, der sich schon auf andern Pfarreien den schlechtesten Ruf erworben hatte und mehr Vieh- und Fruchthändler , als ein Seelsorger war ... Darüber ist allerdings nur eine Stimme ! gestand die Tante ... Die alten Hedemanns , erzählte Thiebold immer wie forschend , ob er recht berichtet wäre , waren mit ihrem Gutsherrn in Spannung und bedienten sich des Pfarrers , um zu ihrem Ziele zu gelangen . Der neue Pfarrer erbot sich dazu aufs bereitwilligste ... Die Hedemanns cedirten ihm in aller Form die Ablösung und gaben ihm die nicht unerheblichen Summen zur Realisation des Loskaufs . Gut , das Geschäft ist gemacht ; die alten Leute , die froh sind , mit dem Landrath in keine directe Beziehung gekommen zu sein , bieten auch dem Pfarrer eine Erkenntlichkeit an . Er schlägt sie nicht aus . Er nimmt sich eine Kuh aus dem Stalle ... Und noch dazu die beste ! schaltete die Tante ein ... Sie wollte jetzt schon Versöhnung mit Armgart und begann nachzugeben ... Er hat sie am Strick gleich selbst sich mitgenommen ! Inzwischen , fuhr Thiebold fort und schenkte wieder ein , indem er die schmollende Armgart fixirte ... inzwischen ließen die alten Leute , die , wie fast alle ringsum , Geschriebenes nicht lesen konnten , doch einmal von einem hausirenden Juden die Ablösungspapiere durchsehen . Es war an einem Sonntag Vormittag . Beide , der alte Mann und die alte Frau , saßen bereits in Toilette , um zur Kirche zu gehen . Die Glocken läuteten . In dem Augenblick studirt der fremde Rathgeber heraus , daß in den Papieren in Worten geschrieben eine viel kleinere Summe steht , als sich der Pfarrer von den Hedemanns hatte auszahlen lassen . Nicht wahr ? Sie waren von ihrem Seelsorger um zweihundert Thaler und ihre beste Kuh geprellt worden . Diese Menschen , von einer großen Verehrung vor allem , was geistlich ist , glaubten dem Juden nicht . Sie gingen mit ihrem Papier zum Kamp hinaus , um in der Kirche , gleich nach dem Gottesdienst , den Pfarrer selbst zu fragen . Da begegnet ihnen die Kutsche des Landraths . Hedemann ' s Vater grüßt und hält nickend sein Papier empor . Herr von Enckefuß läßt halten und frägt , was es gäbe ? Die alten Leute tragen ihren Gegenstand vor . Der Hausirer steht in einiger Entfernung . Und jedenfalls merkte Herr von Enckefuß gleich , was die Uhr geschlagen hatte . Um aber den Pfarrer zu schonen , fuhr er den Juden an , hieß ihn sich hier augenblicklich zum Teufel zu scheren - bitte um Entschuldigung ! - und behauptete rundweg zu seinem eigenen Nachtheil , der Schein lautete wirklich auf die Summe , die der Pfarrer von ihnen verlangt hätte ... Püttmeyer ergänzte : Es war gerade die Zeit , wo der Rittmeister eine noch viel größere Unthat aus Gutmüthigkeit verborgen gehalten hatte ! ... Die Tante setzte mit Rücksicht auf die noch immer finstere Armgart hinzu : Sein Herr Sohn ist dafür um so strenger ! Der bringt ja alles heraus ! Den Kirchenfürsten , den hat der junge Enckefuß verhaften helfen ! Den Hammaker hat er auch entdeckt ! Den Pater Sebastus hat er hierher geführt ! Nur den Leichenräuber von Sanct-Wolfgang hat er noch nicht aufgetrieben ... Diese Zwischenplauderei war zunächst dazu bestimmt , Armgart ' s gute Laune zu gewinnen ... Dann fing aber auch die Tante schon an , ihren Unmuth auf die Bedienung abzulenken . Sie hörte draußen sprechen , hörte die groben Tritte des die Speisen aus der Küche herzutragenden Dionysius Schneid und zischte um Ruhe ... Paula begleitete die Rede und das Benehmen der Tante mit Blicken auf Armgart , die so viel sagen wollten als : Närrchen , sei doch lieb ! Nun hört ' ich so ! fuhr nach einer Discretionspause Thiebold fort . Die alten Hedemanns blieben in der Sache zweifelhaft . Da der Hausirjude das Blinzeln des Landraths wohl verstanden und sich aus dem Staube gemacht hatte , gingen die alten Leute an die Kirche , nicht in sie hinein . Sie sahen von der Thür aus den Pfarrer im Meßornat , wie er das Hochheiligste segnete ; sie mußten vor innerm Groll umkehren . Mit dem tiefsten Zweifel in ihrer Brust vergruben sie sich in ihrem einsamen Kamp und ließen , anfangs vor Ungewißheit , vor Ahnung , dann vor sicherer Zuversicht , daß der Pfarrer sie betrogen hätte , mit der Zeit alles lässig gehen . Den Pfarrer anklagen ? Ihn unglücklich machen , die Religion schänden - ? Das ist diesen Leuten nicht gegeben . Sie bebauten noch ihr Feld , hatten auch noch Knecht und Magd ; aber ein Tiefsinn kam über sie , der sie von der Welt nichts mehr hören und sehen lassen wollte . Noch einmal wagten sie zum Schulmeister zu gehen - sie bekämpften sich , da ihnen wieder die Scheu vor einem geweihten Priester kam ... So ging der Lebensmuth der alten Leute hin . Sie ließen Hab und Gut in Verfall kommen . Einmal rief die alte Mutter Hedemann die Schulkinder an und ließ sich heimlich von denen die Urkunde vorlesen . Sie hörte leider die Wahrheit ; ein Betrug war ' s von zweihundert Thalern . Sie verschwieg ihn ihrem Alten . Zur Kirche ging nun keines mehr und Langelütje , den man meist nur in großen Wasserstiefeln sah , auf den Märkten hinter seinem Knechte stehend , beim Fruchtverkauf , der hinderte sie darin auch nicht . So in Mistrauen und Unmuth kamen die alten Leute zurück . Sie entließen den Knecht , die Magd , bestellten ihren Acker nicht mehr , brachen ihr Holz am Wallheck nicht mehr , ließen ihr Vieh sterben und verderben und behielten nichts , als was zum nothdürftigsten Unterhalt diente . Sie säen jetzt nur , was sie selbst brauchen . Jahraus jahrein besteht ihre Mahlzeit aus Bohnen , die sie in Wasser abkochen und über