war doch dem Schloßbau , der Gründung eines Waisenhauses und der Aufführung einer Kirche zugewendet . Von dem Schloßbau werden wir ausführlicher zu sprechen haben ; nur die Kirche sei schon hier in aller Kürze erwähnt . Mit großer Munifizenz ausgestattet , war sie nur wenig über hundert Jahre eine Zierde der Stadt . Im Jahre 1788 brannte sie nieder und nichts blieb übrig oder wurde aus dem Trümmerhaufen gerettet als ein kleiner Sandstein , der als einzige Inschrift die Buchstaben trägt : L. C. Z.B. G. P. V. O. , A. MDCLVIII . ( Luise , Kurfürstin zu Brandenburg , geborene Prinzessin von Oranien 1658 ) . Diesen Sandstein hat man bei Aufführung des kümmerlichen Neubaues , der seitdem an die Stelle der alten Kirche getreten ist , in die Außenwand , nahe dem Eingang , eingefügt . Insoweit gewiß mit Unrecht , als er nunmehr die irrige Vorstellung weckt , daß dieser Bau es sei , den die fromme Werktätigkeit der Kurfürstin habe entstehen lassen . Waisenhaus und Kirche entstanden unter der christlichen Fürsorge Luise Henriettens , aber früher als beide entstand ihr Wohnsitz , das Schloß selber . Die Frage drängt sich uns auf : wie war dies Schloß ? Es war , nach allgemeiner Annahme , ein drei Stock hohes , fünf Fenster breites Gebäude von Würfelform , das nur mittelst eines stattlichen Frontispizes den Charakter eines Schlosses erhielt . Dies Frontispiz war drei Fenster breit und vier Stock hoch , so daß es nicht nur das Hauptstück der ganzen Front bildete , sondern auch den übrigen Teil des Gebäudes turmartig überragte . Auf dem flachen Dache befand sich ein mit einer Galerie umgebener Altan , auf dem sich in der Mitte ein hoher und an jeder der vier Ecken ein kleinerer Turm erhob . Der Schloßhof war mit einem bedeckten Gange umgeben , auf dessen Plattform zur Sommerzeit zahlreiche Orangenbäume standen . So war Schloß Oranienburg in den Jahren , die seiner Gründung unmittelbar folgten . Nichts davon ist der Gegenwart geblieben , und wir würden , da keine gleichzeitigen Pläne und Beschreibungen existieren , darauf verzichten müssen , uns eine Vorstellung von dem damaligen Schlosse zu machen , wenn nicht in dem Waisenhause ein großes , für die Lokalgeschichte Oranienburgs höchst wertvolles Gemälde existierte , das , früher den Prachtzimmern des Schlosses angehörig , jetzt dazu dient , uns , in Ermangelung jedes andern Anhaltepunkts , über die Gestalt der damaligen Oranienburg einen mutmaßlichen , wenn auch freilich immer noch sehr disputablen Aufschluß zu geben . Dies wandgroße Bild ( etwa elf Fuß im Quadrat ) , von dem sich eine gleichzeitige Kopie als Plafondgemälde in einem der Säle des Schlosses befand , stellt , unter Benutzung der alten Didosage , die Gründung Oranienburgs dar . In der Mitte des Bildes erkennen wir das kurfürstliche Paar , angetan mit allen Abzeichen seiner Würde . Luise Henriette als Dido . Hinter dem Kurfürsten , den Speer in der Hand , steht der Oberst La Cave , während die Gräfin von Blumenthal , eine schöne , stattliche Dame , die Schleppe der Kurfürstin trägt . Weiter zurück , der Gräfin Blumenthal zunächst , erblicken wir den Oberjägermeister von Hertefeld und einen von Rochow . Die Angaben fehlen , welchen . Alle die Genannten füllen die linke Seite des Bildes , während zur Rechten des Kurfürsten der Geheimrat Otto von Schwerin steht , in wenig schmeichelhafter Weise mit zurückgeschlagenen Hemdsärmeln und im günstigsten Falle in der Rolle eines behäbigen Gerbermeisters . Er hält eine Kuhhaut mit der Inschrift plus outre , » immer weiter « , in der Linken , während er mit der Rechten bemüht ist , die Haut in Streifen zu schneiden . Diese Streifen werden von drei oder vier geschäftigen Dienern zur Absteckung einer weiten , sich im Hintergrund markierenden Feldfläche benutzt , aus deren Mitte sich in grauweißer Farbe ein Schloß erhebt , nur skizziert , aber doch deutlich genug erkennbar , um ein verständliches , anschauliches Bild zu geben . 19 Schloß Oranienburg , wie es jetzt vor uns liegt , zeigt nichts mehr von dem Bau , den ich vorstehend ( S. 135 ) beschrieben habe . Weder Frontispiz noch Säulengänge , weder Altan noch Türme bieten sich zur Zeit dem Auge dar , und die Umwandlung , die im Laufe von zwei Jahrhunderten erfolgt ist , ist eine so vollständige gewesen , daß es zweifelhaft bleibt , ob auch nur eine einzige Außenwand des oranischen Schlosses stehengeblieben und dem Neubau , der 1688 begann , zugute gekommen ist . Ein ähnliches Schicksal hat über allem gewaltet , was die fromme Kurfürstin hier entstehen ließ . Jegliches ging zugrunde , meist durch Feuer , und existiert nur noch dem Wort und Wesen , aber nicht mehr seiner ursprünglichen Form nach . Das Schloß , die Kirche , das Waisenhaus von damals , und wenn wir von einem , übrigens in seiner Echtheit ebenfalls anfechtbaren Porträt absehen , so findet sich an Ort und Stelle nichts mehr , was sich mit Bestimmtheit auf die Zeit der Oranierin zurückführen ließe . Das ihr seitens der Stadt errichtete Denkmal , eine Neuschöpfung , stammt erst aus dem Jahre 1858 . Es ist ein überlebensgroßes Bildnis in Erz , aus der Hand Wilhelm Wolffs hervorgegangen , und führt die Inschrift : » Der hohen Wiederbegründerin dieser Stadt , Louise Henriette , Kurfürstin von Brandenburg , geb . Prinzessin von Oranien , zum dauernden Gedächtnis die dankbare Bürgerschaft Oranienburgs . « Und dieser Dank war Pflicht . Was Luise Henriette schuf , es hat das Kleid gewechselt , aber die Dinge blieben und der Segen lebt fort . Die Zeit Friedrichs III. von 1688 bis 1713 Die Zeit Friedrichs III. von 1688 bis 1713 Schloß Oranienburg war , wie wir es geschildert haben , ein Bau von mäßigen Dimensionen ( nur fünf Fenster breit ) , als 1688 , nach dem Tode des Großen Kurfürsten , der prachtliebende Friedrich III. zur Regierung kam . Es war