, eine andere als geflügelter Strickstrumpf ! er mußte sich losreißen ... Auch sein Hund und seine Katze mochten nicht wenig nach ihm kratzen und winseln ... Lassen Sie sich nur recht oft bei uns sehen ! sagte ihm die Tante schon wie zum Abschied . Geben Sie Ihr Vergrabensein auf , Herr Doctor ! Solange wir auf Schloß Westerhof noch hausen werden , sind Sie uns immer willkommen ! Adieu , Herr Doctor ! Grüßen Sie in Ihrem nächsten Brief - die - die gute - liebe - Angelika ... Die Tante wurde auch schon in ihrer Art somnambul und schlief schon halb . Laurenz Püttmeyer stand da , wie ein vierzigjähriges Kind . Er sah sich um , um beim Abschied nichts zu vergessen . Es that noth , daß Thiebold ihm in die Hand gab , was er mitnehmen mußte , seinen Hut , seine Handschuhe , von denen sich nur einer in seinem Frack , der andere noch drüben im Speisezimmer befand , und nun empfahl er sich wirklich . Thiebold und Armgart , die sich ihren noch im Vorzimmer liegenden Pelz überwarf , begleiteten ihn ... Schon hörte man das Schellenklingeln der Pferde ... Schon war der Schlag geöffnet ... Man hatte dem Gaste vorsorglich noch ein heißes Kohlenbecken in den Wagen gestellt ... Man gab ihm noch eine Wildschur des verstorbenen Grafen Joseph zur Benutzung mit ... Püttmeyer war im Losreißen von dem merkwürdigsten Tage seines Lebens in einer Verwirrung , die ihm sogar den Streich spielte , daß er ein splendides Trinkgeld statt dem Diener Thiebolden in die Hand steckte ... Und Thiebold nahm den Thaler und sagte sich mit verklärter Rührung : » O das kann kommen ! Bei gewissen Stimmungen ist dem gebildetsten Menschen nichts unmöglich ! « Er gab das Geld feierlich dem Diener ... Schon rollte der Wagen dahin und Thiebold , der in bloßem Kopf stand , war nicht wenig geneigt , Armgart zum Hinaufführen den Arm zu bieten ... Schon aber war diese vorausgesprungen ... Und Thiebold , als er dem flüchtigen Reh langsam nachfolgte , dachte : Jetzt , jetzt endlich findest du wol den langersehnten , immer vergeblich gesuchten Augenblick , sie allein zu sprechen und jene Geständnisse zu machen , die dir Bonaventura in der Beichte anbefohlen hat ! ... Er faßte sich Muth , obgleich so vieles , so vieles in Armgart ' s Benehmen gegen ihn sowol wie gegen Benno anders geworden war . Oben befand sich noch die Tante unter dem magnetischen Einfluß ihrer Verdauung ... Sie trank zwar den von Armgart bereiteten Kaffee , der bekanntlich wach erhalten soll ... Ihr aber machte er die Wirkung , im Lehnsessel Reden zu halten , die etwa in folgender anakoluthischer Verwickelung sich vernehmen ließen und endlich gänzlich abbrachen : Nun , lieber Herr von Jonge ! Nun aber , bitte , bitte , lieber Herr von Jonge , nun spielen Sie uns etwas ! ... Ich hätte doch den alten Tübbicke noch etwas fragen sollen ... Bitte , Herr von Jonge ! ... Armgart ! Noch eine Tasse vielleicht , Herr von Jonge ? ... Die Schlüssel zum Archiv jeden Sonntag aus der Hand lassen , das geht nicht , Herr von Müllenhoff - von Jonge ! ... Bitte , Mozart ... Das Kind von dem jungen Tübbicke - ! Bitte , Herr von Jonge , spielen , spielen ! - Nein , man muß sagen , Müllenhoff geht in vielem zu weit ! ... Ich liebe so die Musi - ! ... Die Jagd ... Transparente Bilder von ... Wenn nur unsere Herren bald gesund und wohlbehalten von Neuhof zurückkommen ! ... Die Musik ! ... Was sie nur erlebt haben mögen - am Düsternbrook - Bitte , Herr von Jonge ! - Die - Die - Sona - Pathé - tique - von van - van von Beetho - Damit war das Gangliensystem der Tante bezwungen . Sie entschlief , ohne ihre Rede ganz beendet zu haben . Die Sonate pathétique zu spielen würde sich Thiebold in seiner Vaterstadt nie getraut haben . Die Gegenwart einer Johanna Kattendyk , einer Josephine Moppes , einer Lisette Maus , einer Betty Timpe hätte ihn unrettbar dem » Fluche der Lächerlichkeit « preisgegeben . In diesem hochadeligen Hause aber , dem , wie in vielen tausenden solcher katholischen Herrensitze Europas , principiell die Bildung des 19. Jahrhunderts halbwegs immer fremd bleibt , gestattete man ihm jede freie Variation über das große Meisterwerk , jede Zuthat aus den seinen Fingern noch geläufigern Cramer ' schen Etuden . Thiebold spielte wirklich etwas , wie die Sonate pathétique . » Ein Genuß für Götter ! « sagte er sich selbst voll Bescheidenheit . Er war in jeder Beziehung froh , daß Benno fehlte . Armgart stand an der Kaffeemaschine ... Endlich blies sie die Flamme aus ... Es wollte damit nicht so schnell gehen , wie sie wollte ... Thiebold brach mitten in seinem schönsten ad libitum ab und sprang hinzu ... Mund gegen Mund gerichtet , endete die Flamme ... Thiebold seufzte und wurde kühner und kühner durch das Bewußtsein , daß sich hier einer gemüthlichen Familienscene ein beliebiger Rahmen geben ließ ... Die Tante schlief ... Paula blieb fern ... Sollte er wieder spielen ? ... Fräulein ! sagte er leise . Ich habe Ihnen durchaus eine Mittheilung zu machen ... Armgart betrachtete ihn kalt und doch war ihr die » Liebe « schon lange ein Begriff geworden , so klar , so verständlich wie sonst nur der Glaube ... Sie fürchtete , Thiebold wollte von seiner Liebe sprechen ... Sie wollte sich eben deshalb gleichgültig zeigen ... Spielen Sie ! sagte sie . Ich lese indessen ... Nein , ich muß Sie sprechen ! betheuerte Thiebold mit gedämpfter Stimme . Ein Befehl in der Beichte verlangt es ! Der Domherr will es ! Armgart maß Thiebold mit weitgeöffneten Augen ... Wirklich , Fräulein Armgart , ich schwöre Ihnen das beim Heil meiner Seele