an , ihren Namen zu sagen , als wieder die Alte sie packte und rief : Wo wohnen Sie ? Wer sind Sie ? Sagen Sie ' s oder Mamsell , ich lasse Sie nicht los und sollten die Straßen zusammenlaufen . Ach ! Ach ! Mir wird schwach ... Herr Gott ! Was ist Ihnen ? Soll ich Sie nach Hause fahren lassen ? Wohin denn ? Wer sind Sie ? Die ängstlichen Fragen der von einem merkwürdigen schauspielerischen Talente der Flickschusterin getäuschten Fränz , mit wem denn sie die Ehre hätte , beantwortete diese : Ich bin die Mullrich , Vizewirthin von der Brandgasse Nr. 9. Mein Mann ist von Profession ein Schlosser , von Gewerbeschein ein Schuster , steht aber bei der Polizei als Offiziant und ich bin die Vizewirthin . Diese Mörderin heißt Auguste Ludmer ! Das bringt sie auf zehn Jahre in ' s Criminal ! Wie heißen Sie , Mamsell ? Wenn es Sie beruhigen kann , ich heiße Franziska Heunisch ... Franziska Heunisch ! Und Ihre Wohnung ? Wallstraße Nr. 14. Beim Tischler Märtens . Beim Tischler Märtens ! Ach du mein Heiland ... Das will ich mir merken . Ach ich sterbe ... Da hab ' ich doch meine Satisfaction ! O , o , diese Creatur ! Sie haben ' s gehört , daß ich Hülfe geschrien habe ? Sie haben ' s gehört ? Leider ! Leider ! Sie haben ' s gesehen , daß sie mich mit Füßen getreten hat ... Mit Füßen getreten ? sagte Fränzchen , erschrocken über die Abweichung von der Wahrheit . Mit Füßen getreten , geschunden , gekratzt hat sie mich ! Damit heulte die Vizewirthin aufs neue . Fränzchen wollte entgegnen , die Lebhaftigkeit der Phantasie dieser Frau berichtigen , allein der Lärm hatte alle Dienstmädchen des Hauses , alle Comptoirdiener der untern Läden zusammengerufen und in der verzweifeltsten Beschämung , sich hier in eine so widerwärtige Begebenheit verwickelt zu sehen , gab sie Alles zu , um nur fortzukommen . Glücklicherweise gelang ihr Dies . Während Frau Mullrich den Umstehenden ihre Schicksale mit diesem » abscheulichen Frauenzimmer oben « ausführlich und übertrieben erzählte , fand sie eine günstige Gelegenheit , davonzuschlüpfen .... Die Königsstraße ist so lebhaft , daß sie bald unter den Menschen verschwand und von ihrer Verfolgerin , deren Krallen sie noch immer im Nacken fühlte , nicht mehr entdeckt wurde . Ihren Namen , hoffte sie , würde sie vergessen haben . Sie entsann sich , daß dies der wachende Hausdrache bei Louise Eisold gewesen war , und bedauerte nur , wie sie nun wol kaum jemals wieder würde versuchen können , jenes Haus zu betreten ! Wie schöpfte sie mit angstbefreiter Brust Athem , als sie wieder frische Luft und Sonne und Sicherheit um sich hatte ! Anfangs fühlte Fränzchen , erlöst von der eben überstandenen Pein , nur im geringeren Grade die unangenehme Täuschung , die sich Herr Sylvester mit ihr erlaubt hatte . Als sie sich aber wieder ihrer Wohnung näherte , ärgerte sie es denn doch empfindlich , daß dieser ihr jetzt vollends abscheuliche Mann sich vielleicht einer falschen Adresse bedient hatte . Sie konnte nicht glauben , daß er da gewohnt hatte , wo jener Zank vorgefallen war ... Das entschlossene zweideutige junge Frauenzimmer hatte sie wohl erkannt ! Es war jene schmuckbehangene Auguste Ludmer vom Fortunaball gewesen , die mit dem Glockenschlage vier von den Agenten der Polizei mit jenem älteren Manne verhaftet wurde , den sie nun schon unter dem Namen eines Engländers Murray kannte ... Wie überlief es sie kalt bei dem Gedanken , daß sie mit solchen Menschen vor Gericht treten sollte , Zeugniß ablegen , ja nur mit ihnen zusammen genannt werden ! In dieser Qual , vor Louis Armand ' s Augen immer tiefer sich in einen falschen Schein zu stellen , immer mehr sich in ungünstige , ohne ihre Schuld , gegen sie sprechende Beziehungen zu verwickeln , betrat sie die Wallstraße . Da sah sie wieder ihr Haus , Armand ' s leuchtendes Schild und jenes Fenster , wo es ihr vor noch nicht viel über eine Stunde gewesen war , als hätte sie an ihm etwas entdeckt , was Herrn Sylvester ' s Kopfe so ähnlich geschienen , daß sie im ersten Augenblicke dachte : Da ist Herr Sylvester bei Louis Armand selbst zum Besuche ! Sie sprechen über die Bestellungen für jene Gräfin , über dich ! Louis verurtheilt dich , ohne dich gehört zu haben ! Was thut es , dachte sie , als sie in die Hausflur trat , du klopfst oben bei der Frau an , die so glücklich ist , alle ihre Zimmer nun vermiethet zu haben , du frägst , wer neben Louis Armand jetzt wohne ... Ohne weiter zu zögern , stieg sie die Treppe hinauf . In dem Augenblicke hörte sie oben eine Thür zuschließen . Sie wandte den Kopf , sah hinauf ; es war Louis , der eben im Begriff schien auszugehen . Sie zögerte . Sie war so erschrocken , daß sie umwenden wollte . Indem hatte sie aber Louis schon bemerkt . Ah , Mademoiselle , rief er angenehm überrascht und über die ernsten Gesichtszüge , mit denen er seinen Zettel an der Thür , der jede Bestellung während seiner Abwesenheit an den Tischler Märtens im Hinterhofe verwies , flüchtig übersah , flog ein Strahl sanfter Freude . Wie kommen Sie hierher , Mademoiselle ? Fränzchen stotterte etwas , sah auf ihren Brief und wußte vor Verlegenheit nicht , welche Ausrede sie finden sollte . Louis blickte auf den Brief und war erstaunt eine französische Adresse zu lesen : A Monsieur Monsieur le Professeur Sylvestre de Paris ... Die Worte waren ganz orthographisch geschrieben . Haben Sie Das geschrieben , Franchette ? fragte Armand . Ja , antwortete Fränzchen schüchtern . Der Herr ist in dieser Zeit mein Lehrer gewesen . Ich wollte ihm schreiben , daß ich kein Talent für Sprachen habe