von Herzen geliebt zu sein ... Ich weiß , es ist recht lieblos von mir ... aber es geht nun doch nicht ! Sie sollen mit ihm in den Wald ! Fränzchen schüttelte den Kopf . Sie bleiben ? Fränzchen nickte . Ah ! sagte Louis , dem sich die Brust doch erweiterte , dafür dank ' ich Ihnen ! Wenn Sie gingen , wüßt ' ich doch nicht , ob ich noch in Deutschland bliebe . Bedurft ' es mehr , um zu sagen : Franziska , hier schlägt dir ein Herz voll Liebe und ewiger Treue ? Aber theils des Nachbars Husten , theils die eigene Befangenheit und Unentschlossenheit Armand ' s hinderte , daß es trotz der zärtlichsten Wendung des Gesprächs zu einer förmlichen Erklärung kam . Louis hielt Fränzchen ' s Hand , küßte und drückte sie , sah ihr in ' s Auge voll Güte und wiedergewonnenen Vertrauens , aber einer stürmischen Leidenschaft war seine melancholische krankhafte moderne Volks-Philosophie nicht fähig . Fränzchen hatte so viel Verehrung vor ihrem Freunde , daß sie sich auch eine andere Annäherung an ihn als diese zarte und zurückhaltende vorläufig nicht möglich dachte . Er fascinirte sie , wie ein Zauberer ... Durch seine Huldigung hatte sie vorläufig nur so viel Muth gewonnen , daß sie jetzt sagte : Sie sollten mir und meiner Freundin Louise einen Gefallen thun ... Einen Gefallen ? Mit Freuden ! Nächsten Sonntag , plauderte Fränzchen , um zwei Uhr kommt Louise mit allen ihren Geschwistern und einem ungeschlachten , aber braven Menschen , der sie gern heirathen möchte , und holt mich ab , in ' s Wäldchen zu gehen . Wissen Sie , das ist eine Stunde von hier ! Man geht von der Landstraße ab , über Wiesen , dem Strome zu ... An dem das Schloß des Königs , Solitüde , liegt ? Richtig da ! Rechts ist die Solitüde und links am Flusse das Wäldchen . Im Grase lagern sich da die frohen Menschen , dürfen an eingemauerten kleinen Herden Feuer machen , scherzen , jagen sich , spielen im Grünen unter den alten Eichen , daß es eine Lust und Freude ist . Gehen Sie mit ? Louis nickte stumm ... Sie thun ' s nicht gern ! Es ist Ihnen nicht vornehm genug ! O meine gute Franchette ! sagte Louis . Aber Sie geben Ihr » Ja « so betrübt ... Ach , ich denke an mein Vaterland , ich denke an die kleinen Freuden , die die Armen auch in Lyon und Paris genießen . Wie hab ' ich diese Sonntage geliebt ! Die theure Schwester , die nun die Erde deckt , war die Königin dieser kleinen Feste ... Wenn es Sie aber traurig macht .... Nicht traurig ! Nicht um die Vergangenheit bin ich gerührt . Die ist begraben . Es bewegt mich , daß Ihr in diesem Lande gerade so denkt und fühlt wie wir ! Eine Kette ist es doch , die uns Alle umschließt in Nord und Süd . Ob Ihr nun in dumpfen Höhlen bei der Lampe arbeitet oder wir an den niedergelassenen großen Fensterladen unserer luftigen Häuser ... Ihr versammelt Euch am Tage der Ruhe zur Freude wie wir . Wir tanzen unter Nußbäumen ; Ihr vielleicht unter Eichen ; wir verwechseln im Verwechsel-Spiele Ahornbäume , Ihr vielleicht Tannen ; Ihr kränzt Euer Haupt mit Kornblumen , wir kränzen uns mit Weinlaub und wildwachsenden Blumen , die bei Euch nur in Treibhäusern gedeihen ; aber die Freude ist dieselbe , der Trost ist derselbe , die Pause ist dieselbe , wo sich die Arbeit erholt und in ihren Hoffnungen neuen Athem schöpft ... Ja , meine Freundin , ich werde kommen . Fränzchen war über diese dichterische und , wenn wir ironisch sein wollen , wie eine Einleitung zu Proudhon ' s socialer Lehre vom Eigenthum klingende Erklärung sehr glücklich . Sie glaubte nun aufstehen zu müssen . Louis drückte sie mit einer flüchtigen Bewegung seines linken Armes leise an die Brust . Sie widerstrebte nicht , sondern ließ die warme klopfende Fülle ihres Busens an seinem Herzen eine Weile ruhen und sah dabei verschämt zur Erde . Louis lehnte sie sanft zurück und sprach : Ich danke Ihnen , Françoise , für das Vertrauen , das Sie mir schenkten und daß ich Sie nun wieder wie sonst verehren kann - ach ! unterbrach er sich selbst , Sie zu lieben , hatt ' ich nie aufgehört ! Am Sonntag also im Wäldchen ! Fränzchen dankte ihm mit einem glänzenden Blick ihrer Augen und stand schon an der Thür . War sie doch selig , daß endlich auch einmal das Wort Liebe gefallen war ! Und die Stunden in meiner Sprache nehmen Sie bei mir ! sagte er . Wenn es Sie erfreut ... antwortete sie ... Und der Sergeant ... Wissen Sie , Franziska , daß ich Mitleid mit ihm habe ? Wenn er uns in den Wald begleitete mit seiner Flöte ? Fränzchen schüttelte den Kopf ... Wir werden tanzen wollen ... Es wäre doch gut ... Wir singen , wenn wir tanzen wollen , und Violinen und Harfen hört man unter den Eichen genug ... Der arme Heinrich Sandrart ! bat Armand . Wie gut und tröstend ist es dem Krieger , sich unter seine Kameraden , die Bürger und Proletarier der Arbeit , mischen zu dürfen ! Sind diese Proletarier des Müssiggangs nicht unsere Brüder ? Lebt in ihrer Seele nicht etwas , was sie von dem schlechten Geiste des Trotzes gegen die übrige Gesellschaft , den die Offiziere nähren , abzieht und in unsere fröhlicheren Reihen zurückführen möchte ? Er wird nicht mitgehen wollen ... antwortete Fränzchen , die weder von der Flöte , noch von der socialen Stellung Heinrich Sandrart ' s irgendwie gerührt war und nur einen lästigen Liebhaber sah , den sie nicht mochte . Bieten Sie es ihm an , Franziska , wiederholte Louis . Fränzchen blieb aber bei