, vielleicht vermag ich etwas für Dich zu thun . Ich komme im Frühjahre in unsere Provinz . Der Regierungs-Präsident , der Direktor der Landschaft sind alte Freunde von mir . Man muß die Dinge nur anzufassen , höchsten Ortes richtig darzustellen wissen ! Es geht Unsereinem nicht gleich an Hals und Kragen , und wenn man sich bei Anlaß Deiner Hochzeit an die rechte Stelle wendet , so kommt man Dir , da Hildegard und die Mutter sehr geschätzt sind , wohl zu Hülfe . Sind wir denn Hans und Kunz , daß wir uns nur mit so brutalen Mitteln wie Krethi und Plethi aus der Affaire ziehen könnten ? Der Graf war bei diesen Auseinandersetzungen äußerst heiter geworden . Das wirkte auf Renatus vortheilhaft zurück . Nach kurzer Berathung kamen der Oheim und der Neffe dahin überein , daß der junge Freiherr gleich jetzt an Tremann schreiben und die sofortige Aushändigung der Geschäftsakten und Dokumente begehren solle , weil Renatus sie mit sich zu nehmen wünsche . Das brachte die Unterhaltung denn auch auf die Abreise des Freiherrn , und der Graf rieth ihm mit einer gewissen Dringlichkeit , dieselbe zu beschleunigen und auch seine Hochzeit so bald als möglich zu begehen . Da dies seinem Neffen beides auffiel , sagte Jener unumwunden , Renatus möge nicht vergessen , daß er gegenwärtig der letzte Arten sei und daß er seinem Hause schulde , endlich für die Erhaltung dieses alten Geschlechtes Sorge zu tragen . Nebenher sei Hildegard durch den langen Brautstand muthlos und an sich selber irre geworden , habe ein Mißtrauen in Renatus ' Zuneigung zu ihr , und es sei auch für Renatus selber nöthig , daß er sich von dem Gerede frei mache , das über ihn im Gange sei . Der junge Freiherr fuhr auf . Er begehrte zu wissen , was das sagen wolle ; sein Oheim suchte ihn zu beschwichtigen , und da Jener in ihn drang , meinte der Graf , er selber habe nicht recht dahinter kommen können , um was es sich dabei handle . Graf Stammburg , der Attaché der preußischen Gesandtschaft , welcher dieser Tage mit Privat-Depeschen von London angekommen sei , habe das Gerücht von einem Liebeshandel , einem Bekehrungsplane , einer Verführungs- oder Entführungsgeschichte hierhergebracht , in welcher der Name eines katholischen Geistlichen mit Renatus ' Namen und dem Namen der bekannten Schönheit , der Gräfin Haughton , wunderlich verschlungen zu gleicher Zeit genannt worden wären . So viel stehe fest , daß die englische Gesellschaft die Gräfin zurückgewiesen , daß sie sich auf ihre Güter begeben habe und in das Ausland zu gehen beabsichtige . Käme sie bei ihrer Reise etwa nach Berlin , so sei es , was auch immer zwischen ihr und dem Freiherrn vorgegangen wäre , gewiß das Beste , wenn derselbe bei ihrer Ankunft nicht in der Hauptstadt und wo möglich schon vermählt sei , um sich damit gegen seine eigenen Erinnerungen wie gegen die möglichen Ansprüche der Gräfin eine Schutzwehr zu bereiten . Renatus war sehr betroffen . Er konnte es nicht ertragen , von sich und von Eleonoren in solcher Weise sprechen zu hören oder einen Verdacht gegen seine Ehre auf sich sitzen zu lassen . Um sich zu rechtfertigen , erzählte er dem Oheim seine Erlebnisse bis in ihre kleinsten Einzelheiten , und es war lange nach Mitternacht , als die Beiden noch bei einer Flasche Wein beisammen saßen . Der Graf war ein vortrefflicher Zuhörer . Er verstand zu fragen , sprechen zu lassen und zu schweigen . Als Renatus aber alle seine Mittheilungen geendet und dem Grafen selbst sein erkaltetes Empfinden für seine Braut nicht verborgen hatte , rieth dieser ihm nur noch entschiedener , gleich an einem der nächsten Tage nach seiner Heimath aufzubrechen . Er pries Hildegard in gewohnter Weise auf das wärmste , meinte , jedes Feuer erlösche , wenn man es zu lange ohne Nahrung lasse . Auch Renatus brauche nur in der Nähe seiner Braut zu sein , um die alten Flammen wieder auflodern zu fühlen . Dazu gab er ihm des Königs bekannten Widerwillen gegen alles , was irgend nach einem romantischen Abenteuer aussähe , zu bedenken . Es sei nicht rathsam , meinte er , wenn der König jetzt zum ersten Male von Renatus , gerade auf Anlaß eines so vieldeutigen Gerüchtes , sprechen höre , ohne daß man durch den Hinweis auf seine nahe Vermählung mit einer ihm von Jugend auf verlobten Braut jene Verdächtigungen entkräften könne . Für die Herstellung von Renatus ' Vermögen und Besitz sei des Königs Gunst die erste und die einzige Bedingung , und die Gräfin Rhoden , die Mutter wie die Töchter , besäßen diese Gunst . Der Graf kam allmählich auch auf die Baronin Vittoria zu reden , erwähnte mit Bedauern , daß sie seinen verstorbenen Schwager wohl manche unangenehme Erfahrung habe machen lassen , und meinte , da heute einmal zwischen ihnen Alles , wie es sich zwischen so nahen Blutsverwandten und zwischen Männern zieme , welche die Welt und das Leben kennen gelernt hätten , durchgesprochen würde , so wolle er Renatus denn auch vertrauen , daß er in Bezug auf dessen Stiefmutter ein sehr wichtiges Dokument besitze . Es sei ein Brief , der Brief eines im Felde gebliebenen italienischen Offiziers an die Baronin . Er , der Graf , sei sonst , wie Renatus es heute gesehen habe , eben kein sorgfältiger Aufbewahrer von Papieren , indeß dieses sei ihm doch der Mühe werth erschienen , und da man nicht wissen könne , wie Alles sich einmal im Leben füge , so sei er bereit , es Renatus auszuhändigen . Die Mittheilung kam dem Freiherrn höchlich unerwünscht . Sein Schamgefühl wie sein Ehrgefühl lehnten sich gegen diese Enthüllung des Verrathes auf , welchen Vittoria gegen seinen Vater begangen hatte ; und daß ein Anderer , als eben er und sein verstorbener Vater , sich das Recht zuerkennen durfte , seine Stiefmutter zu verurtheilen , that ihm