Gleichgültigkeit erschrak , mit der er , hier umherschauend , auf das Oeffnen seines Hauses wartete . Der Bursche , der das Thor aufmachte , kannte den Freiherrn nicht . Er war noch ein Knabe gewesen , als Renatus fortgegangen war . Aber der Stallknecht , der hervorkam , riß voll freudiger Bestürzung seine Mütze von dem Kopfe und rief , während er sich mit den Händen gegen die Lenden schlug , dem Schlitten nachlaufend : Der Herr ! Herr Jesus , unser junger , gnädiger Herr ist da ! der Herr ist da ! Der Ruf brachte im Hofe Alles schnell in Bewegung . Der Kutscher , ein Paar der andern Leute eilten nach der Rampe . Die Thüre des Schlosses ward rasch aufgemacht , es kamen ein Diener , einige Mägde zum Vorschein , man umringte Renatus , man küßte ihm die Hände , aber es waren lauter fremde Gesichter . Nicht Einer von den Leuten , die früher im Schlosse gewesen waren , fand sich unter den Begrüßenden , so daß es dem Schloßherrn endlich eine wirkliche Erquickung war , als Vittoria ' s italienische Kammerfrau , ihr rothseidenes Tuch wie sonst um das dicke , schwarze Haar geschlungen , aus einem der unteren Zimmer zum Vorschein kam . Wo ist die Signorina ? fragte Renatus lebhaft , und der bloße Klang dieses einen Wortes erwärmte ihm das Herz . Hier , Signor , hier ! Im Bette ! Sie schläft noch , aber sie wird glücklich sein über ein solches Erwecktwerden ! Kommen Sie , kommen Sie , Herr Baron ! Wie glücklich wird meine Signorina sein ! Die treue Seele ließ dem Freiherrn kaum die Zeit , sich seines Pelzes und seiner Reisestiefel zu entledigen ; dann ihn mit sich fortziehend , öffnete sie die Thüre von Vittoria ' s Gemach und meldete mit ihrer starken , lauten Stimme : Signora , liebe Herrin , unser Herr ist da ! Unser junger Herr , unser Herr Baron ! Das Feuer brannte hell im Kamine , Gaetana riß die Fensterläden auf , daß die emporkommende Sonne durch die gefrorenen Scheiben blendend hell hineinschien , und von dem grellen Lichte schnell erweckt , richtete Vittoria sich auf ihrem Lager rasch empor , sah den Eintretenden mit ihren mächtigen Augen voll Erstaunen an und rief dann , ihm ihre Arme entgegenbreitend : Renatus , lieber Renatus , mein Sohn , mein Freund ! Aber welche Freude , aber welch ein Glück ! Sie konnte sich nicht genug thun . Er hatte sich zu ihr niedergebeugt , sie nahm seinen Kopf zwischen ihre Hände und küßte ihn wieder und wieder . Wie Du schön geworden bist , wie groß , wie stark ! sagte sie Mal auf Mal , und wenn sie ihn von sich entfernt hatte , als könne sie ihn nun besser betrachten , so zog sie ihn wieder zu sich heran , um ihn auf ' s Neue zu umarmen . Plötzlich aber brachen ihre Thränen gewaltsam hervor , und die Augen verhüllend , sprach sie : Ich glaubte , ich sei alt , sehr alt ! Aber nur ein Bißchen Hoffnung , nur ein Sonnenstrahl des Glückes , und das Leben und die Jugend sind wieder da ! - O , ich bin jung wie Du , seit ich Dich wiedersehe ! Ehe er es hindern konnte , hatte sie in der Freude seines Herzens seine Hand ergriffen und an ihre Lippen gedrückt . Ihre Warmherzigkeit , die Rückhaltlosigkeit , mit welcher sie sich an ihre Empfindung hingab , bezauberten Renatus , und wie ihr in der lebhaften Bewegung das seidene Tuch vom Haupte glitt , daß die Fülle ihres schwarzen Haares sie und ihr volles , marmorfarbiges Gesicht umfloß , übte auch ihre Schönheit den alten , lieben Reiz auf ihren Stiefsohn aus . Sie fragte nach seinem Ergehen , aber sie fragte , wie es die Weise ihres phantastischen Sinnes war , bald nach Diesem , bald nach Jenem . Er sollte erzählen , und doch war sie es , die ihm erzählte , wie traurig , wie verlassen sie hier im Schlosse lebe , wie schön Valerio geworden sei , wie sie es hier gar nicht ertragen haben würde , hätte sie Valerio und Cäcilie nicht gehabt , hätte sie sich nicht damit getröstet , daß Renatus wiederkommen und seiner armen , kleinen Mutter das Leben wieder leicht und lieblich machen werde . Nur des Freiherrn , ihres verstorbenen Gatten , erwähnte sie mit keinem Worte , und Renatus mochte ihre Freude durch keine schmerzliche Erinnerung stören . Es fiel ihr gar nicht ein , daß Jemand , der von einer Reise kommt , ein Verlangen nach Nahrung oder den Wunsch hegen könne , sich umzukleiden . Sie dachte nicht daran , daß er von der mehrtägigen Fahrt ermüdet sein müsse ; selbst daß sie aufstehen und sich ankleiden lassen könne , kam ihr nicht in den Sinn . Sie war froh und glücklich , sie war immer noch die alte Vittoria , die im Augenblicke ihre Welt zu finden wußte , und wie sonst riß sie Renatus mit sich fort , daß er sich fröhlich und erquickt in ihrer Nähe fühlte . Mit einem Male jedoch erhob er sich von dem Sessel , auf welchem er vor Vittoria ' s Lager Platz genommen hatte , und sich selber scheltend , sprach er : Aber ich sitze hier bei Dir , Signorina , und ich muß zu meiner Braut , zu Hildegard ! Das ist wahr ! so geh ' , so eile ! Sie wird sich freuen , die gute Hildegard ! Aber sie ist immer unwohl , immer unwohl , die gute Hildegard ! entgegnete Vittoria . Auf seine Frage , was seiner Verlobten fehle , fügte die Baronin hinzu , Hildegard habe den Schnupfen , immer den Schnupfen , sie sei immer erkältet und leide , wie sie sage , an den Nerven . Sie behaupte , die Sehnsucht