Clara nach einer Pause , während welcher sie den Bräutigam und ihre schöne Freundin einen Augenblick forschend betrachtet . » Es geht so , « erwiderte Therese in nachlässigem Tone ; » ich habe anfänglich gar keine Besuche machen wollen , aber Berger meint , es sei nothwendig , und ich meines Theils habe mir auch die neue Verwandtschaft ein bischen ansehen wollen . - Und das war in der That der Mühe werth , « platzte sie nach einigen Sekunden lachend heraus . » Du hättest die Gesichter sehen sollen ! Berger hat eine große und auch , was man so nennt , eine vornehme Verwandtschaft : wohlhabende Kaufleute , ja Regierungs- und Kanzleiräthe . Ich sage dir , Clara , ein Paar von diesen Damen schnitten mir Gesichter , als müßten sie Rhabarber verschlucken ; aber wie du mich kennst , hat mich das ungeheuer amüsirt . Nicht wahr , Berger , ich habe mich gar nicht blöde benommen ? « » O nein , « erwiderte der Bräutigam , wobei er seinen Hut herumdrehte und nun angelegentlich die obere Fläche betrachtete . - » Du hast ihnen recht gut gefallen . « » Das will ich meinen , « fuhr Therese lachend fort . » Auch ich bin so ziemlich mit ihnen zufrieden ; ich habe sie meiner ganzen Gnade versichert , und wenn sich deine Verwandtschaft gut aufführt , so soll sie mit mir zufrieden sein . « » Und Sie werden bald heirathen ? « fragte Herr Staiger , der den Bräutigam schon eine Zeitlang theilnehmend betrachtet hatte . Dieser schielte zu dem alten Herrn hinüber und erwiderte : » O ja , recht bald - wenn Therese will . « » Das versteht sich von selbst . Man muß doch mit der Geschichte einmal ein Ende machen . Ich hoffe , liebe Clara , du erhältst mich in deiner Freundschaft . Hast du einen Augenblick für mich übrig ? « setzte sie leise hinzu ; » ich hätte dir etwas zu sagen , was nur uns allein angeht . « » Du weißt , « entgegnete Clara erröthend , » daß wir außer der Kammer draußen nur dieses Zimmer haben . Wenn du mit mir dorthin gehen willst - « » O das ist gar nicht nöthig , « versetzte die Andere , indem sie sich erhob , » komm , treten wir an den Ofen . « Das hatte sie Alles in gedämpftem Tone gesprochen , und setzte nun mit lauter Stimme hinzu : » Berger , du wirst dich einen Augenblick mit Herrn Staiger unterhalten ; ich habe mit Clara etwas abzumachen . « Damit nahm sie diese unter dem Arm und trat mit ihr an den Ofen . Herr Berger begann , dem erhaltenen Winke gemäß , augenblicklich über das Wetter zu sprechen , und meinte , es sei noch immer recht kalt , doch da jetzt der Winter vorbei sei , habe man Hoffnung , daß , dem gewöhnlichen Laufe der Dinge nach , nun doch am Ende das Frühjahr erscheine . Therese stützte die rechte Hand auf die kleine Kinderbettlade , die hinter dem Ofen stand , und sah ihrer Freundin so fest und forschend in die Augen , daß sie dieselben niederschlug . » Nun wie steht ' s mit deiner Sache ? « fragte sie darauf . Clara erhob den Blick , schüttelte leicht mit dem Kopfe und entgegnete mit sanftem Tone : » Ich weiß von nichts , will auch von nichts wissen . « » Und er hat gar nicht einmal den Versuch gemacht , dich zu sprechen ? « versetzte die Andere , wobei sie den Kopf ärgerlich in die Höhe warf . » Nicht einmal den Versuch gemacht ? « » O doch , « sagte Clara nach einem kleinen Stillschweigen , wobei ihre Blicke abermals den Boden suchten . » Wie es mir scheint , machte er zuweilen den Versuch , mich zu sehen ; aber ich weiche ihm aus und vermeide ihn . « » Daran thust du nicht ganz unrecht , aber du mußt es nicht zu weit treiben . « » Was ist denn da noch weit zu treiben ? « sprach Clara schmerzlich . » Wer weiß , warum er mir in den Weg tritt ! Vielleicht , um seine Vorwürfe zu erneuern , wenn ich dieselben anhören wollte . « » Vielleicht auch thut ihm sein Betragen leid und er möchte dich um Verzeihung bitten . « Clara schüttelte den Kopf mit einem trüben Lächeln . » O nein , « sagte sie , » er kam ja öfters hieher in unsere Wohnung und weiß gewiß , daß ich ihm hier für ein offenes , ehrliches Wort gerne Rede stehen würde . « » Er wird sich scheuen ; er weiß nicht , wie du ihn empfangen würdest . Du mußt schon ein bischen nachgiebiger sein , mein Kind . Weißt du , « fuhr Therese fort , indem sie ihren Shawl ordnete und denselben fest um ihre schlanke Taille zog , » es ist leider einmal so in der Welt , und wenn man noch so sehr in seinem Rechte ist , so muß man sich doch zuweilen beugen und schmiegen , und immer das Ziel im Auge behalten , das man am Ende erreichen will . « Clara preßte die Hand auf ihr Herz und erwiderte : » Ach ! Therese , glaube mir , ich habe kein anderes Ziel mehr vor Augen als das , welches uns allen gemeinschaftlich ist . O er hat mein Herz gebrochen ; ich fühle das ; und nur die größte Wonne , die reinsten Freuden wären vielleicht im Stande , es zu heilen . Aber dergleichen habe ich ja nicht mehr zu erwarten ; hätte er mit mir über irgend etwas einen kleinen Streit angefangen , hätte er mich heftig wegen Fehler oder Unarten gezankt , ich wäre ihm dankbar dafür gewesen , aber er hat mir in