... In ihren auf Armgart gerichteten Blicken lag : Wie benimmst du dich nur heute wieder gegen diesen besten aller deiner Bewerber ! Thiebold erzählte von Hedemann , von seiner Lebensrettung , von den Mühlenwerken und von Hedemann ' s Vettern ... Ich war in Borkenhagen ... mit meinem Freunde Benno von Asselyn zugleich , der - Sie wissen ja wol , in dem Dorfe da geboren und erzogen worden ist ... Geboren ? warf die Tante lächelnd und fast verächtlich ein ... Ganz recht ! verbesserte sich Thiebold . Wie kann ich vergessen - Mein Freund ist - Ein Spanier ja wol ? unterbrach den Einschenkenden Püttmeyer , den seine Freundinnen trotz seiner Verborgenheit au courant aller Verhältnisse der Gegend hielten und den der Wein und die Geisterwelt seltsam anregten ... Das doch wol eigentlich nicht ! berichtigte die Tante mit einem mysteriösen Lächeln . Sie mußte auf die Schüssel , die eben herumgereicht wurde , niederblicken , weil aus Paula ' s Augen ein bittender Blick sie traf ... Ein prächtiger Spaziergang ! fuhr Thiebold fort . Selbst im Winter ! Wir suchten im Wald bei Borkenhagen , in den Vorgebüschen von Schlehdorn , erst den Finkenfang , dann die Wolfshöhe und einen großen dort befindlichen Ebereschenbaum , der in Benno ' s Jugenderinnerungen - übrigens wird ja nächstens dort die große Jagd stattfinden - eine merkwürdige Rolle spielt - bitte , gnädigstes Fräulein , genirt Sie die Sonne ? ... Schon war ' s ein Strahl der abendlichen Sonne , der der Tante ins Antlitz fiel ... Thiebold war schon aufgesprungen , um den Vorhang niederzulassen ... Man bat , sich nicht zu incommodiren ... Püttmeyer wünschte gelegentlich den Tag der Jagd zu wissen , seiner Transparentbilder wegen ... Wir schreiben Ihnen das ! sagte die Tante und fuhr , auf Thiebold gewandt und zugleich ärgerlich über ein Erglühen Armgart ' s , als von Benno die Rede war , fort : Dann waren Sie gewiß auch auf dem armseligen Hof der närrischen verwilderten Alten , der dicht beim Walde vor Borkenhagen liegt ? Allerdings ! rief Thiebold vom Fenster zurückkehrend ... Armgart aber fiel mit leuchtenden Augen ein : Armselig ? Das war ehemals der schönste Bauernhof zwischen Borkenhagen und Witoborn ! Die Ställe voll Vieh , dabei fünf Pferde und die Scheuern voll Korn ... Auf dem Hof hat Benno reiten gelernt ! Da hob ihn Hedemann zuerst aufs Pferd ! Die Alten schenkten ihm sogar ein schwarzes Füllen ! Wie ich im letzten Herbst hinkam und sie daran erinnern wollte , wiesen sie mir freilich die Thür ... Aus dieser Mittheilung ersah man , daß Armgart in der ganzen Gegend zu hospitiren pflegte und überall den Bruder Gutentag machte ... Alte , verdrehte , abscheuliche Menschen sind ' s ! rief die Tante . Ruchlose sogar ! Warum hast du sie nicht lesen und schreiben gelehrt ? entgegnete Armgart ... Ich ? Ich ? Wie so ich ? Soll das eine Anspielung auf - mein Alter sein ? erwiderte die Tante und lächelte selbst sogar der Feinheit ihrer Bemerkung , ohne darum ihre zornige Aufwallung zu mildern ... Tantchen ! bat Paula und reichte ihre schöne , lange , ovale weiße Hand über den Tisch zur gereizten Verlobten des Onkel Levinus hinüber , während Armgart ' s Antlitz glühte und ihre starren Lippen sich nicht regten , eine so absichtlich verkehrte Auslegung ihrer Bemerkung zu berichtigen ... Diese Menschen , fuhr die Tante fort , sind die starrköpfigsten Bauern , die nur je hier zu Lande gelebt haben ! Gottesverächter sind sie geworden ! Ich gebe zu , sie wurden schlecht behandelt - Von einem Geistlichen ! schaltete Püttmeyer gar nicht mehr zaghaft ein ... Auch vom Landrath ! ergänzte die Tante . Solcher Trotz dann aber auch gleich ! Das kann auch nur bei uns vorkommen ! Ich seh ' und erleb ' es ja täglich ! Jetzt wieder der Streit um den Tanz im Finkenhof ! Bitte , Herr von Jonge , was man Ihnen auch erzählt hat und was Sie in Borkenhagen - mit Herrn von Asselyn - er heißt nur so , es ist ein Adoptivname - gesehen haben mögen , glauben Sie mir , diese Leute sind wie die Büffel ! Und die Hedemanns von je die obstinatesten ! Den künftigen Herrn Papiermüller nannten sie schon vor Jahren Herrn Remigius Dickschädel ! Auf solche aus dem Munde der Tante , die ja selbst einen Kopf wie von Eisen besaß , überraschend genug kommende Worte , stand seit Jahren fest , konnte keine Einrede gewagt werden . Paula ' s Auge richtete sich auf Armgart , deren Inneres vor Parteinahme zu Gunsten Hedemann ' s und ihres an Hedemanns Namen betheiligten Vaters aufloderte . Die braunen Augäpfel gingen hin und her , die Lippen öffneten und schlossen sich , die zitternden Finger drehten aus dem frischen witoborner Weißbrot kleine Vierundzwanzigpfünder wie zu einem Bombardement auf alle Welt ... Gnädigstes Fräulein ! wandte sich Thiebold zur Tante , ich weiß nicht , ob ich gut unterrichtet bin ... Ich weiß nur so viel ... Als Freund Hedemann nach Amerika ging , war der Abschied von den Aeltern auf ewig und Hedemann ließ zwei alte Leute in schönem Besitzstand zurück . Damals hatte der » so unglücklich geendete « Klingsohr , genannt der Deichgraf , die Ablösungen des ganzen Regierungsbezirks zu reguliren . Auch die alten Hedemanns wollten sich freikaufen . Auf ihrem Besitzthum haftete die Verpflichtung , dem Gutsherrn , zufällig dem Landrath , dem dieser Besitz von seiner Frau her gehörte , einen gewissen Theil des Ertrages - enfin , wie viel - kurz , ihm regelmäßig zu zehnten ! Zank hatte es schon um dieser Abhängigkeit willen genug gegeben ; denn nicht einen Baum durften die Hedemanns abhauen ohne den Willen des Gutsherrn ... Das liegt in den Verhältnissen ! sagte die Tante ... Ich glaube das ! Nun aber kam nach einem gewissen Leo Perl der Pfarrer Langelütje