann , und mich freut es , daß sie ihn erhört . « So schwer diese Worte auch die Tänzerin trafen , so verzog sich doch keine Miene ihres Gesichtes , ja sie trank lächelnd ihre Chokolade , nicht ohne einen Blick auf Emilie zu werfen , die ihre Hände zusammenballte und in höchster Wuth die alte Schwätzerin gegenüber mit weit aufgerissenen Augen anstarrte . » Aber was faselt Ihr für dummes Zeug ! « sagte Madame Wundel , die mühsam an sich hielt . » Wie könnt Ihr über meine Nachbarin , über Mamsell Clara , über die genaue Freundin unserer zukünftigen Frau Armenpflegerin so etwas aussagen ! Von was schwätzt Ihr denn eigentlich ? « Therese hatte ihre Tasse ruhig hingesetzt und warf dann leicht ein : » Wir wissen wohl , wovon Madame Becker spricht , von dem Verhältniß Clara ' s mit dem Grafen Fohrbach . « » Das ist ' s , « sprach die Becker mit lallender Zunge . » Und das ist ein schönes Verhältniß , ein dauerndes Verhältniß . O Wundel , Ihr solltet euch Eurer Arbeit nicht schämen ; Ihr habt doch große Mühe damit gehabt und die Sache geschickt angefangen . Ehre dem Ehre gebührt ! « » Daß Euch der - « sprach die würdige Wittwe und wollte hinzusetzen : Ihr betrunkenes Weibsbild ! - » Wie könnt Ihr so garstiges Zeug plappern ? Ich bin eine ruhige Wittfrau ; was hätte ich mit Euren Geschichten für Arbeit gehabt ! Was gehen uns Eure schmutzigen Verhältnisse an ! Nicht wahr , Emilie ? Was hätten wir für Euch geschafft ! « » Oho ! « rief die Becker und ihr Auge funkelte zornig , » seh ' mir Einer die würdige Wittfrau ! Jetzt nennt sie das schmutzige Verhältnisse ,