unter seiner Reiterei behielt . Ein höheres Interesse fesselte die Zuschauer jedoch an die dritte Figur der Gruppe , die geheimnißvolle Reiterin , von der Capitain Ducru erzählt . Ihre Figur war schlank und ebenmäßig und saß fest und sicher im Sattel , nicht hockend und plump , wie die türkischen Frauen gewöhnlich zu reiten pflegen . Ein Yaschmak von feiner schwarzer Spitzengaze verhüllte zwar ihr Gesicht nach muselmännischer Sitte , doch wies der sichtbare Theil der Nase und Stirn und das feuersprühende , dämonisch dunkle Auge , daß die Fremde jung und schön sein mußte . Sie führte mit sicherer Hand das feurige arabische Roß , das sie ritt ; ein halb offenes Oberkleid von braunem Tuch mit dunklem Pelz besetzt und weite Beinkleider , von gleichfarbiger Seide bis auf die zierlichen Knöchel herabfallend , bildeten ihren Anzug . Ein reich verzierter Säbel hing an ihrer Seite , Pistolen waren in ihrem breiten Shawlgürtel . An der Seite des Pferdes schritt unbekümmert um das Menschengewühl ein großer Molosserhund . Das spöttische Gelächter , der höhnende Zuruf , der zuerst ihre beiden Gefährten begrüßt hatte , verstummte , als sich Aller Augen auf die dunkle Reiterin wandten . Bald murmelte es durch die Menge : » La Vengeresse ! la Vengeresse ! « und je weniger die Zuschauer von der Benennung verstanden , desto höher schwoll das Interesse daran und brach alsbald in einen stürmischen Hurrahruf aus . Die Türkin schien mit derselben Gleichgültigkeit und Verachtung auf die Beifallrufenden zu schauen , mit der sie vorhin ihren Hohn und Spott aufgenommen . Plötzlich aber zuckte es wie ein electrischer Funke durch ihren ganzen Körper . Sie preßte ihrem Roß die scharfen Spitzen der Bügel in die Flanken , daß es sich hoch bäumte , drehte es sicher auf den Hinterbeinen um und setzte mit einem Sprung auf die Menschenmauer zu , die erschrocken auseinander stob . Das Pferd mit seiner wilden Reiterin hielt dicht vor zwei Armeniern , die in ihre weiten schwarzen Talare gehüllt , das Barett tief in die von dunklen Bärten halb verdeckten Gesichter gedrückt , zuschauend unter der Menge gestanden . Mit einem seltsamen Gemisch von Entsetzen und Aufregung blickte der Jüngere auf die Amazone , während der Aeltere ihn fortzuziehen sich bestrebte . Nur einen Augenblick dauerte die Scene . Das Weib auf dem Pferde hob wie warnend die Hand und sagte langsam und deutlich : » Die Reihe ist an Dir , hüte Dich , Nicolas Caraiskakis ! « und im nächsten Moment schon lenkte sie ruhig zurück in die Reihe und ritt weiter , gleich als sei Nichts geschehen und als habe ihr Roß nur durch Zufall gescheut , und der Menschenstrom schloß sich alsbald wieder um sie her . Die Hand des ältern Armeniers aber zog den Erkannten mit sich fort aus dem Gedräng in die nächste enge Quergasse , durch einen kaum mannesbreiten Durchgang , und weiter , bis sie in die Griechenstadt kamen und zu der halbverfallenen Mauer eines Hofes . Auf ein eigenthümliches Klopfen wurde die Thür von Innen geöffnet und Beide traten in den engen Hof , aus dem sie durch einen langen Gang in das von der Straße gleichfalls durch Mauer und Thor abgesonderte Vorderhaus gelangten . In einem Gemach zu ebener Erde , das an den Fenstern stark vergittert war , hielt endlich der Aeltere an und wandte sich zu dem Mann , der ihm geöffnet . » Rufe Geurgios und wer sonst von den Brüdern im Hause ist . « Dann , während der Diener sich entfernte , wandte er sich an seinen Gefährten . » Das Weib erkannte Dich trotz der Verkleidung . Wer ist sie ? « » Fatinitza - die Wölfin von Skadar - die Tochter Selim-Bey ' s , des verstorbenen Pascha ' s von Skadar . « » Ich habe von dem Knaben Mauro Manches gehört von dem Character dieser Frau und Deinem Verhältniß zu ihr , während Dein Mund gegen den eigenen Bruder verschlossen blieb . Du hast sie zu fürchten ? « » Sie hat mir Verderben geschworen - in der Kula von Protopapas . « » Sie möge ihre Macht probiren , - ehe die Sonne aufgeht über den Golf , wirst Du auf den Wellen des Mavri-Thalassa3 schwimmen . « Er legte das Barett , die falsche Haartour mit den langgewickelten dunklen Locken und den Bart ab , - es war Gregor Caraiskakis , der mit dem Bruder gesprochen . Zugleich traten Geurgios der Fanariot und zwei andere Griechen in das Zimmer mit dem Knaben Mauro . » Ist Nursah in seinem Gemach ? « Der Knabe bejahte . » Der Bursche hängt mit Fanatismus an seinem Herrn und hat gedroht , Alles zu verrathen , ehe er ihn in Gefahr ließe . Die Nachricht , daß der Doctor verurtheilt ist und morgen erschossen werden soll , muß ihm verborgen bleiben . « Es klang wie ein leiser Schrei durch das Gemach , und Caraiskakis blickte sich um , aber es war Nichts . » Die Zeit des Handelns für uns ist gekommen . Höhere und wichtigere Interessen haben mich gezwungen , den Freund in die Gefahr zu bringen , die ihn jetzt bedroht . Fluch diesem Inglis , der ihn und uns verrathen . Meine Pflicht ist es jetzt , ihn zu retten und sei es mit meinem Blute . « » Was gedenkst Du zu thun ? « fragte Geurgios . » Zuerst die Interessen unsers Glaubens und unsers Vaterlandes . Ich bringe schlimme Botschaft : Hadji Petros ist von Fuad , Zeinel-Pascha und Abdi geschlagen worden . Der General stand mit 4000 tapfern Hellenen bei Kalambaka , - Zacco und Katarachia deckten die uneinnehmbaren Pässe von Syrakos . Da sandten die Franken ihre Commissare zu Zacco und der Verräther gab ihren Lockungen und Versprechungen nach und räumte die Schanzen . Am andern Tage standen die Moslems vor Kalambaka . Hadji vertheidigte es mit viertausend Getreuen fünf Stunden lang gegen Eilftausend , - kaum