und ihn bäte , nicht mehr zu kommen . Nicht mehr zu kommen ? Warum , liebe Franchette ? Kein Talent ? Fränzchen hatte jetzt keine Antwort . Sie blickte verlegen bald auf die Stufen , auf denen sie noch stand , bald über das Geländer hinüber an die Thür , welche Louis eben verschlossen hatte und die Nebenthür . Wer wohnt da ? fragte sie . Ich sehe eine Karte an der Thür . Kommen Sie , wir wollen lesen , liebe Franchette ! Fränzchen stieg die Treppe nun ganz hinauf und hörte , daß Louis schon sagte : Ein Italiäner ist mein neuer Nachbar ! Lesen Sie ! Fränzchen sah auf die angeheftete Visitenkarte und fand die einfachen Worte : Signor Barberini . Signor Barberini ! wiederholte sie und sprach für sich : Der ist es nicht . Es konnte Louis nicht entgehen , daß Fränzchen in Verlegenheit und einer gewissen Aufregung war .... Er wollte zu Egon , um mit ihm zu speisen , da hatte er wohl noch eine halbe Stunde Zeit , um die Gelegenheit zu benutzen , einige Worte mit einem Mädchen zu wechseln , zu dem er sich so innig hingezogen fühlte und das ihm durch diese lange , von ihm nicht verschuldete Trennung auf eine sein Inneres beklemmende Weise entrückt war . Ohne lange zu zögern , schloß er die Thür seiner Wohnung auf und schlug Franziska vor , einen Augenblick bei ihm einzutreten . Sie sah ihn mit großen Augen an , als wollte sie sagen : Ist Das erlaubt ? Darf ich Das ? Und wenn ich es wagte , weil ich dich liebe , würd ' es mich denn auch bei dir nicht herabsetzen ? So viel Gedanken und Empfindungen in einem einzigen Augenblicke ausgesprochen , müssen einem großen , braunen , von schwarzen Wimpern beschatteten , mit schwarzen Brauen umrandeten Auge wol einen mächtigen Zauber geben . Wie diese beiden kleinen krystallenen Kugeln so zitternd und wie lebendig gewordene Worte auf Louis ruhten , fühlte sich dieser feurig bewegt , schlug leise seinen Arm über des Mädchens Schulter und sagte : Meine liebe Freundin ! Sechs Wochen Trennung ! Sie haben mich vergessen ! In diesem Augenblick stand die Thür schon auf und Fränzchen wurde geblendet von dem schönen Anblick . Das elegante , weißtapezirte Zimmer hatte keine andern Möbel als rings an den Wänden einige mit rothem Plüsch überzogene Divans und einige Tabourets von gleichem Zeuge . An den Fenstern hingen weiße großgeblumte Gardinen mit goldbronzenen Haltern . An den Wänden sah man Spiegel mit goldenen Rahmen und große Cartons mit Rahmenmustern in den geschmackvollsten Formen . Auf einem großen Tische in der Mitte des Zimmers lagen Zeichnungen , Goldleisten und die zierlichsten Holzschnitzereien . Und dennoch würde sich Fränzchen von dem schönen Anblick nicht haben sogleich blenden lassen und eingetreten seien , wenn sie nicht plötzlich im Nebenzimmer ein gewisses Husten gehört hätte . Dies Husten erinnerte sie schreckhaft an den Professor Sylvester . Er behauptete , sich seit dem Fortunaball einen unausrottbaren Katarrh geholt zu haben , schmähte über das Klima dieser wilden Gegenden des Nordens und hustete oft so ununterbrochen , daß er , um sich zu erholen , aufstehen und einen Gang durch ' s Zimmer machen mußte . Ganz diesem Husten ähnlich klang es jetzt von der dünnen Wand her , die dies Geschäftszimmer des jungen Franzosen von der Wohnung des Signor Barberini trennte . Darüber betroffen nachgrübelnd folgte sie fast willenlos der Aufforderung ihres ernsten und so liebevoll bittenden Gönners , daß sie zuletzt in seinem Zimmer war , sie wußte nicht wie . Mit welcher Pein sank sie auf eins der zierlichen rothen Tabourets nieder ! Wie bebte sie , wenn sie sich dachte , die Thür , die Louis eingeklinkt hatte , könnte aufgehen und irgend Jemand , an dessen guter Meinung von ihr ihr etwas gelegen sein müßte , träte ein ! Daß Der , an dessen Urtheil ihr selbst am meisten gelegen war , sie selbst hier hatte eintreten lassen , tröstete sie und die erste Beklemmung wich bald einem froheren Gefühle . Franziska , begann Louis Armand mit bescheidener Zurückhaltung und ohne den mindesten Anschein , als könnte er die gewagte Situation zu seinem Vortheile benutzen wollen , Franziska , haben Sie meine kleinen Verse erhalten ? Ich wollte Ihnen dafür danken , sagte Fränzchen schüchtern , aber ich fand nichts , was Ihrem Geschenk würdig antwortete . Das kleine Gedicht ist in der Theilnahme gedacht worden , die ich für ein weibliches Gemüth empfinde , das sich vom Schicksal auf die große Aufgabe angewiesen sieht , unter Entbehrungen die Tugend zu lieben . Ich bin betrübt gewesen , Franziska , daß Sie die Gefahren selbst aufsuchen , denen nicht jedes Herz zu trotzen im Stande ist ! Fränzchen schlug erröthend die Augen nieder . Sie besuchen die nächtlichen Bälle - Herr Armand ... war Alles , was Fränzchen stottern konnte . Sie haben auf einem Ball , der bis tief in die Nacht währte , jenen Landsmann von mir kennen gelernt , der , wenn er Ihnen den Unterricht , den Sie von ihm empfingen , ganz ohne Entschädigung gab , sehr von der Natur meiner Nation abweichen muß . Ohne Entschädigung ? Wie meinen Sie Das , Herr Armand ? Der junge Soldat , den ich heute bei Ihnen traf , ist , ich weiß es , unglücklich , daß er den Platz , den er in Ihrem Herzen sucht , von Herrn Sylvester besetzt findet . Fränzchen hätte über diese Worte weinen mögen . Sie fühlte nun , wie sie Louis Armand erscheinen mußte . Sie erkannte , wie unvorsichtig sie sich dem Urtheile der Welt ausgesetzt hatte ; wer wußte denn , warum sie Herrn Sylvester ' s Besuche geduldet hatte ! Statt aller Antwort riß sie das Billet auf und gab es Louis zu lesen . Dieser sah sie voll Zärtlichkeit an und lehnte es entschieden ab , in ihre Geheimnisse