endlich zu einer würdigen Abklärung ihres Lebens , zu Ueberzeugungen durchgedrungen schienen , mit denen man sich einverstanden zu erklären vermochte . Wie durfte der Neffe auch an der ehrlichen Wandlung und sittlich-patriotischen Erhebung seines Oheims zweifeln , wenn der König , in dessen unbedingter Verehrung der junge Freiherr auferzogen und den er gewöhnt worden war , als die irdische Verkörperung der höchsten Gerechtigkeit zu betrachten , den Grafen zu Gnaden angenommen und ihn mit einem seiner höchsten Orden ausgezeichnet hatte ? Der Autoritätenglaube , welchen er zu den Pflichten seines Standes zählte , zwang den Freiherrn , das eigene Urtheil der Ansicht seines Königs unterzuordnen , und anzuerkennen , gelten zu lassen und zu verehren , was dem Landesherrn , dessen menschliche Beschränktheit doch natürlich stets auf fremdes Urtheil , auf fremde Angaben zurückzugehen sich genöthigt sah , von Dritten als ein Ehrenwerthes und als der Anerkennung würdig geschildert worden war . Sein Vertrauen in des Oheims Einsicht steigerte sich beständig , und die mannigfache Kenntniß , welche derselbe von allen praktischen Dingen zu haben schien , überraschte den Neffen . Auch über Tremann ' s Angelegenheiten zeigte der Graf sich völlig unterrichtet . Er erzählte , wie Tremann von der Flies das von Arten ' sche Grundstück in der Hauptstadt an sich gebracht , wie er es parzellirt , wie er die Bewilligung erhalten habe , hinten im Garten dem Wasser entlang eine Straße anzulegen , und wie er sich dadurch nicht nur aus einer bedenklichen Verlegenheit gerettet , sondern auch ein namhaftes Capital gewonnen und seinen großen Credit aufrecht erhalten habe . Sie haben sich , sagte der Graf , zusammengethan , wie ich neulich hörte , als ich einmal ausnahmsweise , denn ich liebe meine eigene Küche , mit einem Bekannten im Hôtel zu Mittag aß ; sie haben sich zusammengethan , Euer Steinert , dieser Tremann und der Baurath Herbert . Sie sind es , die ihre Absichten auf Neudorf und auf Rothenfeld gerichtet haben . Sie wollen bei Euch in der Provinz , wo der Boden und der Arbeitslohn noch billiger sind als hier , Fabriken anlegen , Oelund Zuckersiedereien , und , was weiß ich , was sonst noch Alles . Steinert , der Marienfelde schon besitzt , soll so viel als möglich von dem Rohprodukte auf eigenem , den Fabriken gehörendem Boden erzielen . Herbert übernimmt die Bauten . Steinert ' s Sohn haben sie ein Jahr hindurch in England gehabt und nun nach Amerika hinübergeschickt , damit er sich in dem Fabrikwesen umsehen solle , und Tremann , der jetzt hier bereits wieder zu den großen Firmen zählt , findet für jede seiner Unternehmungen Theilnehmer und Capital , wobei denn , wie sich das nach Meinung dieser Leute wohl gebührt , dem Erfinder der Löwenantheil anheimfällt . Die Continentalsperre hat sie alle klug gemacht , und was wir Bonaparte auch nachzutragen haben , die Industrie des Festlandes hat er mit einem Federzuge um Jahrhunderte gefördert . Der Graf erwähnte darauf noch in derselben abfertigenden Weise verschiedener anderer Gewerbtreibenden , die in kurzer Zeit große Vermögen erworben hatten ; aber Renatus hörte es nicht mehr . Es war ihm unheimlich , zu denken , wie Andere sich bereits Rechnung auf Gewinn von dem Ertrage seiner Güter machten ; und wie sich in solcher Lage die Vorstellungen dem Menschen leicht zum Bilde verkörpern , kam er sich wie ein von Jägern vorsichtig umstelltes Wild vor , dem zwar die freie Bewegung innerhalb des Reviers , aber kein Entrinnen mehr vergönnt ist . Er sah sich im Geiste schon auf Richten eingebannt , von Neudorf und Rothenfeld qualmte der Rauch aus den Schloten der Oelmühlen und Zuckersiedereien , er meinte den Donner der Minen zu hören , mit denen man in den Steinbrüchen hinter Neudorf die Felsen sprengte , und von seinem Mißempfinden fortgerissen , rief er : Wenn ich mir denke , daß diese Compagnie sich bei uns einzunisten denkt .... Wo denken sie sich denn nicht einzudrängen ? erwiederte mit lachendem Achselzucken der Graf . Und vor Allen dieser Monsieur Tremann ! Da - er stand auf , ging an seinen Schreibschrank , schob einige Papiere , die auf demselben lagen , mit rascher Hand zur Seite , und seinem Neffen ein Blatt hinhaltend , fügte er hinzu : Da , lies einmal , welch eine Epistel ich heute von dem Patron erhalten habe . Renatus that , wie Jener begehrte ; indeß die Wirkung des Schreibens war eine andere , als der Graf erwartet haben mochte , denn mit sichtlicher Mißbilligung fragte sein Neffe : Aber wie konnte das auch geschehen ? wie konnte die Person zu diesen Briefen kommen ? Da Sie ihr dieselben nicht gegeben haben können , so muß sie sie entwendet haben . Was werden Sie denn thun ? Was ich thun werde ? lachte der Graf , Nichts ! Ich werde dem Herrn Tremann die Zeit vergönnen , den Landwehr-Major zu vergessen , der ihm noch im Kopfe spukt , und sein Arten ' sches Blut , an das er sicherlich auch mit Vergnügen denkt , allmählich zu beruhigen . Wenn man als verständiger und gewiegter Mann sich noch um solche Jugendsünden kümmern sollte , da hätte man viel zu thun , vorausgesetzt , daß man ein Paar rothe Backen besessen und gesunde Glieder in der Uniform gehabt hat . - Aber den Scherz bei Seite ! Du denkst doch hoffentlich jetzt nicht daran , Deine Angelegenheiten diesem Tremann noch länger zur Ausbeutung zu überlassen ? Renatus sagte , wie Tremann selbst gefordert habe , daß er ihn davon entbinden möge . So thue es , je eher , desto lieber ! sprach der Graf . Du bist jetzt hier , gehst jetzt nach Hause . Sieh ' Dir an , wie die Verhältnisse dort sind , und da ja zwischen heute und morgen nichts entschieden zu werden braucht , so kann man überlegen , was zu machen ist . Bringe mir die Berichte einmal her