ältere Schwester trübe lächelnd . » Du bist ein kleiner Fresser , der an nichts Anderes denkt . Jetzt sind es kaum ein paar Stunden , daß wir zu Mittag gegessen haben ; wie kannst du schon wieder Hunger haben ? « » Weil ich keinen Kaffee mehr bekomme wie früher , « erwiderte finster das Bübchen ; » da hat man doch auch den Nachmittag was zu thun gehabt . « » Ich denke mir , « meinte der Vater , » du hättest gern alle Stunden mit Essen und Trinken abgewechselt . « » Das hätte ich auch , « entgegnete Karl , » und immer was Besseres . « » Und wenn du nun das Allerbeste gehabt hättest , was es gibt , dann - ? « » Dann - « wiederholte der Knabe , ohne zu verstehen , was der Vater eigentlich sagen wollte , denn von einem Kulminationspunkt hatte er noch keine Idee . » Dann wäre es dir ergangen wie den beiden Fischersleuten , die im Wassertopfe wohnten . « » Und den kostbaren Zauberfisch fingen , « rief Marie . » Ganz richtig , « versetzte Herr Staiger , indem er seine Feder niederlegte und gedankenvoll an die Decke blickte . » Die wollten auch immer etwas Besseres , zuerst Geld , dann ein Haus , dann Fürst werden , dann König , und zuletzt Pabst . Das erhielten sie und wurden auch Alles nach und nach , als aber die Frau des Fischers endlich der liebe Gott selbst werden wollte - pumps dich ! da hatten sie nichts mehr und mußten wieder in ihrem Wassertopfe wohnen und trockenes Brod essen . - Das ist ein verständiges Märchen , « fuhr der alte Mann träumerisch fort , » und wir Alle haben etwas von den Fischersleuten in uns . Heute begnügen wir uns mit einer einfachen Mahlzeit , morgen ist uns die bessere nicht mehr gut genug , denn wir wünschen alsdann dazu auch ein stattliches Zimmer , endlich ein Haus und obendrein noch gar einen Titel . « » Ich glaube nicht , daß ich so wäre , « sagte Clara . » O , ich hätte eine Grenze gewußt , bei der angekommen ich vollkommen glücklich und zufrieden gewesen wäre ! « Der alte Mann blickte seine Tochter bewegt an , dann entgegnete er : » Ich verstehe dich wohl , mein armes Kind , aber wenn auch damit für jetzt der Horizont deiner Wünsche abgeschlossen wäre , so glaube mir zu deinem Troste , daß , wenn du alles das erreicht hättest , doch die Zeit gekommen wäre , wo neue Wünsche dein Herz bewegt hätten . « Clara wollte etwas erwidern , doch wandte sie ihren Kopf plötzlich gegen die Kammer vor dem Wohnzimmer , wo man deutlich vernahm , daß dort die Thüre geöffnet wurde und sich Schritte näherten . Darauf klopfte es ziemlich laut und vernehmlich , so daß sich die kleine Marie beeilte , » Herein ! « zu rufen . Die Thüre öffnete sich und es erschienen zwei Personen auf der Schwelle , eine Dame und ein Herr , von denen sich die Erstere lachend der Tänzerin näherte , und ehe diese aufstehen konnte , freundlich ihre Hände ergriff . Es war Mademoiselle Therese , die lustig und strahlend hereintrat und sich augenblicklich auf den Stuhl niederließ , den ihr Herr Staiger hinstellte , ohne sich dabei viel um ihren Begleiter zu bekümmern , der , den Hut in der Hand , ziemlich schüchtern an der Thüre stehen geblieben war . Es war das ein Mann , vielleicht in den Vierzigen , ziemlich dürr , mit einem ernsten , eingefallenen Gesichte , hoch emporgezogenen Augenbrauen und etwas herabhängender Unterlippe . Sein Haar war einfach zurückgekämmt , und da er hiebei den Kopf etwas geneigt trug , so gab ihm das ein demüthiges Aussehen , welches noch unterstützt wurde durch die etwas gebeugte Haltung des Körpers und die verlegene Art , mit welcher er seinen Hut in beiden Händen so hielt , daß sich seine Blicke in denselben hinein , man möchte fast sagen : verkriechen konnten . Auf Momente erhob er die Augen und dann fuhr aus ihnen ein eigenthümlicher Blitz über die Tänzerin . Dieser Herr trug einen braunen Ueberrock bis an den Hals zugeknöpft , so daß man nichts sah als eine weiße Halsbinde , wodurch übrigens die fahle Gesichtsfarbe ein wenig aufgefrischt wurde . Therese hatte sich nach Clara ' s und ihres Vaters , sowie auch nach dem Befinden der Kinder erkundigt , auch gesagt , sie habe schrecklich viel zu thun und wisse nicht , wo ihr der Kopf stehe , während welcher Zeit ihr Begleiter in der Nähe der Thüre verharrte . Erst als sich Clara erhob , um denselben zu begrüßen und ihn mit einem Blick auf Therese zu bitten , gefälligst näher treten zu wollen , wandte diese den Kopf herum und sprach leichthin : » Du brauchst dich hier gar nicht zu geniren , Berger , das ist Herr Staiger und meine gute Freundin Clara ; wir sind hier ganz unter uns . Dort ist ein Stuhl , den kannst du dir mitbringen . - Mein Bräutigam , « wandte sie sich mit einer Handbewegung an Herrn Staiger , dann warf sie den Kopf etwas in die Höhe und fuhr ernster fort : » Ich brauche dir wohl nicht zu sagen , liebe Clara , daß ich meine Brautvisiten mache . - Gott ! es ist das schrecklich langweilig , « setzte sie leiser hinzu . » Ah ! da gratulire ich , « versetzte herzlich Herr Staiger , indem er dem Bräutigam die Hand schüttelte und demselben dabei mit einem kleinen Rucke zum Sitzen verhalf , denn Herr Berger schwebte einige Sekunden lang über dem Stuhle , und schien es für passend zu halten , auf diese Art die Gratulation in Empfang zu nehmen . » Da hast du viel zu thun , « sagte