» Ah ! da muß mein Bräutigam sie kennen , « versetzte Therese eifrig und rief alsdann laut : » Berger , kennst du eine Familie Wundel ? « Der Gefragte wandte den Kopf herum , nickte und entgegnete : » O ja , ich kenne sie - sehr , sie muß hier in diesem Hause wohnen . « » Was sind das für Leute ? « forschte die Tänzerin weiter . Herr Berger zuckte mit den Achseln , machte ein saures Gesicht und sagte : » Sogenannte verschämte Hausarme , aber unter uns bemerkt , nicht viel daran , haben jedoch Konnexionen , denen sie Unterstützungen aller Art zu erpressen wissen . « Therese warf ihrer Freundin einen bedeutsamen Blick zu , dann fuhr sie fort : » Werden wir dieser Familie einen Besuch machen ? « » Es lag das durchaus nicht in meiner Absicht , « gab der Bräutigam in bestimmtem Tone zur Antwort . » In dienstlicher Eigenschaft muß ich zuweilen hingehen , aber es ist mir das unangenehm genug . « » So gehe einmal in dienstlicher Eigenschaft hin , « sagte das schöne Mädchen . Und als sie Herr Berger einigermaßen erstaunt und fragend anblickte , fügte sie mit erhobenem Kopfe bei : » Ich wünsche das , mein Lieber . Nimm dir ein paar Gulden in die Hand und thue so , als habest du ihnen irgend eine Unterstützung zu bringen . « » Und du ? « fragte Herr Berger mißtrauisch . » Nun , ich begleite dich , « meinte Therese lachend . » Habe ich doch auch meine Freude am Wohlthun . « Nach diesen Worten erhob sich der Bräutigam förmlich und steif , doch schien er ziemlich an Gehorsam gewöhnt zu sein , denn er versuchte keine weitere Widerrede . Er schüttelte dem Herrn Staiger freundlich die Hand , machte Clara eine tiefe Verbeugung und schritt zur Thüre hinaus , gefolgt von Therese , die ihre Freundin nochmals auf die Stirne küßte , wobei sie ihr sagte : » Noch ist vielleicht nicht Alles verloren , gute Clara , ich will deine Angelegenheit in die Hand nehmen . « - - Hätte die Familie Wundel eine Ahnung davon gehabt , mit welch ' ungewöhnlichem Besuch sie die Aussicht hatte erfreut zu werden , so würde sie ihr Zimmer in andere Verfassung gebracht haben oder hätte ihre Thüre fest verschlossen gehalten , und das würdigste Mitglied derselben , Madame Wundel , hätte nicht auf so bereitwillige Art » Herein ! « gerufen , als von draußen sehr bescheiden angeklopft wurde . Leider geschah dies zu der unglückseligen Stunde , als die brave Wittwe im Gefühl ihrer Dankbarkeit gegen Madame Becker diese zu einer guten Chokolade eingeladen hatte . Auf dem Tische dampfte eine angenehme Kanne dieses vortrefflichen Getränks rings umher Wohlgeruch verbreitend , daneben stand ein Teller mit prächtigem Backwerk , sanft gebräunter Gugelhopfen , welcher von oben durch den darauf gestreuten Zucker wie ein Schneegebirge aussah , auch freundlich glänzender Zwieback , sowie etwas Kräftigeres : Butterbrod mit einigem Fleischwerk . Der Ofen verbreitete eine behagliche Wärme , und ein Kesselchen mit warmem Wasser , welches auf der Kohlengluth stand , und neben demselben am Boden eine Flasche Punschessenz , zeigten deutlich an , daß Madame Becker ihr Lieblingsgetränk der sanften Chokolade vorzog . Sie mochte auch schon mehrere Gläser davon zu sich genommen haben , denn ihre Wange war sanft geröthet , sie schluckte häufig ohne Ursache und ihr Lachen war mehr ein Grinsen zu nennen , auch blickte sie still in das Punschglas hinein und summte die Melodie eines bekannten Liedes . Dabei befand sich die Frau in Trauer , doch gab ihr lachendes Gesicht einen starken Gegensatz zu der schwarzen Farbe ihrer Kleider . Neben ihr saß Madame Wundel bestens aufgeputzt und strahlte vor Wohlbehagen ; sie schien soeben eine Tasse Chokolade geleert zu haben und schmatzte noch vergnügt mit den Lippen . Emilie war beschäftigt , den Gugelhopfen zu zerschneiden und nur die jüngere Tochter Louise schien am wenigsten Antheil an der Gesellschaft zu nehmen , denn sie saß auf einem Stuhle an der unteren Seite des Tisches und hatte ihren Arm nachlässig und solchergestalt über die Lehne gelegt , daß sie den Anderen zur Hälfte den Rücken zudrehte . Es klopfte also , Madame Wundel rief : » Herein ! « und die Thüre öffnete sich . - Wären aber in diesem Augenblicke der selige Becker und der selige Wundel erschienen , mit himmlischen Feierkleidern angethan und bereit , ihre theuren Hälften in ' s bessere Jenseits abzuholen , das Entsetzen hätte nicht größer sein können , als beim Anblick des Armenpflegers , der seinerseits nicht weniger erstaunt war , seine Unterlippe noch tiefer herabhängen ließ und die Augenbrauen bis an die Grenzen der Möglichkeit hinauf zog . Madame Wundel , gänzlich außer sich , ohne alle Geistesgegenwart und so überrascht jeder Verstellung unfähig , ließ beide Hände auf den Tisch sinken und starrte mit einem trostlosen Blicke den Eintretenden an . Emilie behielt mehr ihre Fassung und machte den vergeblichen Versuch , den Gugelhopfen vom Tisch verschwinden zu lassen , doch war ihre Bewegung zu heftig und rechts und links fielen die aufgeschnittenen Stücke über Tassen und Tischtuch dahin . Louise allein beharrte in ihrer Stellung , ja sie zuckte mit den Achseln und lächelte höhnisch . Madame Becker , die den Armenpfleger wohl kannte und deßhalb vollkommen das Entsetzen ihrer Freundin begriff , faßte , auch wohl von dem starken Getränk ermuthigt , sich am schnellsten wieder , schüttelte ihre Nachbarin am Arme und sagte mit ihrem breiten , gemeinen Tone und etwas sehr schwerer Zunge : » Ach , Wundel , erschreck ' Sie nur nicht so , der Herr Armenpfleger wird es wahrhaftig nicht übel nehmen , wenn arme Kreaturen , wie wir sind , sich einmal einen vergnügten Tag machen . - Was könnt Ihr auch dafür , « setzte sie mit einem pfiffigen Blinzeln hinzu , » daß